Studie zum Umweltbewusstsein Elektroautos verschieben Präferenzen

PS und Status – das erwartet ein Deutscher von seinem Dienstwagen. Aber nur, wenn es um Benziner oder Diesel geht. Bei Elektroautos zählen hingegen ganz andere Werte.

Bei Elektroautos zählen andere Merkmale als PS und Protz Quelle: dpa

Ein Dienstwagen muss in der Größe dem Rang entsprechen, hochwertig sein und einen starken Motor, vornehmlich einen Diesel, haben. So sehen es die meisten Deutschen. Geht es aber um Elektroautos zählen ganz andere Eigenschaften, wie jetzt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS im Auftrag der Leasinggesellschaft LeasePlan ergeben hat.

So gaben die deutschen Autofahrer mehrheitlich an, dass für sie die Fahrzeuggröße (80 Prozent), die Anmutung (78 Prozent) und die Motorleistung (71 Prozent) eine "wichtige" bis "sehr wichtige" Rolle spielen. Werden dieselben Fahrer jedoch nach Elektroautos gefragt, verschieben sich die Präferenzen – und die sonst als wichtig bezeichneten Merkmale treten in den Hintergrund.

Elektroauto-Absatz 2014 in Deutschland

Zählten gerade noch viel PS, stellt eine geringe Motorleistung im Falle eines E-Autos nur bei 27 Prozent der Befragten deutschen Autofahrer eine Anschaffungshürde dar. Fahrzeugdesign (27 Prozent) und der geringere Komfort (22 Prozent) bremsen Elektroautos ebenfalls nicht aus.

Was allerdings bremst, sind bekannte Argumente: Eine geringe Reichweite (86 Prozent), hohe Anschaffungskosten (69 Prozent) und das mangelnde Vertrauen in die Ladeinfrastruktur (68 Prozent) gelten als K.O.-Kriterien. "Im Bereich der gewerblich genutzten Fahrzeuge merken wir, dass das Interesse an Elektroautos mit der Verfügbarkeit von Serienfahrzeugen renommierter Hersteller steigt", sagt Gunter Glück, Geschäftsleitung Vertrieb und Kundenbetreuung bei LeasePlan Deutschland. "Dennoch wird auch bei Fuhrparkleitern die geringe Reichweite als Hindernis gesehen, obwohl viele Nutzungsprofile den Einsatz von Elektrofahrzeugen durchaus zulassen. Zur Verunsicherung tragen darüber hinaus die vielen Ladekonzepte der unterschiedlichen Betreiber bei."

Nur drei Prozent gegen umweltfreundlichere Autos

Die Studie zeigt auch: Elektroautos werden aus Überzeugung gefahren. 40 Prozent gaben als Motivation an, sich vor allem "der Umwelt zuliebe" für ein umweltfreundlicheres Auto entscheiden zu wollen. Dann darf es aber nicht jedes beliebige Modell sein: Rund einem Viertel sind dann immer noch das Fahrzeugmodell und die Marke wichtig. Für 23 Prozent wären finanzielle Vorteile, etwa Steuernachlässe, die Hauptmotivation für ein umweltfreundlicheres Fahrzeug. Immerhin: Lediglich eine Minderheit von drei Prozent lehnt umweltfreundlichere Fahrzeuge rigoros ab.

Stattdessen gab die Hälfte der Befragten an, dass die CO2-Emissionen für sie bei der Wahl des Modells wichtig bis sehr wichtig sind. Fuhrpark-Experte Glück weiß diese Zahl aber einzuschätzen: "Bei diesem Ergebnis müssen wir beachten, dass besonders viele Dienstwagenfahrer an der Umfrage teilgenommen haben. Viele Unternehmen setzen materielle Anreize, die direkt mit den CO2-Emissionen verknüpft sind – zum Beispiel in Form von Bonus-Malus-Regelungen." Stattdessen sei bei diesen Unternehmen die Tendenz zu beobachten, statt zu einer stärkeren Motorisierung zu einer besseren Ausstattung zu greifen.

Bessere Ausstattung statt stärkeren Motor

Gerade letzteres ist eine Entwicklung, die nicht für selbstverständlich genommen werden sollte. Denn werden Autofahrer konkret nach ihrer nächsten Fahrzeugauswahl gefragt, gibt die überwiegende Mehrheit (71 Prozent) an, sich kein kleineres Fahrzeugmodell anschaffen zu wollen. Nur ein Prozent der Befragten zieht ein zukünftiges Downsizing in Betracht. Immerhin 13 Prozent gaben an, bereits ein Auto mit geringer Motorisierung zu fahren und dies auch zukünftig tun zu wollen.

Mit welchen Hindernissen Elektroautos kämpfen

LeasePlan betreut nach eigenen Angaben in Deutschland knapp 90.000 Autos, darunter über 100 Elektrofahrzeuge. Zusammen mit TNS hat die Leasinggesellschaft Autofahrer und Vielfahrer zu ihrem Umweltbewusstsein befragt. In mehr als 20 Ländern beteiligten sich 3.377 Vielfahrer am "LeasePlan MobilitätsMonitor". Auch fast hundert deutsche Autofahrer nahmen an der Online-Befragung teil.

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