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Staatsminister wechselt zu Daimler Von Klaeden tritt ein schweres Erbe an

Staatsminister Eckart von Klaeden wechselt aus dem Kanzleramt als Cheflobbyist zu Daimler. Nach 20 Jahren im Bundestag will er zwar nicht weniger, aber anders arbeiten.

Steinbrück heuert bei der ING-DiBa an
Peer Steinbrück Quelle: dpa
Katherina Reiche Quelle: dpa
Viviane Reding Quelle: dpa
Der Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr ist ab November Generalbevollmächtigter bei Allianz Private Krankenversicherung (APKV). Quelle: dapd
parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Ursula Heinen-Esser (l) Quelle: dpa
Stéphane Beemelmans Quelle: dpa
Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Jan Mücke Quelle: dpa

Das Motorengeräusch klingt schon mal vertraut. Wenn Eckard von Klaeden am 1. Januar kommenden Jahres seinen neuen Dienstwagen bekommt, bietet das sonore Brummen einen Hauch Heimatgefühl. Denn privat fährt der 47-Jährige aus Hildesheim einen E-Klasse-Kombi von Mercedes – genug Platz für die fünfköpfige Familie. Bald kann er - mit etwas Glück - vielleicht sogar mal die Kinder damit zur Schule bringen.

Künftig wird auch die Dienstkarosse ein Wagen mit dem Stern sein. Denn von Klaeden, bis zum Oktober noch Staatsminister im Kanzleramt, wechselt als Außenbeauftragter und gleichzeitig als Hauptstadt-Repräsentant zur Daimler AG. Das ist der prestigeträchtigste Lobby-Posten, den es in Berlin zu vergeben gibt.

Der Wechsel kommt für die Öffentlichkeit so überraschend wie für von Klaeden das Angebot. Denn er galt weder als unzufrieden mit dem Amt - als Staatsminister genannter Parlamentarischer Staatssekretär war er unter anderem oberster Bürokratie-Bekämpfer der Regierung - noch hatte er Krach mit der Chefin. Von Klaeden ist zwar ein fröhlicher Mensch, aber keine Plaudertasche. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel konnte sich auf ihn verlassen, und die Parteivorsitzende Merkel vertraute ihm für vier Jahre die Kasse des Vereins an.

Die Brandherde des Dieter Zetsche
Citan versagt beim Crash-TestDie Zusammenarbeit zwischen Mercedes und Renault kratzt schwer am Image der deutschen Premiummarke. Das erste gemeinsame Produkt, der Kastenwagen Citan offenbart beim Euro-NCAP-Crashtest schwere Sicherheitsmängel. Statt wie üblich fünf gab es für den Mercedes nur drei Sterne. Der Kopfairbag verfing sich beim simulierten Frontalzusammenstoß. Und das harte Armaturenbrett hätte im Ernstfall den Insassen ernste Verletzungen zugefügt. Der Citan schnitt hier sogar noch schlechter ab als der Kangoo. Quelle: Screenshot
Ein Audi auf einer Rennstrecke Quelle: Audi
Ein schöner alter Mercedes Quelle: dpa/dpaweb
Dieter Zetsche und Carlos Ghosn Quelle: REUTERS
Kein starker GroßaktionärWährend bei BMW Johanna Quandt und ihren Kindern Stefan Quandt und Susanne Klatten gut 48 Prozent der Stimmrechte halten, fehlt Daimler ein solch starker Großaktionär. Kuwait ist mit einem Anteil von 7,6 Prozent Daimler größter Einzelaktionär. Erst im vergangenen Oktober trennte sich der bis dahin bedeutendste Aktionär, das Scheichtum Abu Dhabi, von seinen Anteilen. Der Staatsfonds Aabar besitzt nun keine direkten Stimmrechte mehr an dem Dax-Konzern. Dafür ist der chinesische Staatsfond CIC bei den Schwaben eingestiegen, allerdings ebenfalls nur mit knapp drei Prozent. Eine starke Schutzmacht im Rücken fehlt Zetsche damit nach wie vor. Quelle: dpa
Qualm kommt aus einem Auspuff Quelle: AP
Schwaches KleinwagensegmentBMW setzte 2012 mehr als 528.000 BMW 1er und Minis ab - das Kleinwagensegment der Bayern läuft wie geschnitten Brot. In Stuttgart sind es deutlich magerer aus - 2012 verkaufte Daimler 337.000 Smarts. Und BMW schafft es für die Mini-Flitzer stattliche Preise zu verlangen. Mehr als 20.000 Euro sind Kunden bereit für einen Mini zu bezahlen. Daimlers Smart kann da nicht mithalten. Ob seine Elektroversion den Durchbruch auf dem Kleinwagenmarkt oder Carsharingmarkt bringt, steht noch in den Sternen. Quelle: dpa

Zwar gehört von Klaeden immer noch zur jungen CDU-Riege, auch weil er stets viel jünger wirkt, als er ist. Aber im September beendet er bereits seine fünfte Legislaturperiode. Da nun die Hälfte seines Berufslebens vorbei ist, stellte ihn das Angebot von Daimler vor die Frage: Soll ich für immer Berufspolitiker sein? Je länger er sich mit der Offerte befasste, desto klarer wurde ihm seine Antwort: Besser nicht.

Seine politische Erfahrung passt ideal auf die neue Funktion: Von Klaeden mischt seit den Tagen in der jungen Union vor 33 Jahren in der CDU mit, kennt jeden in der Partei. 20 Jahre im Parlament und vier Jahre im Kanzleramt haben zudem etliche Kontakte und Verwaltungserfahrung geschaffen. Und beim weltweiten Einsatz für den global tätigen Autokonzern kann von Klaeden jene Zeit weiternutzen, die er als außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion verbracht hat.

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Je nach akuter Lage ist sein künftiger Einsatzort mal die Zentrale in Stuttgart, mal die Hauptstadt und mal das Ausland. Gilt es, verschärfte Grenzwerte für den CO2-Ausstoß zu verhindern oder den Streit um vermeintlich gefährliche Klimaanlagen zu schlichten, führt ihn der Weg nach Brüssel und Berlin. Aber von Klaeden wird auch im Einsatz sein, wenn es um die Genehmigung neuer Fabriken im Ausland geht.

Sein Vorgänger Martin Jäger, der noch bis zum Jahresende den Mercedes-Stern in Berlin leuchten lässt, kehrt nach gut fünf Jahren in den Auswärtigen Dienst zurück. Der frühere Sprecher des Außenamts, den sich der damalige Dienstherr Frank-Walter Steinmeier (SPD) aus dem Kanzleramt geholt hatte, geht als deutscher Botschafter nach Kabul.

Jäger hatte den Lobbyisten-Job elegant interpretiert und in der edlen Repräsentanz, dem ehrwürdigen Haus Huth am Potsdamer Platz, die führenden Firmenvertreter mit politischen Gästen zusammengebracht. Das nutzte dem Ansehen des Arbeitgebers, aber etwas Glanz fiel immer auch auf den Gastgeber. Von Klaeden tritt damit kein einfaches Erbe an.

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