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Toyota entthront VW VW, BWM und Daimler leiden unter starkem Euro

Die deutschen Autokonzerne sind beim Absatz auf Rekordkurs, der Umsatz entwickelt sich wegen des starken Euros jedoch rückläufig. Gewinner sind die japanischen Autohersteller.

Die erfolgreichsten Autobauer der Welt
Wer ist Verkaufs-, Gewinn- und Flexibilitäts-Champion?Erst vor wenigen Wochen präsentierten die Autobauer auf der 83. Internationalen Automobilsalon in Genf ihre Innovationen und legten damit den Grundstein für neue Erfolge. Wie erfolgreich die größten Automobilhersteller der Welt sind und wer die Nummer eins unter den neun absatzstärksten Autobauern ist, damit hat sich das CAR-Center Automotive Research unter Leitung von Ferdinand Dudenhöffer auseinandergesetzt. Als Kriterien für den Erfolg haben die Experten drei Kategorien definiert: Verkaufserfolg (Absatzentwicklung), Gewinnmargen sowie Flexibilität & Effizienz. Als Maßstab hierfür gilt der Umsatz pro Mitarbeiter. Hat ein Konzern einen geringen Umsatz pro Mitarbeiter - also eine geringe Arbeitsproduktivität - ist seine Effizienz verbesserbar. Quelle: dpa
Peugeot-CitroenFahrzeugabsatz: 2,95 Millionen Gewinnmarge 2012: -3,9 % Umsatz pro Mitarbeiter: 187.000 Gewinn pro Fahrzeug: - 510 EuroDer französische Autobauer kränkelt, zu viele Mitarbeiter erzeugen Verluste. Das Problem mit den Überkapazitäten kommt beim niedrigen Umsatz pro Mitarbeiter zum Vorschein. Hier bildet Peugeot-Citroen das Schlusslicht. Dudenhöffer: "Schwierig stellt sich die Lage bei den Automarken dar, die überwiegend in Europa agieren. So hat Peugeot-Citroen 510 Euro Verlust pro verkauftem Fahrzeug erwirtschaftet" Quelle: dpa
HondaFahrzeugabsatz: 3,96 Millionen Gewinnmarge 2012: 5,5 % (1,8 in der Autosparte) Umsatz pro Mitarbeiter: 490.000 Gewinn pro Fahrzeug: 319 Euro Die hohe Gewinnmarge kann trügen - beim japanischen Hersteller hat die Automobilsparte nur 1,8 Prozent Gewinn erwirtschaftet. Autoexperte Dudenhöffer: "Honda hat im Automotive-Geschäft die Nachwirkungen der Naturkatastrophen des Jahres 2011 noch zu verdauen. Dies zeigt, wie wichtig für Honda Power-Tools und Motorräder als wichtige Konzernsparten sind". Quelle: REUTERS
Fiat-ChryslerFahrzeugabsatz: 4,29 Millionen Gewinnmarge 2012: 4,5 % Umsatz pro Mitarbeiter: 391.000 Gewinn pro Fahrzeug: 1579 EuroChrysler hat den im Jahr 2012 den größten Gewinn pro Fahrzeug eingefahren und erreicht damit Platz eins vor allen anderen Autobauern im Nicht-Premium-Bereich. Dudenhöffer: "Die Überraschung ist sicher Fiat-Chrysler. Für beide Unternehmen wurde noch vor ein paar Jahren keine Zukunft mehr vorausgesagt. Mittlerweile ist Fiat-Chrylser profitabler als der VW-Konzern ohne Audi. Dabei enthält VW ohne Audi noch Porsche, Bentley, Lamborghini, Bugatti – ist also durchaus vergleichbar mit Fiat-Chrylser, die Ferrari und Maserati halten. Fiat-Chrysler-Chef Marchionne hat also deutlich besser abgeschnitten als vielfach vermutet. Allerdings hat sich Fiat-Chrysler durch hohe Einsparungen bei Produktinvestitionen sein Ergebnis 'verdient'. Langfristig hat Fiat-Chrylser damit ein höheres Risiko". Quelle: REUTERS
FordFahrzeugabsatz: 5,67 Millionen Absatzwachstum 2008-2012: 2 % Gewinnmarge 2012: 5,9 %Umsatz pro Mitarbeiter: 586.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: + 890 Euro Ford Auto; - 967 Ford Europe Ford liegt beim Umsatz pro Mitarbeiter auf Platz zwei, und kann auch eine erstaunlich hohe Ebit-Marge ausweisen. Dudenhöffer: "Überraschend ist die hohe Profitabilität von Ford trotz hoher Verluste im Europageschäft. Ähnliches gilt auch für GM mit den Europaverlusten und Fiat-Chrysler." Beim Absatz und Absatzwachstum belegt Ford allerdings den letzten Platz. Quelle: AP
Renault-NissanFahrzeugabsatz: 7,60 Millionen Absatzwachstum 2008-2012: 25 % Gewinnmarge 2012: 3,5 % Umsatz pro Mitarbeiter: 353.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: - 241 Euro Renault ; + 890 Euro Nissan Den Absatz konnte Renault-Nissan in den vergangenen fünf Jahren zwar ordentlich steigern - vergleichsweise stärker als Toyota oder GM - doch in den anderen Kategorien sieht es mau aus. Die Ebit-Marge ist mit 3,5 Prozent die geringste unter den Big Six (Toyota, Ford, Hyundai-Kia, GM, Renault Nissan, VW). Mit einem Verlust von 241 Euro pro verkauftem Neuwagen hat Renault massiv unter den Krise in seinem Kernmarkt Europa gelitten. Quelle: REUTERS
General MotorsFahrzeugabsatz: 9,29 Millionen Absatzwachstum 2010-2012: 11 % Gewinnmarge 2012: 5,2 % Umsatz pro Mitarbeiter: 534.000 Euro Gewinn pro Fahrzeug: 635 Euro Die US-Mutter des deutschen Autobauers Opel liegt in allen Kategorien im Mittelfeld. Beim Absatz weltweit die Nummer drei, reicht es bei den restlichen Kennzahlen nur für den vierten Platz. Beim Gewinn pro Fahrzeug ergeben sich je nach Marke im GM-Konzern große Unterschiede. So fuhr Opel-Vauxhall im vergangenen Jahr pro Fahrzeug einen Verlust von 834 Euro ein, im Gesamtkonzernschnitt reicht es dank der starken US-Marken wie Chevrolet und Buick für 635 Euro - ein Platz im hinteren Mittelfeld. Skoda liegt etwa mit einem Wert von 758 Euro deutlich vor GM. Quelle: dpa

Deutschlands Autobauer verkaufen so viele Autos wie nie zuvor – und schwächeln dennoch beim Umsatz. Im dritten Quartal 2013 kamen die drei deutschen Autokonzerne Volkswagen, BMW und Daimler weltweit auf insgesamt 3,1 Millionen verkaufte Fahrzeuge – das waren 6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz ging hingegen zurück: um 0,4 Prozent auf 95,8 Milliarden Euro.

Ganz anders die japanischen Autobauer: Sie steigerten ihren Pkw-Absatz im dritten Quartal nur um drei Prozent – der Umsatz schnellte dafür um 17 Prozent in die Höhe. Hauptgrund für die aktuelle Stärke der japanischen Autobauer und die relative Schwäche der deutschen Konzerne sind Währungsschwankungen: Der deutlich abgewertete Yen macht japanische Autos im Ausland billiger und wertet im Ausland erzielte Umsätze bei der Umrechnung in Yen auf. Der starke Euro hingegen lässt im Ausland erzielte Umsätze der europäischen Unternehmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung schrumpfen.

Immerhin gelang den deutschen Konzernen trotz negativer Währungseffekte ein spürbares Gewinnplus von 11 Prozent. Allerdings haben auch hier die Japaner eindeutig die Nase vorn: Der operative Gewinn der japanischen Autokonzerne stieg im dritten Quartal um 51 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro – und liegt damit erstmals seit 2009 höher als der von den deutschen Autobauern erzielte Gewinn, der sich im abgelaufenen Quartal auf insgesamt 6,9 Milliarden Euro belief. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 17 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) quartalsweise erstellt.

Toyota entthront Volkswagen

Toyota verkaufte im dritten Quartal zwar weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum (minus 1 Prozent), konnte aber dank des schwachen Yen den Umsatz um 16 Prozent auf 49,4 Milliarden Euro steigern – und verdrängt damit Volkswagen (47,0 Milliarden Euro Umsatz) im Ranking der umsatzstärksten Autokonzerne vom ersten Platz. Den dritten Rang belegt der Daimler-Konzern mit einem Umsatz von umgerechnet 30,1 Milliarden Euro. 

Auch beim Gewinn liegt der japanische Autokonzern nun unangefochten an der Spitze: Toyota schaffte einen Gewinn von umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro. Bei Volkswagen waren es knapp 2,8 Milliarden Euro. Daimler und BMW belegen mit 2,2 bzw. 1,9 Milliarden Euro die Plätze 3 und 4.

Dabei konnten die deutschen Konzerne den zuletzt negativen Trend bei der Gewinnentwicklung stoppen: Der Gewinn der drei deutschen Unternehmen stieg um 11 Prozent von 6,2 auf 6,9 Milliarden Euro. Die Gesamt-EBIT-Marge der deutschen Konzerne kletterte von 6,5 auf 7,2 Prozent. 

Dass den deutschen Unternehmen trotz des starken Euro und Absatzflaute auf dem Heimatmarkt ein deutliches Absatz- und Gewinnwachstum gelang, wertet Peter Fuß, Partner bei EY, als deutliches Zeichen der Stärke und Wettbewerbsfähigkeit der Konzerne: „Alle drei deutschen Autokonzerne steuern im Gesamtjahr 2013 auf neue Auslieferungsrekorde zu – sie sind international gut aufgestellt und konnten im krisengeschüttelten Europa ihren Marktanteil deutlich ausbauen.“

Weiter beobachtet Fuß: „Die Spar- und Effizienzbemühungen der Unternehmen zeigen inzwischen Wirkung. Die Marge steigt endlich wieder – trotz hoher Investitionen in moderne Antriebstechnologien und in Zukunftsthemen wie Vernetzung oder autonomes Fahren.“ Falls es, wie erhofft, in den kommenden Jahren zu einer leichten Erholung auf dem europäischen Absatzmarkt kommt, dürfte dies die Gewinnsituation der deutschen Konzerne positiv beeinflussen.

 

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