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Sparprogramm Für Daimlers Zulieferer brechen schwere Zeiten an

Daimlerchef Ola Källenius hat ein Sparprogramm vorgestellt, bei welchem schwere Zeiten für Zulieferer anbrechen. Quelle: AP

Daimler muss sparen – und will jetzt die Kosten drücken. Der geplante Personalabbau steht für viele im Fokus. Dabei dürfte es auch für die Zulieferer nicht einfach werden. 

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Der neue Daimlerchef Ola Källenius hat sein Sparprogramm vorgestellt. Doch während derzeit alle vor allem darauf schauen, dass Daimler 1,4 Milliarden Euro beim Personal einsparen will, geht eine weitere Gruppe unter: die Zulieferer. Die ohnehin bereits von Transformation und Absatzflaute gebeutelten Lieferanten bekommen jetzt zusätzlichen Druck von mehreren Seiten. So will Daimler die Materialkosten massiv senken. Källenius möchte die Ebit-Marge des Konzern – also den Gewinn vor Zinsen und Steuern - allein durch geringere Materialkosten um einen Prozentpunkt verbessern. Und das jedes Jahr.

Es geht um gewaltige Summen. Allein die Sparte Mercedes-Benz-Cars kauft Material im Wert von 45 Milliarden Euro pro Jahr ein. Billiger würde es, wenn Daimler zum Beispiel weniger Schnickschnack in die Autos einbaut. Andererseits aber könnte der Autobauer auch Abstriche bei der Qualität seines Materials machen. Doch das ist nicht nur Kunden einer Premiummarke schwer zu vermitteln – auch bei Zulieferern gingen dann Umsätze und Margen runter. Denn je mehr Aufwand in einem Teil steckt, desto bessere Preise können sie mit den Autobauern verhandeln. 

Am wahrscheinlichsten aber ist es, dass Daimler versuchen wird, die Einkaufspreise weiter zu drücken. Auch dann würden die Zulieferer bei ihren Margen einbüßen. Vor allem kleine und mittelständische Betriebe klagen unabhängig von der Situation bei Daimler immer wieder darüber, dass die Autobauer sie auspressten. Neben Forderungen nach Preisnachlässen würden einige Einkäufer noch vor der Vergabe eines Auftrages Rabatte vom Zulieferer auf bereits bestehendes Geschäft fordern, berichten sie. So sinkt auch die Marge bei dem bereits bestehenden Geschäft weiter.

Doch auch der Plan, die Personalkosten in den kommenden Jahren um 1,4 Milliarden Euro zu senken, setzt die Zulieferer weiter unter Druck. Denn der mächtige Betriebsrat von Daimler kämpft naturgemäß darum, so viele Mitarbeiter wie möglich halten zu können. Die Idee: Bevor Jobs bei Daimler verloren gehen, muss man die Menschen eben anders beschäftigen, ihnen neue Aufgaben geben – zulasten von Zulieferern. „Unser Weg muss sein, an erster Stelle Prozesse und Fremdvergaben auf den Prüfstand zu stellen. Wir fordern das Insourcing von ausgelagerten Tätigkeiten“, sagte Ergun Lümali, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Daimler als Reaktion auf die Abbaupläne.

Übersetzt heißt das, dass doch lieber Mitarbeiter von Daimler Arbeit übernehmen sollen, statt die Lieferanten. Das ist bereits Realität: Aktuell kämpft der Betriebsrat für das Motorenwerk in Untertürkheim. Das Stuttgarter Stammwerk braucht dringend zukunftsfeste Produkte und muss sich auf die Zeit vorbereiten, in denen es keine Verbrennungsmotoren mehr gibt. Der Betriebsrat will deswegen den Auftrag für den Antriebsstrang für E-Autos nach Untertürkheim holen. Das Management aber will aktuell lieber kostengünstigere Zulieferer einsetzen – und fordert für den Fall einer Vergabe im Haus millionenschwere Zugeständnisse von den eigenen Mitarbeitern.

Der Gesamtbetriebsrat hat sich bereits mit den Kollegen im Werk Untertürkheim solidarisiert. Er forderte Källenius jüngst dazu auf, „den elektrischen Antriebsstrang am Standort Untertürkheim zu entwickeln, zu montieren sowie Teile des elektrischen Antriebsstrangs dort zu fertigen.“ Eine Entscheidung gegen den Standort sei gleichzusetzen mit einer Entscheidung gegen die Zukunft aller deutschen Standorte.

Wie der Kampf ausgeht, ist noch nicht entschieden: Aber er tobt. Und die Zulieferer? Unterbieten sich gegenseitig.

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