WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Technologiediebstahl Patentklau bei Volkswagen in China

Schon seit über 20 Jahren läuft die Zusammenarbeit von VW und Chinas größtem Autobauer FAW. Die Partnerschaft wurde erst vor kurzem verlängert. Jetzt hat FAW ganze Konstruktionspläne von VW abgekupfert.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Deutsche Autobauer und ihre asiatischen Partner
Toyota-Logo Quelle: dpa
Toshiba-Logo Quelle: REUTERS
BYD-Logo Quelle: REUTERS
Audi A6L Quelle: Reuters
BMW Brilliance Autoproduktion Quelle: REUTERS
Logo der Tongji-Universität Quelle: dpa
BMW und SB LiMotiveSB LiMotive, das Joint Venture von Bosch und Samsung, aus dem südkoreanischen Yongin hat einen gewichtigen Kunden: BMW will hierher seine Lithium-Ionen-Batterien für seine „Mega City Vehicle“ beziehen, welches unter der Marke „BMW i“ vermarktet werden soll. Quelle: dpa

Die Zusammenarbeit begann überschaubar. 1988 arbeitete der deutsche Volkswagen-Konzern erstmals mit dem chinesischen Staatsunternehmen First Automotive Works (FAW) zusammen. In Lizenz bauten die Chinesen den Audi 100. Drei Jahre später gründeten beide bereits ein gemeinsames Unternehmen, die FAW-Volkswagen Automotive Company in Changchun, einer Stadt mit mehr als sieben Millionen Einwohnern im Nordosten des Landes. 2011 feierten Deutsche und Chinesen 20 Jahre Partnerschaft. "Gemeinsam mit unserem Partner FAW haben wir die Mobilität in China maßgeblich geprägt und über 15 000 Arbeitsplätze geschaffen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn zum Jubiläum vor 4 500 Gästen in Changchun.

Seit dem Produktionsstart hat das Joint Venture fast sechs Millionen Fahrzeuge produziert. Vergangenes Jahr verließen erstmals mehr als eine Million Autos der Marken VW und Audi die Tore der Fabriken von FAW-Volkswagen in Changchun, Chengdu und Dalian: vom VW Golf über Audi Q5 bis zur Langversion des A6. Seit 1995 ist Volkswagens Premiumtochter Audi ebenfalls Gesellschafter des Joint Ventures. FAW gehören 60 Prozent, Volkswagen 20 Prozent, VW China und Audi jeweils zehn Prozent. Dem Aufsichtsrat, Board of Directors genannt, von FAW-VW gehört bereits seit Jahren Volkswagens Konzernvorstand Jochem Heizmann an, der offiziell ab kommender Woche den in Wolfsburg in Ungnade gefallenen bisherigen China-Chef Karl-Thomas Neumann in Peking ablöst.

Wie sich VW, BMW und Mercedes in China schlagen
Der größte Automarkt der WeltMit mehr als 18 Millionen neuen Pkw alleine im Jahr 2014 ist China der größte Automarkt der Welt. Fast ein Viertel aller Neuwagen weltweit werden hier verkauft. Dabei kommen auf 1000 Chinesen erst 61 Autos. In Deutschland sind es 540 auf 1000 Einwohner. Bei 1,3 Milliarden Chinesen ist das Potenzial noch riesig. Allerdings verlangsamt sich das Wachstum zusehends. Der chinesische Branchenverband geht für 2015 nur noch von drei statt sieben Prozent Wachstum aus. Auch der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass sich die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten und die Abkühlung der Konjunktur auf den Automarkt auswirken. "China schaltet einen Gang zurück. Für das gesamte Jahr rechnen wir nun mit einem Plus von maximal vier Prozent", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann dem "Focus". Bisher war der VDA von sechs Prozent ausgegangen. Was das für die deutschen Hersteller bedeutet, sehen Sie in dieser Übersicht. Quelle: dpa
Volkswagen PkwFür die Wolfsburger ist China mit Abstand der wichtigste Markt. 2014 konnten die Wolfsburger 2,76 Millionen Autos im Reich der Mitte verkaufen – genau 35 Prozent aller Autos mit VW-Emblem. Im ersten Halbjahr 2015 setzte VW nur 1,3 Millionen Fahrzeuge ab (-6,7 Prozent). Wegen der schwachen ersten sechs Monate hat die Volkswagen AG ihre Absatzprognose für das gesamte Jahr gesenkt. Bisher war man von "moderatem Wachstum" ausgegangen, jetzt spricht das VW-Management nur noch von einer Zahl "auf dem Niveau des Vorjahres". Quelle: dpa
Noch große PläneTrotz sinkender Kaufleute möchte der Volkswagenkonzern seine Produktionskapazitäten weiter aufstocken. Bis 2019 sollen 22 Milliarden Euro in den Aufbau neuer und verbesserter Werke fließen. Der Absatz soll auf fünf Millionen Fahrzeuge steigen, 30.000 neue Jobs entstehen – dann hätte VW in China über 100.000 Mitarbeiter. Aktuell betreibt VW gemeinsam mit seinen Joint-Venture-Partnern FAW und SAIC 18 Werke in China – in acht rollen fertige Autos vom Band, die anderen stellen Bauteile her. Auf einer China-Reise mit Kanzlerin Angela Merkel im Sommer 2014 kündigte VW-Chef Martin Winterkorn an, in China zwei weitere Standorte eröffnen zu wollen. Quelle: dpa
AudiDie VW-Premiumtochter verkaufte 2014 genau 578.900 (+18 Prozent) Fahrzeuge in China. Mit "nur" 274.000 verkauften Audis nach den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (+2 Prozent) sieht es für die geplanten 600.000 Verkäufe bis Jahresende schlecht aus. Chinesischen Medien schreiben, Audi habe das Ziel auf das Vorjahresniveau gesenkt, davon berichteten Händler. Seinen rund 400 chinesischen Vertragspartnern hat Audi Ausgleichszahlungen in Höhe von insgesamt 193 Millionen Dollar zugesagt. Wegen der schwachen Nachfrage in China hat Audi hat seine weltweiten Absatzziele für 2015 zurückgeschraubt. Statt einem Plus zwischen fünf und 9,9 Prozent rechnet Audi nur noch mit drei bis vier Prozent. Anfang des Jahres glaubte Audi-Chef Rupert Stadler noch an ein Wachstum von acht bis neun Prozent. Quelle: AP
BMWDie Bayern verkauften im vergangenen Jahr 456.000 Autos in China (+17 Prozent) – ein Fünftel aller weltweit verkauften BMW. Nach dem ersten Halbjahr 2015 ist die große Euphorie verflogen. Nur 230.000 Autos (+2,5 Prozent) schlugen die Händler los. Wegen des schwächeren Geschäfts soll BMW den rund 440 Betrieben eine Kompensation von 685 Millionen Euro zahlen. BMW kommentiert die Zahl nicht. Quelle: dpa
Trotz der "neuen Normalität", wie der ehemalige BMW-Chef Norbert Reithofer das abgeschwächte Wachstum nannte, die Pläne sind längst gemacht. Die Bayern produzieren künftig sechs statt drei Modelle für den lokalen Markt. Die Kapazitäten im Werk Shenyang wachsen um 100.000 auf 400.000 Autos jährlich. Bisher machen die in China gefertigten Pkw knapp 13 Prozent der weltweiten BMW-Produktion aus, 14.000 Mitarbeiter in China sind daran beteiligt. Erst kürzlich hat der Münchener Premiumhersteller die Kooperation mit Joint-Venture-Partner Brilliance bis 2028 verlängert. Der wiederrum hat am 13. Juli 2015 eine Gewinnwarnung veröffentlicht. Für das erste Halbjahr sei ein Einbruch von 40 Prozent zu erwarten. BMW legt am 4. August seine Halbjahresbilanz vor. Quelle: REUTERS
MercedesBei den Schwaben gingen im vergangenen Jahr 281.588 Autos (+29 Prozent) ins Reich der Mitte und damit 15 Prozent aller Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr fuhren in China 165.000 Autos mit Stern vom Hof – ein Plus von fast 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ein fantastisches Ergebnis für Mercedes und seinen China-Chef Hubert Troska (im Bild). Die Stuttgarter punkten mit ihrer neuen Modellpalette und profitieren von der Umorganisation ihres Vertriebs. Quelle: REUTERS

Die Wahl für die Führung des wichtigsten Markts China fiel auf Heizmann, weil er ein langjähriger Vertrauter Winterkorns seit gemeinsamen Tagen bei Audi in den 80er-Jahren ist und weil er als ausgewiesener Produktionsexperte gilt. Volkswagen baut in immer kürzeren Abständen neue Fertigungskapazitäten auf. Vergangenes Jahr startete FAW-Volkswagen den Bau eines neuen Werks in Foshan im Süden des Landes. Dort sollen 300 000 Autos jährlich vom Band laufen.

14 Milliarden in China-Ausbau

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Genehmigung für Foshan und das gestern von Heizmann eröffnete Werk mit dem zweiten chinesischen Partner SAIC erhielten die Deutschen von der Regierung nur, weil sie gleichzeitig den Bau eines Werks in Ürümqi im politisch umkämpften Nordwesten Chinas beschlossen. Bis Ende 2016 investieren Volkswagens Gemeinschaftsunternehmen mit FAW und SAIC 14 Milliarden Euro in den Ausbau des China-Geschäfts. Die Kopie des VW-Motors EA 111 durch FAW ist deshalb besonders heikel. FAW selbst ist der größte chinesische Hersteller von Dieselmotoren, Autos, mittleren bis schweren Bussen und Lastwagen. Produktionsschwerpunkt des Unternehmens ist der Nordosten des Landes. Zudem betreiben die Chinesen Fabriken in Russland und der Ukraine. Der Kölner Motorenbauer Deutz betreibt seit 1996 ein Partnerunternehmen mit MAN zum Bau von Dieselmotoren.

    Auto



    Gegründet wurde First Automotive Works 1953 mit Unterstützung der Sowjetunion. Drei Jahre später startete die Fertigung von Lkws. Kurz darauf kamen der Mittelklassewagen Dong Feng und die eher luxuriöse Funktionärslimousine Hongqi ("Rote Fahne") dazu. Das Dong Feng-Werk wurde Ende der 70er-Jahre abgespalten. Es firmiert seitdem unter dem Namen Second Automotive Works. In den 80er-Jahren ist FAW mit internationalen Autoherstellern Joint Ventures eingegangen, neben VW gehören Toyota und Mazda dazu. Die Chinesen selbst nutzen FAW als Stammlabel, verkaufen ihre Autos auch unter weiteren Marken wie Besturn, Hongqi oder OuLai. Auch darin folgen sie dem Vorbild Volkswagen.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%