WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Toyota und BMW Bosch im Kooperationskarussell

Die Kooperation von BMW mit dem japanischen Konkurrenten Toyota ist kein gutes Signal für den Zulieferriesen Bosch. Bei der Entwicklung moderner Batterietechnik sitzt Bosch zwischen den Stühlen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Vize-President Takeshi Uchiyamada und Klaus Draeger Mitglied des BMW Management Boards Quelle: dapd

Es ist eine Demonstration tiefer Harmonie. In Tokio, kurz vor Beginn der 42. Tokyo Motor Show am vergangenen Donnerstag, lobt Takeshi Uchiyamada den deutschen Autobauer BMW. Der sei, so der Vize-Chef des japanischen Wettbewerbers Toyota, „weltweit führend bei der Entwicklung grüner Dieseltechnik“. BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger lächelt und lobt zurück: „Toyota ist unbestrittener Technologieführer bei Hybridautos“, also der Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor.

Wenn zwei Konkurrenten sich so in den Himmel heben, dann meist zulasten eines Dritten. Der könnte der Stuttgarter Autozulieferer Bosch sein. Der Branchenprimus ist mit BMW zurzeit genau dort verbandelt, wo die Bayern mit Toyota künftig intensiver zusammenarbeiten wollen: bei der Konzeption von Elektrobatterien.

Deutschland in der Forschung abgeschlagen

Bosch produziert in einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung namens SB LiMotive die Batterien für das BMW-Elektroauto i3, das ab 2013 verkauft wird. Wenden sich die Bayern dem Toyota-Konzern zu, dem führenden Hersteller von Hybridautos, stellt sich sofort die Frage nach der Bosch-Kooperation und der Stellung Deutschlands in der Batterieproduktion.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Schon jetzt kommt an asiatischem Know-how bei der Batterietechnik kein Autobauer vorbei. Während in Deutschland die Forschung an der Batterie in den vergangenen Jahrzehnten fast aufgegeben wurde, blieben asiatische Elektronikkonzerne am Ball. Ohne die Lithium-Ionen-Akkus, die sie ursprünglich für Notebooks und Handys entwickelten, wäre das Elektroauto heute undenkbar. Daimler hat deshalb eine Partnerschaft mit dem chinesischen Batteriegiganten BYD, Volkswagen sucht Hilfe bei den Elektronikkonzernen Toshiba und Sanyo. Selbst der Hybridpionier Toyota braucht Unterstützung: Er fertigt die Batterien zusammen mit dem Elektronikhersteller Panasonic.

    Konkurrenz um Lithium-Ionen-Batterien

    Lithium-Ionen-Batterien Quelle: obs

    Offiziell betont BMW, die Toyota-Partnerschaft habe keine Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit Bosch. „Das Joint Venture von Bosch und Samsung wird wie geplant die Lithium-Ionen-Speichertechnologie für den BMW i3 liefern“, sagt BMW-Vorstand Draeger der WirtschaftsWoche. Und die Batteriezelle für den E-Sportwagen i8 liefere „ebenfalls SB LiMotive“, gibt Draeger bei der Gelegenheit bekannt.

    Doch der i3 und i8 sind nur die BMW-Stromer in einer langen geplanten Modellkette. „Das Wettbewerbsumfeld ist hart, da machen wir uns keine Illusionen“, sagt ein Manager von SB LiMotive.

    Vor diesem Hintergrund ist die Nachricht aus Tokio ein beunruhigendes Signal für das Joint Venture von Bosch und Samsung, das außer den beiden BMW-Autos bislang kaum größere Aufträge vorweisen kann. Lediglich Fiat/Chrysler, der US-Autozulieferer Delphi und der indische Autobauer Mahindra wurden bislang als Kunden genannt. Dass nun ausgerechnet der erste und namhafteste Kunde mit einem Schwergewicht wie Toyota paktiert, kann SB-LiMotive-Chef Joachim Fetzer nicht gefallen. Denn sein Unternehmen ist nicht nur BMW-Lieferant, sondern forscht mit den Münchnern auch intensiv – die dies nun ebenso mit Toyota vorhaben.

    Bosch und BMW im Wettstreit

    Top-Jobs des Tages

    Jetzt die besten Jobs finden und
    per E-Mail benachrichtigt werden.

    Standort erkennen

      Die Gefahren für Bosch liegen auf der Hand. Auf der Agenda der weiß-blau-japanischen Liaison steht nichts Geringeres als die Entwicklung der kommenden Generation von Lithium-Ionen-Batterien. Sie arbeiten mit anderen Bestandteilen, etwa mit Schwefel oder auch mit Luft, und sind mindestens doppelt so leistungsfähig wie heutige Akkus. An diesen Zukunftsbatterien arbeitet aber auch das Bosch-Samsung-Joint-Venture SB LiMotive und die Eisenacher Bosch-Tochter Battery Solutions.

      Wie eng verbandelt Bosch und BMW sein werden, klärt sich wohl in den kommenden Monaten. 2012 will SB LiMotive entscheiden, wo das Unternehmen in Europa eine Batteriefabrik errichten wird. Ein Standort mit besten Karten sei Leipzig, so heißt es im Unternehmen, in unmittelbarer Nähe zum BMW-Werk, wo der i3 und der i8 gebaut werden. Sollte die Ehe mit BMW allerdings kriseln, bliebe dem Joint Venture ein Ausweg: Unter den knapp 100 Projekten, an denen SB LiMotive mit Kunden arbeite, sei auch eine aussichtsreiche Zusammenarbeit mit VW, sagt ein Insider. „Und der Weg von Leipzig nach Wolfsburg ist nicht weit.“

      © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
      Zur Startseite
      -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%