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Tesla-Chef So gefährdet Musks Twitter-Gezeter seine Geschäfte

Tesla-Chef Elon Musk gefährdet mit seinen Tweets die Geschäfte Quelle: REUTERS

Mit seinem „Pädo“-Tweet gegen einen britischen Taucher ist Tesla-Gründer Elon Musk offenbar einen Schritt zu weit gegangen. Ihm droht eine Klage wegen Verleumdung, und auch seine Firma könnte Schaden nehmen.

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Elon Musk ist bekannt dafür, auf Twitter zurückzuschlagen - egal, ob es um Investoren geht, die gegen seine Aktien wetten, oder um hart nachfragende Journalisten und Analysten. In den vergangenen Monaten hat sich der Chef von Tesla und SpaceX zu einer immer größeren und zähnefletschenden Social-Media-Persönlichkeit entwickelt. Doch als er einen britischen Taucher, der bei der Rettung eines Fußballteams aus einer Höhle in Thailand half, vor 22,2 Millionen Twitter-Followern als Pädophilen beschimpfte, ging er wohl zu weit.

Der Tweet, der später gelöscht wurde, vertrieb Investoren von Tesla-Aktien und könnte dem hitzigen Unternehmer eine Verleumdungsklage einbringen. Mit seinen Aussagen auf Twitter glitt Musk von der leidenschaftlichen Verteidigung seiner Firmen ab in eine persönliche Beleidigung, für die er keine Faktengrundlage lieferte. „Das hat nichts damit zu tun, Tesla zu verteidigen“, sagt Erik Gordon, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität von Michigan. Damit überschreite Musk eine Linie, hinter der er nicht mehr behaupten könne, in der Verteidigung seines Unternehmens zu weit gegangen zu sein.

In einem Fernsehinterview hatte der britische Taucher Vern Unsworth kritisiert, dass Musk und seine SpaceX-Ingenieure ein kleines U-Boot geschickt hatten, um den Rettern der zwölf jungen Fußballer und ihres Trainers in der überfluteten Höhle in Thailand zu helfen. Das U-Boot kam nicht zum Einsatz. Unsworth nannte es einen „PR-Gag“ und sagte, es hätte ohnehin nicht funktioniert. Musk reagierte mit einem Tweet, in dem er Unsworth als „Pädo“ bezeichnete. In einem zweiten Tweet schrieb Musk, er wette, die Behauptung sei wahr. Unsworth sagte CNN, er erwäge rechtliche Schritte. Eine Sprecherin von Tesla wollte die Tweets zunächst nicht kommentieren. Am Mittwoch schrieb Musk dann bei Twitter, er habe aus Wut über Unwahrheiten gehandelt, die der britische Taucher gesagt habe. Sein Verhalten sei aber „nicht gerechtfertigt“ gewesen: „Ich entschuldige mich bei Herrn Unsworth und auch bei den Firmen, die ich als Chef vertrete. Das war mein Fehler und mein Fehler allein.“

In den ersten vier Monaten des Jahres schickte Musk im Schnitt monatlich rund 100 Tweets ab. Doch die Zahl stieg auf etwa 400, seit Musk im Mai unter Druck geriet, die Produktion seines neuen Elektroautos Model 3 anzukurbeln, dessen Preis mit 35.000 Dollar (30.000 Euro) niedriger sein soll als die Preise früherer Modelle. Seither hat Musk Tausende neue Follower gesammelt und inzwischen fast halb so viele wie US-Präsident Donald Trump, der seine Kritiker auf Twitter ähnlich genüsslich angreift.
Hedge-Fonds-Manager Mark Spiegel, der auf fallende Tesla-Aktienkurse gewettet hat, sagt, die Tweets zeigten Musks Fans dessen wahre Persönlichkeit. Spiegel sagt, das Unternehmen, das bislang nur in zwei Quartalen profitabel war, sei hoch verschuldet und werde es schwer haben, die Vorhersage seines Chefs zu erfüllen, in der zweiten Jahreshälfte Gewinn abzuwerfen: „Es gründet sich alles auf die fanatischen Fans von Elon Musk. Sobald sie erkennen, was für eine Person sie verehrt haben, wenden sie sich sofort ab“, sagt Spiegel und vergleicht Musk mit Trump. Die beiden Männer hätten eine „erstaunliche Menge an persönlichen Schwächen gemeinsam“.

Frühere Vergleiche mit dem US-Präsidenten haben Musk verärgert. Im Frühjahr twitterte der Kritiker Andrew J. Hawkins, der Tesla-Chef verwandle sich in eine „medienwirksame Trump-Figur, die irrational über Fake News plärrt“. Musk reagierte, indem er gegen die Medien austeilte: „Warum, denkt ihr, wurde er letztlich gewählt? Weil euch keiner mehr glaubt.“ Gegen die Vorwürfe des Tauchers Unsworth verteidigte er sich, indem er twitterte, dass die Leiter der Rettungsaktion in Thailand ihn gebeten hätten, das Mini-U-Boot zu bauen.

Die Tesla-Aktie fiel am Montag um fast drei Prozent auf 310,10 Dollar, obwohl der Markt leicht im Aufwind war. Medienrechtler Robert Drechsel von der Universität von Wisconsin sagt, wenn er Teslas Anwalt wäre, würde er dem Firmenchef raten, mit dem Twittern aufzuhören. „Man kann sich nicht den geringsten Gefallen damit tun, diese Art von Unruhe zu erzeugen und schlimmstenfalls seine Glaubwürdigkeit infrage zu stellen“, erklärt er. „Ich bin sicher, sie wünschen sich, er wäre ein vorsichtigerer Twitterer.“
Wirtschaftsrechtler Gordon sagt, große Investoren seien bei Tesla in einer schwierigen Lage, so wie sie es bei Uber und dessen abgesetztem Chef Travis Kalanick gewesen seien. Wie Uber bauen Tesla und SpaceX auf die herausragende Persönlichkeit ihres Gründers. Tesla ist mehr als 52 Milliarden Dollar (45 Milliarden Euro) wert, weitgehend gründet sich das auf das Versprechen von Musks Genialität.

Bis zuletzt haben Twitter und Musks Persönlichkeit gut für Tesla funktioniert. In seinen Mitteilungen an die Börsenaufsicht schreibt das Unternehmen, es müsse keine Werbung schalten, da es so viel kostenlose Medienaufmerksamkeit erhalte. Doch Musks „Pädo“-Bemerkung und seine Twitter-Scharmützel mit Analysten, Journalisten und anderen ließen Investoren argwöhnisch werden, sagt Gordon. „Es ist sehr gefährlich, mit den Dingen einfach so herauszuplatzen.“

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