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Streit mit Zulieferer Kommt jetzt Prevents Milliardenklage gegen VW?

Im Streit VWs mit der Prevent-Gruppe scheint so gut wie alles möglich. Quelle: dpa

Teuer, bedrohlich für die Beschäftigten und bisweilen skurril: Zulieferer Prevent kämpft mit harten Bandagen gegen seine eigenen Kunden. VW wehrt sich. Jetzt droht dem Riesenkonzern aber eine Milliardenklage.

Der Autogigant Volkswagen als Opfer eines einzigen Zulieferers? Das mutet wie eine verkehrte Welt an nach „Dieselgate“, Abgastests mit Affen und Kartellvorwürfen. Aber im Streit mit der Prevent-Gruppe scheint so gut wie alles möglich - VW schlägt sich mit Boykotten und aufs Zehnfache erhöhten Preisforderungen herum. Schon lange schwelt der Konflikt zwischen dem Wolfsburger Konzern und dem bosnischen Lieferanten. 2015 beginnt die Auseinandersetzung - in Brasilien. Ein Ende? Nicht absehbar, eine Schadenersatzklage gegen VW ist angedroht, und die wird laut Kreisen „umfangreich“ und damit vermutlich milliardenschwer sein. Auch Daimler liegt mit der Zulieferergruppe der Unternehmerfamilie Hastor im Clinch.

Derzeit dreht sich der Streit mit VW vor allem um die Gießerei Neue Halberg Guss in Saarbrücken. Prevent hatte diese erst vor wenigen Monaten übernommen, und zwar über die zu Prevent gehörende Castanea Rubra Assets GmbH. Neues Unternehmen, altbekanntes Spiel?

Halberg Guss stellt Kurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen her - Teile, die Volkswagen offensichtlich so schnell nicht anderswo herbekommen kann. Das nutzt Prevent wie schon zuvor für hohe Preisforderungen - es geht um Aufschläge bis zum Faktor 10 auf das vereinbarte Niveau als „Auflaufpreise“. Das geht aus einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Brief von Volkswagen an Barbaros Arslan, Geschäftsführer der Neuen Halberg Guss, hervor. Demnach fordert das Unternehmen allein im zweiten Quartal 150 bis 180 Millionen Euro mehr. VW kommentiert den Brief nicht: „Wir äußern uns grundsätzlich nicht zu internen Unterlagen.“

Zuvor hatte der Zulieferer dem Schreiben zufolge in Abrede gestellt, dass es überhaupt bindende Verträge mit Volkswagen gibt. Das weist der Autobauer entschieden zurück - es bestünden rechtsgültige, unbefristete und ungekündigte Lieferverträge, eine Befristung oder Kündigung gebe es nicht. VW bietet ein persönliches Gespräch an. Nach Vermittlungen über das saarländische Wirtschaftsministerium kämen die Lieferungen „natürlich“, sagt ein Prevent-Sprecher. Die Bandagen in dem Geschäft seien hart. Aber keine Prevent-Firma sei aufgefallen, weil Qualität oder Liefertreue nicht gestimmt hätten. Laut dem Brief beklagt VW aber auch einen Prevent-Eigentumsvorbehalt. Demnach liefert Halberg Guss zwar - unter Eigentumsvorbehalt stellt sich aber die Frage, ob VW die gelieferten Teile verarbeiten darf.

Aus Branchenkreisen verlautet, dass die Beziehungen von Prevent zu vielen anderen Herstellern wie General Motors, BMW oder der PSA-Gruppe funktionierten. Anders im Fall Volkswagen. Die Wolfsburger erklären dazu: „Volkswagen ist auf eine jederzeit planbare und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten angewiesen.“ Daher würden bestehende Geschäftsbeziehungen regelmäßig überprüft. Was ist eigentlich passiert? Alles beginnt 2015 in Brasilien, als Prevent den Sitzbezug-Hersteller Keiper übernimmt. Es folgen Lieferstopp, Preiserhöhungen und schließlich die Kündigung durch VW. Der Ärger bringt Volkswagen 160 Tage Produktionsstopp, ein Minus von 140.000 Fahrzeugen und Zwangsurlaub für rund 18.000 Beschäftigte ein.

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