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Sparkurs Wie Super-Sergio Fiat retten will

Fiat-Chef Sergio Marchionne führt sein Geschäft mit Weitblick und rein nach betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten. Sentimentalitäten liegen ihm nicht, investiert wird nur dort, wo es sinnvoll ist. Erst bekam dies Lancia zu spüren, nun ist Fiat dran.

 Fiat-Chef Sergio Marchionne spricht mit Ratan Tata, Chef der Tata Group Quelle: REUTERS

Der Genfer Salon ist nicht nur eine der weltgrößten Automobilmessen, ein exklusives Schaufenster für die neuesten Fahrzeuge und Technologien. Es ist nicht zuletzt auch ein Schauplatz der Eitelkeiten. An der Zahl der Größe der Standfläche, an der Standarchitektur und der Lautstärke, mit der die Besucher beschallt werden, können Besucher sehr gut ablesen, welcher Fahrzeughersteller gerade volle Taschen hat, mit der Krise kämpft - oder schon so gut wie tot ist.

An den beiden ersten Tagen, wenn die Vorstände der Unternehmen einfliegen, um der Fachpresse ihre neues Autos zu präsentieren und – sofern schon möglich – auch ihre Einschätzung der wirtschaftlichen Lage zu geben, zeigt sich zudem, mit welchen der Spitzenmanagern der Autoindustrie in den nächsten Jahren gerechnet werden muss – und welche ihren Zenit schon überschritten haben. Während beispielsweise Daimler-Chef Dieter Zetsche hauptsächlich damit beschäftigt war, der Welt zu erklären, dass die Verlängerungen des Vertrages durch den Aufsichtsrat um nur drei statt fünf Jahre kein Beinbruch war, strotzte VW-Chef Martin Winterkorn nur so vor Selbstbewusstsein und nutzte die Show unter anderem dazu, die Konkurrenz mit dem weltweit sparsamsten Hybridfahrzeug vorzuführen.

Doch der eigentliche Star von Genf war in diesem Jahr Fiat- und Chrysler-Chef Sergio Marchionne. Nicht nur, weil der mit dem Supersportwagen „Le Ferrari“ (963 PS stark, eine Million Euro teuer) ein Messe-Highlight zu präsentieren hatte, an dem auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ernsthaftes (Kauf-) Interesse zeigte. Zur Ausnahmeerscheinung macht den 60-jährigen Italo-Kanadier längst nicht mehr nur sein graublauer Pullover, mit dem er wie üblich schon rein optisch aus der Masse der Anzug- und Krawattenträger hervorsticht. Seine Unkonventionalität machte Marchionne in Genf auch beim Pressegespräch deutlich, durch physische Präsenz, Gesten und Körperhaltung – aber noch mehr durch klare Worte und ehrliche Aussagen, die in dieser Branche eher selten sind.

Stars und Neuheiten auf dem Genfer Autosalon
Concept Giugiaro Parcour XGT-CoupeEin SUV-Coupé im Sportwagen-Design? Der Parcour der Design-Manufaktur Italdesign Giugiaro sorgt auf den ersten Blick für Verwirrung. Tatsächlich handelt es sich um eine wilde, aber durchaus gelungene Mischung aus Crossover, SUV, Coupé, Cabrio und Mittelmotor-Sporwagen. In dem knallroten Flitzer steckt ein V10-Motor aus dem Lamborghini Gallardo mit 550 PS damit schafft er die 100 km/h binnen 3,6 Sekunden. Spitzengeschwindigkeit: 320 km/h. Quelle: dpa
VW XL1 Volkswagen zeigt das Vorserienmodell des VW XL1, das mit einem Durchschnittsverbrauch von 0,9 Litern Diesel sparsamste Hybridauto der Welt. Eine dank Kohlefaser ultraleichte (795 Kilogramm) und zudem aerodynamisch optimierte Karosserie (Cw 0,189) machen es möglich. Zudem kann der 65 PS starke und bis 160 km/h schnelle Tropfenwagen dank Elektroantrieb zumindest Teilstrecken völlig emissionsfrei dahinrollen. Die erste Serie des futuristisch gestylten Zweisitzers soll nur 250 Fahrzeuge zählen. Dabei wird es aber sicher nicht bleiben. "Eine Million Autos, vielleicht sogar zwei Millionen" des XL1 ließen sich sicher absetzen, scherzte Ferdinand Piech im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Wahrscheinlich werden es aber eher 1000. Quelle: dpa
Ford EcoSport Als komplett neu konzipiertes SUV-Modell bezeichnet Ford seinen EcoSport. Der soll Agilität, Kosten- und Verbrauchsvorteile eines Kleinwagens mit Flexibilität und Geräumigkeit eines SUV vereinen. Ford bietet den EcoSport in Europa mit dem preisgekrönten EcoBoost-Dreizylinder-Benziner mit 1,0 Liter Hubraum an. Zudem stehen unter anderem ein 1,5-Liter-Benziner und ein 1,5-Liter-Dieselmotor zur Wahl. Gemeinsam mit neuer Kuga-Generation und dem später erscheinenden Modell Edge erweitert der neue EcoSport ab 2013 die europäische SUV-Palette von Ford. Quelle: obs
Seat Leon SCBodenständiger geht es bei der VW-Tochter Seat zu. Den Leon bieten die Spanier nun erstmals als Dreitürer an. Der Radstand wurde um 35 Millimeter verkürzt, das soll den Leon sportlicher zu fahren machen. Die Motoren sind identisch mit dem fünftürigen Modell und reichen von 86 bis 184 PS. Quelle: dpa
Subaru Concept Car Viziv"Vision for Innovation" - kurz Viziv heißt die Studie der Japaner, die vom neuen "Subaru Boxer-Diesel-Hybrid" angetrieben wird. Dahinter verbirgt sich ein Zweiliter-Turbodiesel in Boxerbauweise sowie drei Elektromotoren. Das Concept Car zeigt auch wohin Subaru in puncto Design bei seinen nächsten Modellen möchte. Nettes Gadget: das Assistenzprogramm EyeSight. Stereokameras sollen dem Fahrer helfen im Verkehr den Überblick zu behalten. Quelle: AP/dpa
Ford Tourneo CourierNeben den Sportwagen und Hightech-Concept-Cars kommt die Familienkutsche von Ford ziemlich alltäglich, aber umso praktischer daher. Der Tourneo Courier rundet als Kleinwagen-Variante die aus insgesamt vier Modellen bestehende Tourneo-Familie von Ford ab, die neben den Van-Modellen der "MAX"-Familie ihren Schwerpunkt vor allem auf die flexible Beförderung von Personen und ihrem Gepäck legt. Quelle: obs
Lamborghini Veneno750 PS, 355 km/h, so teuer wie 200 VW Golf - der Veneno ist ein Wagen der Superlative. Von dem Zweisitzer wurden nach Firmenangaben nur drei Stück gefertigt, die allesamt außerhalb Italiens verkauft wurden. Der Flitzer kostet drei Millionen Euro, ohne Mehrwertsteuer und ist damit das teuerste Ausstellungsstück in Genf. Quelle: dpa

Den Anwesenden dürften jedenfalls die Ohren geklungen haben, als er lässig mit einer Flasche Zitronenlimonade spielend ankündigte, die Kernmarke Fiat für eine Übergangszeit auf Kleinwagen zu reduzieren: „Der Panda und der 500 sind der Markenkern. Die Baureihen wollen wir ausbauen“ – aber in den Rest werde erst einmal nicht weiter investiert. Der Familien-Van Fairmont, ein umgebadgter Chrysler Voyager, sei noch frisch. Und auch für den Punto, immerhin schon seit 2005 auf dem Markt, und den Bravo, der in der aktuellen Form seit 2007 im Handel ist, gebe es vorerst keine Nachfolger. Frühestens 2015 sei damit zu rechnen: „Dann sehen wir klarer.“ Klarer vor allem über die Auswirkungen und die Dauer der Eurokrise, die Italien fest im Griff hat und die den Absatz von Fiat drückt: Im Februar setzte die Marke zwischen Meran und Marsala weniger als 31.000 Autos ab, rund 17 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Dass der Marktanteil aufgrund des schwachen Gesamtmarkts um 0,2 Punkte auf 28,48 Prozent stieg, kann da nicht wirklich trösten.

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