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Takata-Airbags Kongress erhebt Vorwürfe gegen Airbag-Hersteller

Die Kritik an Takata reißt nicht ab. Defekte Airbags des Zulieferers haben den größten Autorückruf der US-Geschichte verursacht. US-Politiker nehmen aber auch die Aufsichtsbehörde ins Visier.

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Takata-Airbags: Die defekten Luftsäcke haben den größten Rückruf der US-Geschichte verursacht- Quelle: dpa

Der japanische Autozulieferer Takata gerät wegen seiner defekten Airbags weiter in die Kritik. Bei einer Anhörung in einem US-Kongressausschuss erhoben Politiker am Dienstag schwere Vorwürfe gegen die Firma – aber auch gegen die US-Verkehrsaufsicht NHTSA. Takata-Manager Kevin Kennedy bekräftigte, beim Krisenmanagement alles Erforderliche zu tun. Er wies die Kritik zurück.

Die Takata-Airbags sind ein Dauer-Problem der Autobranche – es besteht die Gefahr, dass sie unvermittelt auslösen. Dabei kann es zu einer gefährlichen Explosion kommen, bei der Teile der Metallverkleidung durch den Innenraum des Autos geschleudert werden. Mittlerweile werden acht Todesfälle und mehr als 100 Verletzte mit den Problemen in Zusammenhang gebracht. Das Airbag-Desaster hat zur größten Rückruf-Aktion der US-Geschichte geführt.

US-Behörde untersucht Dodge wegen Wegrollgefahr
Behörde untersucht weitere Fiat-Chrysler-Wagen Quelle: AP
BMW ruft Autos zurück Quelle: dpa
Toyota - Millionen fehlerhafter AirbagsToyota ruft weltweit weitere 5,8 Millionen Fahrzeuge wegen möglicher Probleme mit Airbags des Zulieferers Takata zurück. In Europa müssten 1,47 Millionen Autos zurück in die Werkstätten, teilte der japanische Konzern am Mittwoch mit. Allein in Deutschland seien knapp 118.000 Fahrzeuge betroffen. Dabei geht es unter anderem um die Modelle Corolla und Yaris, vorwiegend älterer Baujahre, sagte ein Sprecher. In Japan sollen die Besitzer von rund 1,15 Millionen Fahrzeugen in Werkstätten vorstellig werden. Weltweit haben Autohersteller bereits mehr als 100 Millionen Autos zurückgerufen, um die fehlerhaften Airbags auszutauschen. Quelle: dpa
VW und Audi rufen wegen Feuergefahr 281.000 Autos in USA zurück Volkswagen ruft 281.500 Fahrzeuge in den USA wegen möglicher Brandgefahr zurück. Es geht Fahrzeuge der Marken VW und Audi, wie aus einer Mitteilung des Unternehmens an die Börsenaufsicht vom 7. Oktober hervorgeht. Bei den Fahrzeugen könne in Folge von Lecks Benzin austreten und Feuer ausbrechen. Allerdings seien entsprechende Vorfälle noch nicht berichtet worden. Auch habe es keine Verletzten gegeben. Quelle: dpa
Fiat Chrysler ruft fast zwei Millionen Fahrzeuge zurück Quelle: dpa
General Motors ruft über 4 Millionen Fahrzeuge zurückGeneral Motors ruft wegen eines Defekts an der Airbag-Software weltweit mehr als vier Millionen Fahrzeuge zurück. In seltenen Fällen könne der Bordcomputer in den Testmodus umschalten, erklärte der US-Autobauer am Freitag in Detroit. Die vorderen Airbags würden dann im Fall eines Unfalls nicht auslösen. Auch die Sitzgurte funktionierten möglicherweise nicht. Der Fehler werde mit mindestens einem Todesfall und drei Verletzten in Verbindung gebracht. GM werde die betroffenen Kunden informieren und die Software kostenfrei aktualisieren, teilte das Unternehmen mit. Der Rückruf der 4,28 Millionen betrifft unter anderem bestimmte Modelle von Buick, Chevrolet und Cadillac der Modelljahre 2014-2017, allein 3,6 Millionen davon in den USA. Quelle: dpa
Mazda ruft 2,2 Millionen Fahrzeuge zurück Mazda ruft wegen Problemen mit der Heckklappe weltweit 2,2 Millionen Fahrzeuge zurück. Die Rostschutzlackierung der Heckklappenaufhängung sei nicht ausreichend, erklärte der japanische Autohersteller am Donnerstag. Im Laufe der Zeit könne daher mit Streusalz vermischtes Wasser dazu führen, dass die Aufhängung bricht und die Heckklappe abfällt. Berichte über Unfälle oder Verletzte lägen jedoch nicht vor. Der Rückruf betrifft bestimmte Modelle des Kompaktwagens Mazda 3 der Jahrgänge 2010 bis 2013 sowie Vans des Typs Mazda 5 von 2012 bis 2015. Ebenfalls betroffen sind bestimmte Modelle des CX-5 von 2013 bis 2016 und des SUVs CX-3 von 2016. Händler tauschten beide Aufhängungen aus, erklärte Mazda. Kunden erhielten noch im September oder im Oktober nähere Informationen. Quelle: dapd

Einige Abgeordnete warfen Takata vor, das Ausmaß der Misere verschleiert zu haben, um Kosten zu sparen. Das soll ein 45-seitiger Untersuchungsbericht belegen, den die Vertreter der Demokratischen Partei im Ausschuss vorlegten. Darin werden unter anderem interne Emails des Unternehmens veröffentlicht. Takata zufolge enthält der Bericht Fehler. Die Schreiben seien zum Teil aus dem Zusammenhang gerissen.

Einen Kunden hat Takata bereits verloren

Bei der Anhörung kam unter anderem die Forderung nach einem Entschädigungsfonds für Opfer der mit den fehlerhaften Airbags verbundenen Unfälle auf. Takata-Manager Kennedy sagte, er könne die Einrichtung eines solchen Fonds nicht versprechen.

Er widersprach zudem Vorwürfen, sein Konzern tue nicht genug, um die Probleme zu lösen. Die Absprachen mit der Verkehrsaufsicht NHTSA gingen sogar deutlich weiter, als die durch Wissenschaft und Tests nahegelegten Risiken eigentlich erfordern würden.

Fünf Gründe für die häufigen Rückrufe

Einen wichtigen Kunden hat Takata wegen des Rückruf-Desasters bereits verloren: Fiat-Chrysler (FCA) wird die fehlerhaften Airbags des japanischen Zulieferers durch Modelle des Konkurrenten TRW ersetzen. 4,1 Millionen Autos sind betroffen.

Zwar sei die Grundursache für die Fehlfunktion der Takata-Airbags noch nicht endgültig ermittelt, dennoch sei es die Aufgabe von FCA, die Sicherheit der Kunden sicherzustellen, so FCA-Sicherheitsexperte Scott G. Kunselmann gegenüber der „Detroit News“. Der Wechsel von Takata zu TRW ist bereits am 8. Juni in Kraft getreten.

Auch die Behörde gerät unter Druck

Sukzessive erhalten nun alle betroffenen Autos des FCA-Konzerns einen Austausch-Airbags von TRW. 50.000 Autofahrer, die bereits einen Takata-Austausch-Airbag erhielten, müssen ihren Wagen erneut in die Werkstatt beringen. Auch sie erhalten nun Modelle von TRW.

Im Kongress nahmen die US-Abgeordneten auch die NHTSA massiv in die Mangel. Dass die Behörde die Probleme nicht früher erkannt habe, sei ein eklatanter Fall von Inkompetenz, sagte ein Senator. Die Aufsicht lasse der Autoindustrie zu viel Spielraum und nutze ihre Instrumente nicht aus, um die Branche ordentlich zu kontrollieren.

NHTSA-Vertreter Mark Rosekind sagte vor dem Ausschuss, die Behörde befinde sich in einem Prozess der Selbstprüfung. Allerdings sei sie unterbesetzt und nicht ausreichend finanziert. Die Anforderungen seien durch Fälle wie Takata oder auch General Motors (GM) deutlich gestiegen.

GM musste wegen defekter Zündschlösser, die das Auto in voller Fahrt stoppen können, massenhaft Wagen zurückrufen. Das Unternehmen wird Entschädigungen für mindestens 117 Tote und 237 Verletzte zahlen. Weitere Opfer werden wahrscheinlich noch dazukommen, etliche Fälle werden derzeit noch geprüft.

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