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Streik in Brasilien beendet VW nimmt 800 Kündigungen zurück

Elf Tage dauerte der Streik in Volkswagens größtem Werk in Südamerika an. Nun haben sich Gewerkschaft und Arbeitgeber geeinigt und VW nimmt die Kündigungen von 800 Stellen zurück: "Ein Sieg für die Arbeiter", heißt es.

VW plant Crafter-Werk in Polen
Posen, PolenVolkswagen steht kurz vor dem Bau eines neuen Werkes in Polen für seinen Großtransporter Crafter. Die Konzernzentrale in Wolfsburg favorisiere den Standort im Großraum Posen, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Managements im VW-Nutzfahrzeugwerk Hannover-Stöcken, das auch auf den Zuschlag für den Crafter-Bau hoffte. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete ebenfalls von entsprechenden Plänen. Bisher lässt VW den Großtransporter bei Daimler bauen, der Crafter gleicht größtenteils dem Mercedes-Sprinter. Die Kooperation läuft 2016 aus. Nach dpa-Informationen könnte die Fabrik in Stöcken künftig Teile der Produktion des VW-Kompaktvans Touran bekommen. VW war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Quelle: dpa
Puebla, MexicoVW gilt in Mexiko als Erfolgsgeschichte. Rund zehn Millionen Autos haben die Wolfsburger bislang am Standort Puebla gebaut. Eine ganze Region hängt an dem Riesenwerk. Auf dem Weg zum größten Autokonzern der Welt soll der neue Golf nun den schwierigen US-Markt erobern. „Der Produktionsstart des Golf 7 wird Volkswagen in Nordamerika ordentlich Schub nach vorn geben“, sagt auch VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn bei der Jubiläumsfeier. Bis 2018 will Volkswagen in der Region sieben Milliarden US-Dollar investieren. Ein Großteil davon dürfte nach Mexiko fließen. Quelle: AP
Foshan, China300.000 neue Golf-Modelle sollen in Foshan jährlich vom Band rollen - vorerst. Das neue Volkswagen-Werk in der südchinesischen Provinz Guangdong, nahe der Stadt Foshan soll in einer zweite Phase auf eine Kapazität von 600.000 Fahrzeuge ausgebaut werden. 6500 Beschäftige hat das Werk bisher. VW-China-Vorstand Jochem Heizmann erklärte, VW befinde sich zudem in "intensiven Gesprächen" mit seinem chinesischen Partner FAW. Dabei gehe es um eine Erhöhung des VW-Anteils am Joint-Venture FAW-Volkswagen auf von 40 auf 50 Prozent. Angesichts der Krise auf dem europäischen Automarkt wird für VW das Geschäft in China immer wichtiger. Im vergangenen Jahr produzierten die Wolfsburger mit ihren beiden chinesischen Partnern SAIC und FAW gut 2,6 Millionen Fahrzeuge. Bis 2018 sollen die Kapazitäten früheren Angaben zufolge in China auf vier Millionen Autos pro Jahr ausgebaut werden. Quelle: dpa
Changchun, ChinaModelle: VW Jetta, New bora, Golf, Sagitar, Magotan, Magotan CC, Motoren, Getriebe Das Joint-Venture mit FAW gingen die Wolfsburger 1991 ein. Fast 16.000 Menschen arbeiten in den gemeinsamen Werken. In Ningbo hat Volkswagen mit dem Bau eines neuen Werkes in China begonnen. Es soll 2014 fertig gestellt sein und eine Kapazität von 300.000 Fahrzeugen jährlich haben. Quelle: dpa/dpaweb
Puebla, MexikoModelle: Beetle, Jetta, Golf Variant In Puebla produziert Volkswagen seit 1964. Mehr als 15.000 Menschen arbeiten hier für Volkswagen. Werk Nummer 101 soll übrigens ebenfalls in Mexiko entstehen. Ab 2016 wird Audi hier den Q 5 produzieren. Quelle: dpa
Wolfsburg, DeutschlandModelle: Tiguan, Touran, Golf, Golf Plus Seit 1938 besteht das Werk Wolfsburg. Am Stammsitz des Volkswagen-Konzerns arbeiten fast 50.000 Menschen. Quelle: dpa
Chattanooga, USAIm Mai 2009 war in Chattanooga der offizielle Baubeginn des ersten amerikanischen VW-Werkes. Die Fertigung dort sollte laut Konzernangaben 2011 mit einer jährlichen Gesamtkapazität von bis zu 150.000 Fahrzeugen starten. Dieses Ziel hat der Autobauer erreicht: Mittlerweile ist dort der 250.000. Passat vom Band gelaufen. „Vor zwei Jahren haben unsere Leute gerade mal gelernt, Autos zu bauen“, erklärte Werksleiter Frank Fischer. „Ich bin sehr stolz auf dieses Team.“ Der US-Passat ist eine Erfolgsgeschichte: Die Produktion hatte am 18. April 2011 begonnen. Das auf den amerikanischen Geschmack abgestimmte Modell verkaufte sich auf Anhieb deutlich besser als der aus Europa importierte Vorgänger. Auch dank des Passat haben sich die Verkäufe der Marke VW in den USA von 2009 bis 2012 verdoppelt. Quelle: dpa

Nach einem elftägigen Streik in Volkswagens größtem Werk in Südamerika haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf die Rücknahme von 800 Kündigungen verständigt. „Die Einigung wurde auf einer (Gewerkschafts-)Versammlung einstimmig angenommen. Der Streik ist beendet, und die Produktion beginnt am Montag wieder“, sagte eine Sprecherin der Arbeitnehmervertreter am Freitag der dpa in São Paulo.

Volkswagen do Brasil zeigte sich in einer Mitteilung zufrieden über die Einigung. Ihr Kern regelt nun das, was das Unternehmen anfangs bereits unterbreitet hatte - und was auf Gewerkschaftsseite zunächst auf Ablehnung stieß. Demnach sollen rund 800 Stellen auf freiwilliger Basis abgebaut werden - etwa über Abfindungen oder Altersteilzeit. Hinzu kommen Einbußen aller Beschäftigten beim Entgelt. Das Motto sei: Jeder gebe, damit keiner unfreiwillig gehen müsse, hieß es bei VW. Diese Offerte habe die Gewerkschaft jedoch nach einer Abstimmung im Dezember noch ausgeschlagen, woraufhin VW zur Entlassung schritt.

Bei dem nun erfolgten Kompromiss habe VW nur an einer Stelle nachgebessert: Statt geplanter Einschnitte beim Inflationsausgleich für 2016 sei nun zugesagt, dass in dem Jahr doch ein kompletter Ausgleich erfolgen solle. Die Gewerkschaft sprach in einer Mitteilung von einem „Sieg für die Arbeiter“.

Die VW-Fabrik in Anchieta zählt rund 13 000 Beschäftigte. Dort bauten die Mitarbeiter bis 2014 noch den als Bulli bekannten Transporter T2, dessen Non-Stopp-Produktion 56 Jahre lang für einen Teil der Auslastung gesorgt hatte. Der Kombi war das erste Modell, das VW in Brasilien baute. Heute gehören mehrere weitere Modelle dazu.

In Brasilien kämpfen alle großen Autobauer seit längerer Zeit mit sinkender Kaufkraft und rückläufigem Absatz. Im Volkswagen-Konzern sackten die Verkäufe 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent auf 629 800 Stück ab. Der Absatz auf dem gesamten brasilianischen Fahrzeugmarkt fiel 2014 um 6,8 Prozent auf 5,2 Millionen Einheiten.

Die Gewerkschaft hatte mit Protestmärschen und Streiks auf die zwischenzeitlich drohenden Entlassungen reagiert. Mehrere Verhandlungsrunden waren ergebnislos geblieben. Volkswagen ist seit über 60 Jahren in Brasilien aktiv und gehört zu stärksten Automarken des Landes. Langfristig gilt Südamerika als Wachstumsgarant.

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