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Tesla-Vize Jerome Guillen "Wir machen unser eigenes Ding"

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„Öl ist nicht nachhaltig“

Kann E-Mobilität ohne diese Anreize funktionieren? Nehmen wir Deutschland – keine Anreize, kaum E-Mobilität. Ein extrem schwieriger Markt also.
Ja, aber wir wachsen, obwohl es keinerlei Förderung seitens der Regierung gibt. Was mich überrascht, da Bundeskanzlerin Angela Merkel angekündigt hat, bis 2020 eine Millionen E-Fahrzeuge auf der Straße haben zu wollen. Aber obwohl es bis jetzt keine Zuschüsse gibt, wächst der Markt. Und nicht nur das. Die deutschen Hersteller investieren alle in elektrische Autos.

Ja, aber in erster Linie, weil sie sonst die CO2-Ziele der Europäischen Kommission nicht erreichen werden.
Ich denke, jede Art von Anreizsystem von Seiten einer Regierung beschleunigt einen Übergang, der so oder so stattfinden muss. Das Ziel von Tesla ist es, ein nachhaltiges Transportsystem zu entwickeln. Manche Regierungen werden diesen Prozess beschleunigen, andere nicht. Aber dieser Übergang wird kommen. Öl ist nicht nachhaltig – egal wie hoch der Preis ist.

Aber könnte auch die Brennstoffzelle kommen?
Aber woher bekommen Sie den Wasserstoff dafür? Aus Öl oder Gas? Besonders grün ist das nicht.

Sie könnten auch regenerative Energien nutzen, um mittels Elektrizität aus Wasser Wasserstoff herzustellen.
Das könnte man machen. Aber der Prozess ist nicht sehr effizient. Wenn man schon Strom produziert, kann man diesen auch gleich in einer Batterie speichern.

Die elektrische Batterie ist für Sie also die überlegenere Lösung gegenüber der Brennstoffzelle?
Das werden wir sehen. Ihr Smartphone, Ihr Computer, Satelliten im Weltall – alle haben elektrische Batterien. Wenn die Brennstoffzelle so gut wäre, wäre sie in Ihrem Smartphone.

Sie könnte es aber in der Zukunft sein, vielleicht in 20 Jahren.
Und genau das höre ich schon seit 20 Jahren. Es ist wie mit der Kernfusionenergie – nur 20 Jahre entfernt. Bis heute ist kein Fusionsreaktor am Netz.

Sie haben einen Teil Ihrer Patente öffentlich gemacht. Hat irgendeiner Ihrer Wettbewerber schon angefragt?
Das können wir nicht öffentlich sagen. Aber generell gilt, dass die Entwicklungszyklen von Autos sehr lang sind. Man wird also erst in ein paar Jahren sehen, was jetzt vielleicht schon öffentlich zugänglich ist. Aber wenn Sie sich hier in den Messehallen umsehen, werden sie einige von Tesla inspirierte Technologie sehen. Ohne Tesla gäbe es nicht so viel Interesse am Elektro-Auto, da bin ich mir sicher.

Lassen Sie sich auch von anderen Herstellern inspirieren? Zum Beispiel in Dingen, die nichts mit dem Antrieb zu tun haben?
Wir machen unser eigenes Ding. Deshalb haben wir etwa den Touchscreen eingeführt und die Knöpfe aus dem Cockpit geschmissen. Als Elon vor Jahren gesagt hat: "Wir machen einen großen Touchscreen", gab es nichts Vergleichbares auf dem Markt. Wir entwickelten dann einen Bildschirm der zweimal so groß ist wie ein iPad. Elon hatte den richtigen Riecher dafür, wie die Benutzeroberfläche der Zukunft aussehen wird.

Noch viele Hürden für selbstfahrende Autos

Wenn schon nicht an der Konkurrenz, gab es dann eine spezielle Kundengruppe als Vorbild?
Wir mussten keiner Statusgruppe folgen. Wir wollten einfach das beste Auto überhaupt machen. Wir haben uns keine Gedanken über die anderen gemacht. Wir sahen, die Leute nutzen Touchscreens, also machen wir einen Touchscreen ins Auto.

Ein Grund für den Erfolg in Norwegen ist die gute Infrastruktur. Das Super-Charging-System von Tesla hat sich aber nicht als Standard durchgesetzt. Wie kann eine kleines Unternehmen wie Tesla mit einem eigenen System gegen die großen Hersteller im Wettbewerb bestehen?
So denken wir nicht. Zunächst: Das Lade-Netz ist sehr weit entwickelt, man kann an jeder Steckdose ein Auto laden.

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