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Übernahmeschlacht Porsche und VW vor dem Milliardenprozess

In knapp zwei Wochen kommt es zu einem ersten Showdown im Streitfall Porsche/VW. Ging es bei der Übernahmeschlacht 2008/2009 mit rechten Dingen zu?

Die Zweckehen der Autobauer
VW - Suzuki Quelle: dpa
Daimler + BAICVor einigen Jahren ist der Autobauer Daimler bei seinem chinesischen Partnerunternehmen BAIC eingestiegen. Die Zentralregierung hat den Kauf des Anteils von zwölf Prozent an BAIC genehmigt. Inzwischen bahnt sich ein gegenseitiges Engagement an: Offenbar will sich BAIC bis Ende des Jahres 2015 bei Daimler einkaufen. Der Chef des Daimler-Joint-Venture-Partners Beijing Automotive (BAIC) in Peking, Xu Heyi, sagte der Zeitung "Beijing Times", dass sein Konzern einer der größten Anteilseigner bei den Stuttgartern werden wolle. Beide Seiten steckten jetzt "in der Schlussphase der Verhandlungen", wie die Zeitung zitierte. Daimler begrüßte das Vorhaben: "Wir freuen uns grundsätzlich immer über langfristig orientierte Investoren", sagte ein Sprecher. Der größte Einzelaktionär bei den Stuttgartern ist Angaben auf der Website zufolge derzeit der kuwaitische Staatsfonds mit einem Anteil von 6,8 Prozent. Quelle: dpa
Daimler + Tesla Quelle: Screenshot
General Motors + BMWDie Bayern und der US-Konzern gehen wieder getrennte Wege. Zumindest beim Thema Brennstoffzelle. Die Unternehmen wollten in der technischen Entwicklung von Elektroautos zusammenarbeiten. BMW sollte von GM Brennstoffzellen-Technologie erhalten und sich im Gegenzug an den Forschungskosten beteiligen. Der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer (Foto) setzte große Hoffnungen in die Partnerschaft. Sogar die Lieferung von Teilen war im Gespräch. Doch die Liaison kam nicht zustande. Stattdessen setzen die Bayern jetzt auf eine tiefergehende Kooperation mit ihrem japanischen Partner... Quelle: dpa
Toyota + BMWDie Bayern wollen mit den Japanern bis 2018 einen Sportwagen bauen. „Wir haben uns jetzt auf eine gemeinsame Architektur verständigt“, sagte der damalige BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess, der inzwischen VW-Markenchef ist. „Wichtig ist, dass das zwei unterschiedliche Fahrzeuge sein werden, die authentisch für die jeweilige Marke stehen.“ Im Dezember 2011 hatten die Bayern und die Japaner ihre Zusammenarbeit besiegelt. BMW erhält japanische Batterietechnik, dafür bekommt Toyota seit 2014 Dieselmotoren aus München. Die gemeinsame Entwicklung neuer Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos war bereits Bestandteil der Vereinbarung. Laut der japanischen Zeitung „Nikkei“ plant Toyota außerdem die Lieferung von Hybrid-Technologie an BMW. Der gemeinsam entwickelte Sportwagen gilt als Test im Bereich Produktentwicklung, bevor die Kooperation enger wird. Ein weiteres Gerücht, das immer wieder durch die Branche wabert: BMW erhält von Toyota die Brennstoffzellen-Technologie des Mirai, um seine Elektro-Familie auszubauen. Klar ist aber noch nichts. Quelle: dpa
BMW + PSA Peugeot CitroenÜber Jahre unterhielt BMW mit dem französischen Autokonzern PSA eine Motorenkooperation. Der eine hatte eine besondere Expertise bei kleinen Benzinern, der andere bei kleinen Dieselmotoren. Beides ergänzte sich, so dass auf BMW-Seite PSA-Motoren im Mini eingebaut wurden. Doch inzwischen ist diese Zweckehe ohne böse Worte beendet: Die inzwischen dritte Generation des Mini teilt sich die Technik mit dem BMW 1er – und damit auch die von den Münchnern neu entwickelten Drei- und Vierzylindermotoren. Soll heißen: PSA ist raus. Da die Verträge aber ohnehin auslaufen, wurde die Ehe ohne Krach geschieden. Quelle: obs
BMW und Brilliance Quelle: dpa/dpaweb

Jetzt wird es ernst für Porsche und Volkswagen. Hinter den Kulissen feilen Rechtsexperten der Autobauer seit langem an wasserdichten Argumenten, mit denen sie die Milliardenklagen zahlreicher Investoren wegen des Nachspiels ihres Übernahmekampfs in den Jahren 2008 und 2009 abwehren können. In knapp zwei Wochen müssen vor allem die Porsche-Juristen zeigen, was sie an Überzeugungskraft aufbieten können: Vor dem Braunschweiger Landgericht starten am 27. Juni die Verhandlungen zu den ersten zwei von fünf Schadensersatzklagen wegen angeblicher Marktmanipulation.

Streitwert von mehr als vier Milliarden Euro
Die Risiken für alle Beteiligten sind enorm. Zwar kommen die beiden wirklich großen Brocken - ihr Streitwert liegt bei über 2,1 und nochmals rund 2 Milliarden Euro - am übernächsten Mittwoch noch nicht auf den Tisch. Zuerst müssen die Parteien klären, wie sich die absehbaren Prozesskosten absichern lassen - „eine vorgeschaltete Maßnahme“, wie das Landgericht am Montag erklärte. Und VW ist von den zwei Verfahren, in denen dann bereits mündlich verhandelt wird, nicht betroffen. Die erste Klage (3,1 Millionen Euro) richtet sich gegen die Porsche-Dachgesellschaft SE und eine Bank aus Frankfurt, die zweite (1,6 Millionen Euro) nur gegen die Porsche SE.

Direkte Fusion nicht möglich
Auch Zeugen hat das Gericht vorerst nicht geladen. Dennoch könnte es bei der Debatte um die jüngere Vergangenheit zwischen Stuttgart und Wolfsburg ans Eingemachte gehen. Mehrfach hatten die Richter die
Fristen zur Erwiderung der Klagen verlängert, damit sich beide Seiten hinreichend vorbereiten und in Stellung bringen können. Eigentlich ist der Krimi um die gescheiterte Übernahme des viel größeren Konkurrenten Volkswagen durch Porsche vor vier Jahren längst Geschichte. VW drehte am Ende den Spieß um, Porsche soll vollkommen in den größten europäischen Autokonzern eingebaut werden. Wie genau
dies gelingen kann, treibt die Manager aber weiter um wie kaum eine andere offene Baustelle im VW-Konzern. Denn die direkte Fusion mit der Porsche SE scheiterte hauptsächlich an ungeklärten Rechtsfragen.

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