Tesla Model X Premiere Wenn ein Autobauer zum Rockstar wird

Tesla-Chef Elon Musk hat sein zweites Fahrzeug für den Massenmarkt vorgestellt: das SUV Model X. Bei der Präsentation feiern selbst altgediente Silicon-Valley-Genies den elektrischen Flügeltürer.

Ein Auftritt im Apple-Stil: Tesla-Chef Elon Musk präsentiert das erste komplett strombetriebene SUV „Model X“ unter Jubel-Rufen. Quelle: Stefan Hajek

Endlich. Nach anderthalb Stunden gespannten Wartens, Hälsereckens und Drängelns um die besten Plätze betritt der Star die schneeweiße, leere Bühne: Tesla-Chef Elon Musk. Jubel brandet auf, Klatschen und Bravo-Rufe schallen durch den Raum. "Elon, Elon", rufen die Frauen. Männer recken ihre Smartphones in die Luft, fotografieren und filmen, was das Zeug hält.

Ein Autobauer löst Fanbegeisterung auf Apple-Niveau aus. Rund 2000 geladene Gäste flippen aus wie Teenager bei einem Boygroup-Konzert. Die meisten haben den ersten vollelektrischen SUV Model X schon vor Monaten für tausende Euro vorbestellt. Einem Rockstar gleich steht Musk in einer eilig dekorierten Werkshalle im kalifornischen Industrie-Kaff Fremont: breitbeinig, dunkles Samtjacket, Jeans. Er lächelt siegessicher. Das ist seine Show.

Elon Musk feiert seinen neuen Wagen
Ein Auftritt im Apple-Stil: Tesla-Chef Elon Musk präsentiert das erste komplett strombetriebene SUV „Model X“ unter Jubel-Rufen. Quelle: Stefan Hajek
Dass Elektro-Auto, das auch noch mit massiver Verspätung auf den Markt kommt, mal so gefeiert wird, hätten sich lange nur wenige Branchenkenner träumen lassen. Quelle: Stefan Hajek
Der Stadt-Geländewagen hat sieben Sitze in drei Reihen. Quelle: REUTERS
Platz genug für die ganze Familie, wie eine Live-Demonstration beweist. Die familienfreundliche Ausstattung soll auch Frauen stärker ansprechen. Quelle: Stefan Hajek
Optisches Highlight: Die nach oben öffnende Flügeltüren. Die sollen vor allem in engen Parklücken hilfreich sein. Quelle: REUTERS
Nachteil des Falken-Türen-Konzepts: Platz für einen Dachgepäckträger ist nicht. Dafür bietet Tesla allerdings diese zusätzliche Alternative an. Quelle: PR
Das Model X soll ähnlich viel Fahrspaß bereiten wie die E-Limousine Model S. Quelle: REUTERS

Dann rollt der Model X lautlos auf die Bühne. Ein eher klobiges Ding in schlichtem Weiß, ohne die Grandezza der bildschönen Luxuslimousine Model S, dafür mit reichlich Platz auf sieben Sitzen.

Musk beginnt seinen knapp zweistündigen Vortrag bei den Sicherheits-Features. Jedes Detail, das er vorträgt, wird von lauten Jubel-Arien des Publikums begleitet. Egal ob er den neuen Innenraumluftfilter als den besten derzeit erhältlichen preist, oder die besonders unfallsichere, stabile B-Säule - stets erntet er frenetischen Applaus, als habe er gerade die Ankunft des Weltenretters oder zumindest den Sieg über Armut, Krieg und Klimawandel verkündet.

Tesla-Chef Elon Musk stellt das SUV Model X vor Quelle: REUTERS

Musks Strategie: Schlagzeilen, aber kein Geld

Elon Musk hat dieser Tage ohnehin Oberwasser. Der Diesel-Skandal bei VW versetzt den gebürtigen Südafrikaner in die Lage, Europas größtem Autobauer Lehrstunden zu erteilen. Vebrennungsmotoren, erklärte Musk bereits vergangene Woche in Berlin, hätten ihr Leistungslimit erreicht - ab jetzt ginge es wohl nur noch mit Tricksereien zu mehr PS und weniger Schadstoffen.

Während also Volkswagen mit den Folgen jahrelanger Betrügereien kämpft und das Image des Dieselmotors nachhaltig beschädigt ist, will Musk mit seiner E-Auto-Schmiede Tesla Motors endgültig auf die Siegerstraße abbiegen. Die Autobauer dieser Welt, allen voran die deutschen, die das E-Auto lange Zeit stiefmütterlich behandelten, berufen sich bislang darauf, dass Musk mit seinen hochtrabenden Plänen vielleicht Schlagzeilen, aber kein Geld macht.

Die wichtigsten Startups von Elon Musk

Sie haben Recht. Tesla wies im vergangenen Geschäftsjahr 294 Millionen Dollar Verlust bei knapp einer Milliarde Dollar Umsatz aus. Doch die Konkurrenz verkennt, dass Geldverdienen bisher von Musk noch gar nicht vorgesehen ist.

Er verfolgt den Silicon-Valley-typischen Plan, den man zynisch als Größenwahn bezeichnen könnte: Erst kommt eine echte Innovation, es folgt weltweites Wachstum, und erst dann wird Geld verdient. Apple, Facebook und Google haben es vorgemacht. Ob Tesla jemals eine Erfolgsgeschichte von solchen Ausmaßen wird, daran haben selbst im technikverliebten Silicon Valley die meisten Autoexperten arge Zweifel.

Doch mit dem Model X könnte Tesla zum ernstzunehmenden Konkurrenten der Premiumhersteller von Audi über BMW bis Daimler werden.

Dieser Schritt ist für Tesla nicht ohne Risiko. Zwar haben die Kalifornier seit dem Launch der Luxuslimousine Model S erheblich an Know-how im Autobau gewonnen. Die Qualität von Fahrwerk, Innenausstattung und Karosserie braucht keinen Vergleich mit einem europäischen oder japanischen Premiumhersteller zu scheuen. Tesla könne nicht nur "den entscheidenden Schritt vom Liebhaber- zum Premiumhersteller für breitere Käuferschichten machen", sagt der Autoanalyst Karl Brauer, der den viel beachteten Branchendienst Kelley Blue Book News in Los Angeles herausgibt. Sondern nebenbei auch "dem umstrittenen E-Auto zum Durchbruch verhelfen."

Doch mit dem Launch des Model X bricht das erst 12 Jahre alte Unternehmen mit der bisher eisern durchgehaltenen Strategie, immer nur ein Modell gleichzeitig zu bauen.

Nachdem die Produktion des ab 2008 gebauten Roadsters 2012 auslief, bauten die Kalifornier ausschließlich das Model S. Nun sollen erstmals in der Firmengeschichte zwei Modelle zugleich, ab 2017 dann auch noch ein drittes gebaut werden: Das deutlich günstigere und etwas kleinere Elektroauto Model 3, das mit einem mutmaßlichen Preis von nur 35.000 Dollar auf die Mittelklasse zielt.

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