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Tesla Solar für Deutschland Was Elon Musk vergessen hat

Elon Musk will jedes Haus mit Solarenergie versorgen. Wenn es um deutsche Dächer geht, stellt sich der Tesla-Chef aber ziemlich ungeschickt an.

Elon Musk vor Tesla Solar-Dachziegeln. Quelle: Collage

Etwas zu verkaufen, was es noch gar nicht gibt, darin ist Elon Musk unschlagbar. Wie schon beim Elektroauto läuft nun auch die Marketingmaschine für sein neuestes Produkt: Die Produktion für Solardachziegel sei schon bis Ende 2018 ausgebucht, beteuerte der Tesla-Chef kürzlich vor begeisterten Fans.

Diese trauen ihm offenbar alles zu, aus der ganzen Welt ordern sie die Superziegel auf der Tesla-Webseite. Um auf grünen Strom umzusteigen, müsse man nur sein Dach neu decken, verspricht Musk. Runter mit den profanen Schindeln, rauf mit den schicken Solarziegeln aus Glas. 2018 will Tesla diese auch in Deutschland anbieten.

Kombiniert mit einem Stromspeicher, sollen die Solarziegel das Eigenheim zu einem kleinen grünen Kraftwerk machen: heizen, kochen und gleich noch das E-Auto laden. Unabhängig vom Stromversorger – und vor allem viel schöner als die aufs Dach geschraubten Solaranlagen.

Die Tesla-Chronik

Doch so mancher Tüftler ist mit dieser Idee schon gescheitert. Selbst Musk räumt ein, dass er die Technologie noch nicht ganz im Griff habe. Bisher präsentierte er lediglich einen Prototyp. Und in Deutschland gilt es, beim Markteintritt viele Regeln zu beachten. Die ignoriert Tesla bislang. Wird es Musk gelingen, deutsche Dächer mit Solarziegeln zu decken?

Museum statt Marketingmaschine

Deutschland dürfte einer der lukrativeren Märkte sein, in denen er seinem neuen Business zum Durchbruch verhelfen könnte. Die Deutschen setzen schließlich gern auf alternative Lösungen. 15 Millionen Dächer wären hierzulande Schätzungen zufolge für Solarziegel geeignet.

Der Dresdner Solarmodulhersteller Solarwatt hat schon 1999 einen ähnlichen Ziegel erfunden. Inzwischen ist er ins hauseigene Museum gewandert. „Der technische Aufwand und die Fehleranfälligkeit waren zu groß“, sagt Firmenchef Detlef Neuhaus. Denn so ein Solardachstein muss nicht nur Strom liefern, sondern auch vor Wind und Regen schützen, Schall und Wärme dämmen. Die Kunst ­besteht darin, diesen genauso dicht zu ­machen wie einen konventionellen – und all die elektrischen Anschlüsse der Ziegel sicher zu verkabeln.

Die verrückten Projekte des Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk Quelle: dpa
Menschen auf dem Mars - im September 2016 stellt Musk detaillierte Ideen für eine Besiedlung des Planeten vor. Quelle: SapceX,AP
Im Dezember 2015 kehrt mit der „Falcon 9“ erstmals eine Trägerrakete nach einer Mission heil und aufrecht zum Startplatz auf die Erde zurück. Quelle: dpa
Autopilot im Tesla Quelle: REUTERS
Autonomes Fahren im Tesla Quelle: REUTERS
Die sogenannten „Supercharger“ brauchen rund 75 Minuten, um einen Tesla-Akku komplett aufzuladen und eine halbe Stunde für eine halbe Ladung. Quelle: REUTERS
Mit einer „Hyperloop“ genannten Röhre will Musk irgendwann in der Zukunft per Unterdruck Passagiere mit nahezu Schallgeschwindigkeit wie eine Art Rohrpost transportieren. Quelle: REUTERS

Ein herkömmliches Solarmodul besteht dabei aus 60 Zellen. In einem Dachziegel wie dem von Tesla sind nur zwei Solarzellen verbaut. Anstatt etwa 20 Solarmodule auf ein Dach zu installieren, müssten also 600 Tesla-Ziegel miteinander verstöpselt werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen. „Technisch ist das lösbar, es braucht aber Fach­leute und viel Zeit“, sagt Neuhaus.

Die Sonnenrevolution aus Kalifornien ist daher eher etwas für die betuchte Kundschaft: Um die 60 000 Dollar soll ein Tesla-Solardach für ein durchschnittliches Haus kosten. Dazu kommt noch der Speicher. Ausgerechnet da aber hapert es: Der Tesla-Ziegel wandelt zwei Prozent weniger Energiemenge als herkömmliche Anlagen um. Die Effizienz würde noch verbessert, verspricht Musk.

Musk aber stellt sich ziemlich ungeschickt an, um deutsche Dächer zu decken: Er scheint die deutsche Regelwut einfach vergessen zu haben.

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