Studie von Roland Berger Russische Sanktionen könnten zum Eigentor werden

Die Ukraine-Krise hat die Lage am russischen Automarkt weiter verschärft. Laut einer Studie könnten russische Sanktionen gegen westliche Autobauer den Staat selbst bis zu 1,4 Milliarden Euro kosten.

Lada-Produktion im russischen Togliatti: Zu harte Sanktionen gegen westliche Autobauer könnten laut einer Studie den russischen Staat und die russischen Unternehmen selbst hart treffen. Quelle: REUTERS

Im Zuge der Ukraine-Krise belegen sich Russland und die westlichen Staaten gegenseitig mit immer neuen Sanktionen. Seit Längerem steht dabei auch ein russisches Embargo auf die Autos westlicher Hersteller im Raum. Eine Studie der Experten von Roland Berger Strategy Consultants legt aber den Schluss nahe, dass ein Importstopp Russland selbst am härtesten treffen würde.

Wirtschaftlicher Abschwung und politische Unsicherheiten führen seit Monaten zu sinkenden Umsätzen auf dem russischen Automobilmarkt. In den ersten acht Monaten des Jahres brach der Markt um zwölf Prozent ein, im Juli und August sogar um etwa 25 Prozent. Die schwächelnde Konjunktur, der volatile Rubel und der ungewisse Ausgang der Ukraine-Krise mit den Sanktionen erhöhen den Druck auf die russische Industrie weiter.

In drei Szenarien hat Roland Berger durchgespielt, welche Auswirkungen russische Gegensanktionen auf die eigene Automobilindustrie hätten. Im extremsten Fall, einem Einfuhrverbot für alle Autos aus der EU und den USA, würden Russland im Jahr 2015 rund 1,4 Milliarden Euro an Steuer- und Zolleinnahmen entgehen.

„Durch solche Maßnahmen würde sich der russische Staat selbst am meisten schaden“, sagt Roland-Berger-Partner Uwe Kumm. In diesem Fall würden in Russland im kommenden Jahr rund 110.000 Autos weniger verkauft, die Gewinne der westlichen Autobauer aus dem Russland-Geschäft um 550 Millionen Euro schrumpfen.

Kaum Auswirkungen für den russischen Markt hätte laut der Studie ein Importstopp für Fahrzeuge im unteren und mittleren Preissegment bis 30.000 Euro. Europäische und amerikanische Hersteller könnten mit einem höheren Produktionsvolumen in ihren russischen Werken die Marktlage entlasten, auch die Importe aus Asien könnten verstärkt werden.

Geschäfte mit Russland

Sogar etwas verdienen könnte Russland beim dritten Szenario, einer Erhöhung der Importzölle auf europäische und amerikanische Autos um zehn Prozentpunkte. Das für 2015 vorhergesagte Marktvolumen von 2,2 Millionen Neuwagen würde nur leicht sinken, da auch in diesem Fall die Autobauer die Produktion in ihren russischen Werken hochfahren würden – um die Importzölle zu umgehen.

Da allerdings nur wenige Modelle in den russischen Werken gefertigt werden, müssten die anderen Baureihen – vornehmlich die teuren Limousinen und SUVs – weiter importiert werden. „Trotz geringerer Einnahmen aus der Umsatzsteuer, würde eine Erhöhung der Einfuhrzölle dem russischen Haushalt Mehreinnahmen in Höhe von 55 Millionen Euro bringen“, sagt Kumm.

Extremere Szenarien wie etwa ein Stopp der staatlichen Subventionen oder hohe Zölle auf Autoteile, was auch russische Autobauer treffen würde, hat Roland Berger nicht weiter verfolgt.

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Trotz der vermeintlichen Attraktivität der höheren Zolleinnahmen raten die Roland-Berger-Experten der russischen Regierung eher zu einem Konjunkturprogramm, um „den Markt langfristig zu stabilisieren und die lokale Produktion wettbewerbsfähiger zu gestalten“. In der Studie schreibt Roland Berger etwa von einem Nutzungsverbot für alte Fahrzeuge oder Finanzierungsprogramme für Neuwagen. „Die Pkw-Produktion in Russland muss auch auf langfristige Sicht wirtschaftlich sinnvoller sein, als der Import von Fahrzeugen“, sagt Experte Kumm.

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