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Tesla Semi Truck Was Musk mit dem Elektro-Lkw erreichen will

Donnerstagabend stellt Tesla mit dem „Semi Truck“ seinen ersten Elektro-Lkw vor. Elon Musk hat dabei eine bestimmte Zielgruppe im Visier. Doch eines ist anders als bei Teslas E-Autos: Die Konkurrenz ist längst da.

So sieht Teslas E-Truck aus
Der Tesla-CEO ist auf einem großen Bildschirm zu sehen. In der Nacht zum Freitag stellte Tesla einen strombetriebenen Sattelschlepper vor. Quelle: REUTERS
Futuristisch, schlank, typisches Tesla-Design: Das ist der Tesla Semi. Quelle: REUTERS
Ansturm bei der Präsentation in Hawthorn: Jeder will einen Blick auf den Tesla-Truck erhaschen. Quelle: REUTERS
Der E-Truck soll auch mit voller Ladung von 40 Tonnen eine Reichweite von rund 800 Kilometern haben. Quelle: REUTERS
Der Sattelschlepper hat vier Motoren - und Tesla verspricht, dass er pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann. Auch mit zwei ausgefallenen Motoren können das Fahrzeug immer noch einen Diesel-Lastwagen schlagen, versicherte Musk Quelle: REUTERS
Die Produktion werde im Jahr 2019 beginnen, sagte Musk. Quelle: dpa
Ein Blick ins moderne, minimalistische Cockpit des Elektro-Lkw. Zwei große Touchscreens zeigen dem Fahrer alles, was er wissen muss. Quelle: dpa

Liebe Leser, dies ist ein Vorbericht von Donnerstag auf die Tesla-Präsentation. Hier finden Sie die aktuellen Bilder vom neuen Tesla Semi Truck und dem überraschend vorgestellten Roadster.

Elon Musk gibt sich – wie immer – viel Mühe. Er will seine Produkte möglichst attraktiv anpreisen, Begehrlichkeiten wecken. So verwunderte es kaum, als er vor der nächsten Produktvorstellung an diesem Donnerstag twitterte: „Das wird euren Verstand aus eurem Schädel in eine andere Dimension pusten.“ Bereits früher hatte er geschrieben, das neue Produkt sei „unwirklich“ und ein echtes „Biest“.



Einzig: Der Tesla-Chef beschreibt damit keinen neuen Elektro-Sportwagen, sondern einen Lkw. Mit Elektroantrieb, versteht sich.

Ein Lastwagen von einem Autobauer, der bislang vor allem exklusive Limousinen und SUV verkauft? Dazu von einem Unternehmen, das mit dem komplexen Produktionsstart des Massenmodells Model 3 vor einer großen Belastungsprobe steht?

Das ist Teslas 400-km/h-Flitzer
Oft wird Tesla-Gründer Elon Musk mit Steve Jobs verglichen Quelle: REUTERS
Der neue Roadster soll ab 2020 verfügbar sein und enorme Fahrleistungen bieten. Quelle: REUTERS
Der sportliche Wagen werde die schnellste Beschleunigung unter Serienautos haben. Quelle: REUTERS
Der Roadster soll von null auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) in 1,9 Sekunden kommen. Quelle: REUTERS
Auch bei Autobahn-Tempo soll die Reichweite 1000 Kilometer erreichen. Quelle: REUTERS
Die Höchstgeschwindigkeit gibt Tesla mit mehr als 250 Meilen pro Stunde an (402 km/h). Quelle: REUTERS
Der Roadster bietet auch einen schicken Innenraum - für einige Kritiker bislang Teslas Schwäche im Vergleich zu etablierten Autobauern. Quelle: REUTERS

Nach Einschätzungen von Experten könnte der „Semi Truck“, wie die Lkw-Zugmaschinen in den USA genannt werden, das richtige Produkt zum richtigen Zeitpunkt sein. „Gerade für den E-Lkw scheint die Firma weniger auf die Zukunft zu wetten als eine echte Nische am Markt zu bedienen“, sagt Axel Schmidt, der bei der Unternehmensberatung Accenture global für das Automotive-Geschäft verantwortlich ist, „immerhin hat man bei der Entwicklung ja wohl eng mit Logistikfirmen zusammengearbeitet.“

Schafft der Tesla-Truck fast 500 Kilometer?

Bereits im vergangenen Jahr hatte Musk als Teil seines „Masterplans“ angekündigt, dass Tesla sich nicht nur auf Pkw beschränken, sondern auch mit Lastwagen und Bussen den Waren- und Personentransport revolutionieren wolle. Seitdem war es angesichts der Model-3-Probleme ruhig um das Lkw-Projekt geworden – lediglich mit zwei Verschiebungen des Präsentationstermins hatte der „Semi“ wieder Schlagzeilen gemacht.

Abgesehen von den vollmundigen Twitter-Ankündigungen seines Chefs hat sich Tesla bei harten Fakten sehr bedeckt gehalten. Offiziell hat sich das kalifornische Unternehmen bis heute noch nicht zu Eckdaten wie Reichweite, Nutzlast oder Preis geäußert. Im August zitierte die Nachrichtenagentur Reuters Scott Perry, Manager des Nutzfahrzeugvermieters und Logistikkonzerns Ryder, mit der Aussage, Tesla werde mit einer Batterieleistung von 200 bis 300 Meilen (320 bis 480 Kilometer) an den Start gehen. Er bezog sich auf Gespräche, die er mit Vertretern von Tesla zu Beginn des Jahres geführt habe.

Mit den klassischen Semi-Trucks, der mit einer Tankfüllung bis zu 1600 Kilometer fährt, wird der Elektro-Lkw deshalb kaum konkurrieren. Das hat Tesla erkannt und richtet das „Beast“ auf einen anderen Einsatzzweck aus: Den Verteilverkehr auf der Mittelstrecke.

Gerüchten zufolge verzichtet Tesla sogar auf eine große Kabine mit Schlafplatz. Anstatt irgendwo am Rande eines Highways zu nächtigen, soll der Tesla-Truck offenbar im Depot an der Steckdose hängen. Es geht also nicht darum, Waren von Detroit nach San Francisco zu transportieren, sondern eher Häfen oder Bahnhöfe mit großen Verteilzentren zu verbinden oder große Supermärkte zu beliefern.

Wenn Musk seinen Truck mit einer solchen Reichweite liefern kann, könnte er eine große Zielgruppe ansprechen. Laut Sandeep Kar, Chef-Stratege bei Fleet Complete aus Toronto, umfassen rund 30 Prozent aller Lkw-Fahrten in den USA zwischen 100 und 200 Meilen. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Lkw-Bewegungen zu erfassen und auszuwerten. „Solange Musk die 200 Meilen schafft, kann er seinen Truck als Langstreckenfahrzeug bezeichnen und wird damit recht haben“, so Kar.

„In bestimmten Einsatzszenarien können E-Lkw wie der Tesla Semi niedrigere Gesamtbetriebskosten – auch „Total Cost of Ownership“ oder TCO – als heutige Diesel-Lkw erreichen“, sagt Schmidt. „Verschiedene Berechnungen bestimmen diesen „break-even-point“ für die Gesamtkosten auf Strecken um die 200 bis 300 Kilometer am Tag.“ Ein Reichweiten-Fenster, das sowohl der Tesla-Truck als auch der kürzlich vorgestellte Elektro-Lkw von Daimler erreichen. Ein weiteres Argument für die E-Lkw: Sie sind „immun“ gegen schärfere Emissionsregeln oder mögliche Fahrverbote in Städten. Die Schlussfolgerung von Unternehmensberater Schmidt: „Sie könnten also wirklich bald zu einer wirtschaftlich sinnvollen Alternative zum Diesel werden.“

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