SUV Kleber setzt schwere Geländewagen auf Diät

Klebespezialist Henkel hat für den Volvo XC90 eine Blattfeder aus Kunstharz gebaut. Die spart Treibstoff und schafft Platz im Kofferraum. Möglich ist das dank einer neuer Klebetechnik.

Das sind die stärksten SUV
Platz 10: Jeep Grand Cherokee SRTWenn die Luxus-SUV von Bentley, Rolls-Royce und Lamborghini auf den Markt kommen, dürfte der Top-Ten-Platz in der Liste der PS-stärksten Geländewagen von Jeep wackeln. Der 6,4 Liter große V8-Saugmotor des Grand Cherokee SRT bringt es auf 468 Pferdestärken – und bleibt damit als Einziger der besten Zehn unter der 500-PS-Marke. Da sich die drei Luxushersteller bei ihren SUV-Modellen noch in der Entwicklungsphase befinden, sind noch keine Leistungsdaten bekannt. Deren Sportwagen und Limousinen leisten bereits mehr als der Jeep – und schwächer dürften die schweren SUV wohl kaum werden. Mit 83.900 Euro ist der SRT-Jeep allerdings das preiswerteste Modell in dieser Liste der Unvernunft. Quelle: Fiat
Platz 9: Range Rover 5.0 V8 SuperchargedEgal ob Range Rover oder Range Rover Sport: Die Briten müssen auch um ihren Platz unter den besten Zehn fürchten. Der fünf Liter große V8 mit Kompressoraufladung leistet in beiden Modellen 510 PS. Gegen die V12-Triebwerke von Rolls-Royce und Lamborghini oder den W12 von Bentley dürfte das zu wenig sein. Groß ärgern wird das Land Rover nicht, der Autobauer hat noch ein anderes Eisen im Feuer. Quelle: Land Rover
Platz 8: Porsche Cayenne TurboErst bei 279 Stundenkilometern ist in einem Porsche Cayenne Turbo Schluss mit dem Vortrieb. Bis dahin schiebt der 4,8-Liter-V8 mit seinen beiden Turboladern gnadenlos an, von 0 auf 100 km/h spurtet der Porsche in 4,4 Sekunden. Wer das starke SUV fahren will, muss allerdings viel Geld auf den Tisch legen: 129.687 Euro will Porsche mindestens haben – mit etwas Zusatz-Ausstattung dürfte es noch deutlich mehr werden. Die Leistung bleibt aber gleich: 520 PS. Quelle: Porsche
Platz 7: Range Rover Sport SVRDer Neueinsteiger in den Top-Ten ist der Range Rover Sport SVR. Dieses Kürzel werden künftig weitere Modelle der Briten tragen, denn der aufgemotzte Range Rover Sport ist das Erstlingswerk der Abteilung "Special Vehicle Operations". Neben dem Fahrwerk und der aggressiver gestalteten Karosserie haben sich die Techniker vor allem den Motor vorgenommen. Der 5-Liter-Kompressor bringt es nach der Leistungskur auf 550 PS – was den SVR zwei Plätze vor den gewöhnlichen Range Rover Sport bringt. Quelle: Land Rover
Platz 6: Mercedes-Benz GL 63 AMGUnter der Haube des GL 63 AMG kommt ein 5,5-Liter-V8 mit zwei Turboladern zum Einsatz. Der Motor leistet in dem 5,12 Meter langen Luxusliner 557 PS und wird auch im M-Klasse-Nachfolger GLE 63 AMG angeboten – allerdings mit einem Unterschied, der später noch wichtig wird. Mit 130.305 Euro ist der große GL sicher kein Preisbrecher. Quelle: Daimler
Platz 5: Porsche Cayenne Turbo SAuch Porsche hat eine zweite Leistungsstufe seines 4,8-Liter-Biturbos im Angebot. Wie bei den Zuffenhausenern üblich, trägt das stärkere Modell den Namenszusatz "S". Gegenüber seinem Turbo-Schwestermodell hat der Turbo S um stolze 50 PS zugelegt und bringt es so auf 570 Pferdestärken. Auch die ohnehin beeindruckende Höchstgeschwindigkeit steigt um fünf Stundenkilometer auf jetzt 284 km/h. Auch der Preis legt kräftig zu, ein Cayenne Turbo S kostet mindestens 166.696 Euro. Auch wenn noch vier Konkurrenten stärker sind als das Porsche-SUV: An die Agilität und Fahrdynamik des Cayenne kommt kein anderes SUV heran. Quelle: Porsche
Platz 4: Mercedes-Benz G 63 AMGStärker und teurer als bei dem Cayenne wird es auf Platz 4 – aber nicht schneller. AMG hat den G63 bei 210 km/h abgeregelt, Fahrwerk und Aerodynamik könnten den Gelände-Dino bei noch höheren Geschwindigkeiten instabil werden lassen. Mit dem Modelljahr 2016 legt der G nochmals um 27 PS zu und bringt es jetzt auf 571 PS. Den V8-Spaß mit dem bekannten 5,5-Liter-Treibwerk lassen sich die Schwaben ordentlich bezahlen: Der G 63 AMG kostet mindestens 137.504 Euro. Quelle: Daimler
Platz 3: BMW X5 M und X6MGenau genommen handelt es sich beim X5 und X6 um zwei unterschiedliche Modelle, die getrennt aufgeführt werden müssten. Da sie aber beide den 4,4-Liter-V8 verwenden und sich mit jeweils 575 PS auch nicht in der Leistung unterscheiden – und nur das zählt an dieser Stelle –, müssen sie sich den dritten Rang teilen. Neue Besitzer müssen für die bayerischen sportlichen Speerspitzen tief in die Taschen greifen: Der X5 M steht mit 114.300 Euro in der Preisliste, sein Coupé-Ableger mit 117.700 Euro. Quelle: BMW
Platz 2: Mercedes-Benz GLE 63 AMG SÄhnlich wie die beiden BMW musste sich der GLE 63 AMG den fünften Platz mit dem GL 63 teilen. Selbe Leistung, selber Platz. Wie schon bei Porsche, macht bei dem zweitplatzierten SUV das "S" den Unterschied: Der GLE 63 AMG S bringt es nicht auf 557 PS, sondern auf 585 Pferdestärken. Selbiges gilt auch für das GLE Coupé, in dessen AMG-Versionen ebenfalls der 5,5-Liter-V8 eingebaut wird. Neben optischen Retuschen haben die Entwickler auch das Fahrwerk sowie das Ansprechverhalten des Motors und die Getriebeschaltzeiten überarbeitet. Mit 125.485 Euro ist der GLE 63 AMG S im Vergleich zu Porsche geradezu günstig, aber teurer als der zehn PS schwächere BMW. An ein Modell kommt der GLE aber nicht heran – bei Preis und Leistung. Quelle: Daimler
Platz 1: Mercedes-Benz G 65 AMGIn Sachen Preis und Leistung gipfelt die SUV-Welt derzeit im Mercedes-Benz G 65 AMG. Der kantige G ist das einzige SUV-Modell, in das die Stuttgarter den 6,0-Liter-V12 von AMG einbauen. In der jüngsten Ausbaustufe, die auch in der S-Klasse verbaut wird, bringt es der mächtige Biturbo auf 630 PS und 1.000 Newtonmeter Drehmoment. Da gerade der Wechsel auf das Modelljahr 2016 läuft, ist der G 65 AMG erst wieder ab Jahresmitte bestellbar. Dann will Mercedes auch die aktuellen Preise nennen. Ein 612 PS starker G 65 des Jahrgangs 2015 stand zuletzt mit 264.180 Euro in der Liste. Gewagte Vermutung: Ein Leistungsplus wird sich auch im Preis niederschlagen. Die SUV-Krone könnte künftig zweigeteilt werden: Die Leistungsspitze könnte Lamborghini erobern, die Serienmodelle aus Sant'Agata Bolognese leisten bereits heute zwischen 610 und 700 PS. Beim Preis dürfte der Geländewagen von Rolls-Royce der neue Primus werden: 400.000 Euro dürften da kein Problem werden. Quelle: Daimler

Geckos sind Kletterkünstler. Die nur wenige Zentimeter großen Echsen laufen kopfüber schnell und mühelos an Decken und Wänden entlang – dank ihrer Klebefüße. Die nutzen trickreich die Anziehungskraft zwischen Atomen, um nicht abzustürzen. Das Prinzip haben sich die Ingenieure des Düsseldorfer Henkel-Konzerns als Vorbild genommen, um von Übergewicht geplagte sportliche Geländewagen (SUV) leichter und geräumiger zu machen.

Der Weltmarktführer bei Klebe- und Dichtungstechnik hat zusammen mit dem schwedischen Autohersteller Volvo und dessen Paderborner Zulieferer Benteler SGL die Hinterradfederung des neuen Spitzenmodells XC90 geschrumpft. Und zwar mit einer Blattfeder. Die Bauteile, meist aus mehreren Lagen metallener Leisten gefertigt, schützten schon in Pferdekutschen die Insassen vor Stößen. Sie gelten als wenig komfortabel, aber billig und werden daher meist in Nutzfahrzeugen eingesetzt.

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Die neuen Blattfedern in Volvos Flaggschiff sind nicht aus Stahl, sondern aus Glasfasern und einem speziellen Harz in einer Form gebacken. Wie beim Gecko halten die Faserlagen durch atomare Anziehungskräfte zusammen. Das gelbgrüne Bauteil ersetzt in dem SUV die übliche Schraubenfeder am Hinterrad. „Das neue Achssystem wiegt 4,5 Kilogramm weniger als die herkömmliche Schraubenfederkonstruktion“, sagt Frank Kerstan, bei Henkel für Verbundwerkstoffe im Fahrzeugbau verantwortlich. In Zeiten, wo im Auto um jedes Gramm gerungen wird, um den Verbrauch zu senken, ein enormer Fortschritt.

Eroberungszug des Klebstoffs im Autobau setzt sich fort

Die neue Technik hat noch mehr Vorteile: Weil die voluminösen Schraubenfedern wegfallen, ragen die Radhäuser sichtbar weniger weit in den Gepäckraum. So bleibt mehr Platz für Getränkekisten und Golf-Ausrüstung. Die Volvo-Entwickler werden die Technik als Nächstes im meistverkauften Modell der Marke verbauen, dem Kombi V70. Andere Hersteller, die Henkel nicht nennen darf, werden folgen. Und Blattfedern sind nur der Auftakt für weitere Bauteile aus dem Gemisch von Harz und Glasfasern.

Damit setzt sich der Eroberungszug des Klebstoffs im Autobau fort: Windschutzscheiben, Zahnräder, Stoßfänger, Armaturenbretter, ja sogar Querträger im Rahmen kleben bombenfest und halten ein Autoleben lang. Weil in modernen Fahrzeugen der Materialmix aus Metallen und Kunststoffen immer vielfältiger wird, wächst die Nachfrage nach neuen Klebern. Sie müssen verschiedene Anforderungen erfüllen: mal fest und hart, mal zäh und elastisch, wenn sie zugleich als Dichtung dienen. 15 Kilogramm Kleber finden sich durchschnittlich im Auto.

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Und geklebte Verbindungen etwa von Querträgern seien stabiler als geschweißte, versichert Henkel-Mann Kerstan. Deshalb ersetzt das Kleben zunehmend das Schweißen und Nieten. Zudem helfen die Klebstoffe, Geräusche zu dämmen, Ritzen und Fugen zu dichten, und gleichen Fertigungsschwankungen aus. Salopp gesagt: Je schlampiger Bleche, Träger oder Gussteile gefertigt sind, desto mehr verdienen Klebespezialisten wie Henkel oder sein US-Konkurrent 3M.

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