Steuernachzahlungen Der ADAC hat Ärger mit dem Finanzamt

Nach den Tricksereien rund um den Gelben Engel hat der zweitgrößte Automobilclub der Welt nun handfesten Ärger mit dem Finanzamt. Es drohen Steuernachzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe.

ADAC-Zentrale Quelle: dpa

August Markl, der als kommissarischer Präsident zurzeit den von Skandalen erschütterten ADAC führen muss, wollte ein Signal des Aufbruchs aussenden. Man werde künftig keine Auto-Kindersitze mehr verkaufen, sagte Markl anlässlich der Bilanzpressekonferenz heute in München. Schließlich trete der Automobilclub auch als unabhängiger Tester für die Sitze auf. Für weitere 360 Produkte prüft der ADAC ähnliche Schritte. Außerdem werde man in Zukunft keine „aggressive Mitgliederwerbung“, etwa zu später Stunde in Diskotheken, mehr betreiben. Es sind kleine Schritte, die der Öffentlichkeit wohl zeigen sollen: Wir haben gelernt, vor Euch steht ein geläuterter ADAC.

An anderer – vielleicht wichtigerer – Stelle hat Markl zurzeit dagegen immer noch mit schweren Altlasten zu kämpfen. Das Finanzamt prüft, ob der ADAC möglicherweise über Jahre zu wenig Steuern gezahlt hat. Die Behörden hätten „Abweichungen zu den Vorjahren festgestellt“, so Thomas Kagermeier, für die Finanzen zuständiger Geschäftsführer beim ADAC. Die Behörden haben den Automobilclub aufgefordert, eine Stellungnahme zu den strittigen Fragen abzugeben. „Die wird in einigen Wochen fertig sein“, verspricht  Kagermaier.

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V.

Im Kern geht es um die Frage, ob und in welcher Höhe der ADAC aufgrund seine Schutzpaketes auf Anteile der Mitgliedsbeiträge Versicherungssteuer abführen muss. Man habe an der bisherigen Praxis der Versteuerung nichts geändert, argumentiert der ADAC. Vielmehr hätten die Behörden die Kriterien, die sie bei der Festsetzung der Steuern zu Grunde legen, verändert. Für den jetzt fraglichen Zeitraum zwischen 2007 und 2009 drohen dem Automobilclub im schlimmsten Fall Nachzahlungen zwischen 150 und 200 Millionen Euro, sagte Kagermeier heute. Möglicherweise kommen auf den ADAC weitere Nachzahlungen an die Finanzbehörden für die Jahre ab 2010 zu.

Statt sich auf solchen Baustellen abzuarbeiten, würden Markl und seine Kollegen viel lieber nach vorne blicken. Sieben Arbeitsgruppen tüfteln zurzeit an angeblich tief greifenden Reformen für den Mauschel- und Pannenclub. Die Kanzlei Freshfields entwirft einen Katalog mit Compliance-Richtlinien, die Skandale wie in der Vergangenheit verhindern sollen.

Gleichzeitig versucht der ADAC im Sinne von mehr Transparenz die Rechnungslegung der 18 Regionalclubs zu vereinheitlichen. Eine der größten Herausforderungen ist aber wohl die Neubesetzung der Führungsspitze. Ein neuer  Präsident für den ADAC soll von außen, nicht aus dem Kreis der Mitglieder, kommen, heißt es in der Geschäftsführung. Die Suche könne sich durchaus bis zum kommenden Jahr hinziehen.

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Allzu groß ist der Druck zu Veränderungen beim Münchner Skandalclub allerdings  nicht. Zwischen Januar und Ende Mai sind 320.000 Mitglieder aus Ärger über die Tricksereien, etwa bei der Vergabe des Gelben Engel, aus dem ADAC ausgetreten. Im gleichen Zeitraum verzeichnete der Automobilclub allerdings 370.000 Neuzugänge. Zwar kämen bis Jahresende wohl noch einige Austritte dazu, weil manche Kündigungen erst später wirksam würden, so Markl. Doch der Gipfel der Austrittswelle sei schon im Februar erreicht gewesen. Und damit der Trend anhält, sollen künftig vor allem Rat und Hilfe für die Mitglieder im Mittelpunkt der ADAC-Arbeit stehen.

Wie dies allerdings zum Engagement des Automobilclubs im Geschäft mit Fernbusverbindungen passt, bleibt Markls Geheimnis. Der ADAC will am Joint Venture mit der Deutschen Post festhalten und wie angekündigt das Streckennetz des ADAC Postbusses erweitern, auch wenn das Geschäft zurzeit Miese schreibt. Markl: „Wir hoffen, bald positiv zu sein.“

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