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Streit um Stellenabbau Schluss mit der Selbstherrlichkeit im VW-Betriebsrat!

Quelle: imago images

Die goldenen Zeiten der deutschen Dominanz in der Autobranche sind vorbei. Wer nur den Status Quo erhalten will, wird auf der Strecke bleiben. VW muss sich schneller reformieren. Der Betriebsrat sollte mitmachen – denn wenn Volkswagen nun noch länger diskutiert und zögert, werden die Einschnitte am Ende sogar schmerzhafter als aktuell angedacht. Ein Kommentar.

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Volkswagen ist mal wieder in Aufruhr. Konzernchef Herbert Diess hat im Aufsichtsrat angeblich den Abbau tausender deutscher Stellen in den Raum gestellt. Und obwohl Volkswagen kurz nach den Berichten über die Kürzungen verkündete, dass der Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen „kein Thema“ sei und es „keine konkreten Planungen“ gebe, sind Betriebsrat und Co. in Rage.

Doch seien wir mal ehrlich: Es ist zwar die Aufgabe von Arbeitnehmervertretern, sich für Beschäftigung einzusetzen (und das ist auch gut so). Aber: Diess hat auch Recht! Der Wandel kommt derzeit viel schneller als von Arbeitnehmervertretern gehofft. Viel zu lange klammerten sich viele Betriebsräte in Deutschland an die Hoffnung, dass man den Wandel hin zum emissionsfreien Fahren mit viel Zeit und vielen Renteneintritten der Beschäftigten relativ smooth abfedern könnte. 

Doch nun werden sie eines Besseren belehrt, und es muss schneller gehandelt werden – und das wird weh tun, ja.

Volkswagen muss wettbewerbsfähig werden. Die goldenen Zeiten der deutschen Platzhirsche in der Autoindustrie sind vorbei. Tesla baut gerade ein modernes, neues Werk auf der grünen Wiese bei Berlin. Der US-Autobauer hat keine „Altlasten“ wie VW. Er hat kein verwinkeltes Uraltwerk, in dem die Produktion eines Autos ewig dauert. Er muss keine Menschen teuer abfinden, die an gestrigen Verbrennern arbeiten. Er muss sich nicht an luxuriös ausgestaltete Tarifverträge halten. 



Die Konkurrenz baut längst in großem Stil Stellen ab

Und auch chinesische Autobauer drängen nun mit Elektroautos auf den deutschen Markt. Sie kommen mit modernen Autos Made in Billigchina und Tech-Know-how. Sie müssen keine Verbrennerstandorte schließen. Sie müssen sich nicht mit mächtigen Betriebsräten herumschlagen. Sie machen einfach, niemand legt ihnen Steine in den Weg. 

Auch die deutsche Konkurrenz schläft nicht. Bei Daimler läuft ein großes, freiwilliges Abbauprogramm mit Abfindungen und Vorruhestandsregelungen. Auch Opel hat schon tausende Mitarbeiter abgebaut – die Schmerzen in Rüsselsheim sind übergroß. 

Kein Naturgesetz, dass deutsche Autobauer ewig bestehen

„Es ist kein Naturgesetz, dass Daimler ewig besteht“, sagte Dieter Zetsche, der ehemalige Chef des Stuttgarter Autobauers, einst. Und das gilt heute auch für VW mehr denn je. In einer Situation, in der Wettbewerber einfach deutlich produktiver und innovativer sind, muss man sich als Betriebsrat fragen, in welcher Zeit man lebt. Wer jetzt den Status Quo erhalten will, der wird auf der Strecke bleiben.

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Und wenn Volkswagen nun noch länger diskutiert und zögert, statt radikal zu reformieren, werden die Einschnitte am Ende noch viel schmerzhafter als aktuell von Diess angedacht. Deswegen sage ich: Schluss mit der Selbstherrlichkeit im VW-Betriebsrat! Schluss mit der Blockade! Und willkommen in einer neuen Zeit.  

Mehr zum Thema: Es ist ein Schock für die deutschen Premiumautomarken: Im September wurden in Deutschland mehr Tesla Model 3 neu zugelassen als BMW 3er, Audi A4 und Mercedes C-Klasse zusammen. Was steckt hinter dem Sieg des Elektroautos über die deutschen Verbrenner-Ikonen? 

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