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Umbau im Tesla-Management Wieso Elon Musk sein Führungsteam umbaut

Tesla-Chef Elon Musk Quelle: AP

Elon Musk räumt bei Tesla auf. Er plane eine „gründliche Neuorganisation“, teilte er seinen Mitarbeitern mit. Flachere Hierarchien sollen die Kommunikation verbessern. Teslas eigentliche Probleme sind aber größer.

Tesla will inmitten der Probleme um den Stotterstart seines ersten Mittelklassewagens Model 3 einen Unternehmensumbau vollziehen. Firmenchef Elon Musk kündigte am Montag eine „gründliche Neuorganisation“ an. Das geht aus einem Memo an die Mitarbeiter hervor, aus dem zunächst das „Wall Street Journal“ zitierte und das später von anderen US-Medien veröffentlicht wurde.

Musk will dem Schreiben zufolge flachere Hierarchien im Management schaffen, die Kommunikation verbessern und Bereiche beschneiden, die nicht entscheidend für den Erfolg von Tesla sind. Was das konkret für die Personal- und Führungsstruktur bedeutet, führte der Tesla-Chef nicht weiter aus. Das Unternehmen wollte sich nicht äußern.

Möglich ist, dass der Vorstoß mit der Personalie Doug Fields zusammenhängt. Der Tesla-Produktionschef hatte in der vergangenen Woche erklärt, er werde eine Auszeit nehmen. Fields ist für die Fahrzeugentwicklung zuständig und trägt seit vergangenem Jahr auch die Verantwortung für die Produktion. Der Manager wolle „Kraft tanken und Zeit mit der Familie verbringen“, sagte ein Tesla-Sprecher dem „Wall Street Journal“ am Freitag. Nach Informationen der Zeitung geht es um eine sechswöchige Pause. Viele Beobachter sehen darin eine Bestätigung, dass der Druck auf die Produktion bei Tesla zu hoch sei – und Ziele unerreichbar. Klar ist: Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass es mit der bestehenden Struktur nicht funktioniert. Zumindest nicht so, wie Musk es sich vorstellt.

Die Produktionspläne des Model 3 hängen mittlerweile um rund ein halbes Jahr hinterher. Die Marke von 5000 Fahrzeugen pro Woche, die für Ende 2017 angepeilt war, soll im Juni endlich erreicht werden. Auch an den von Tesla veröffentlichten Produktionszahlen gab es zuletzt Kritik: Die Nachrichtenagentur Bloomberg kam in eigenen Berechnungen auf deutlich geringere Werte als die von Tesla genannten einmalig erreichten Höchstwerte.

Das Problem beim Model 3, das Tesla eigentlich zum Durchbruch auf dem Massenmarkt verhelfen sollte, ist der hohe Automatisierungsgrad. Um die Fertigung schnell skalieren und mit möglichst geringem Personalaufwand betreiben zu können, hat Tesla auf einen ungewöhnlich hohen Roboteranteil gesetzt – und mit Grohmann Automation aus der Eifel gleich seinen eigenen Zulieferer gekauft. Doch das Konzept ging nicht auf: Zuletzt hatte Elon Musk eingeräumt, ein Grund für die Produktions-Probleme sei sein aggressiver Kurs zu einer möglichst automatisierten Fertigung. Inzwischen kommen in der Fabrik wieder mehr Menschen zum Einsatz. Seitdem läuft die Produktion offenbar flüssiger – aber eben weit hinter Plan.

Für eine komplexe Fertigung individuell vom Kunden zusammengestellter Autos ist die Technik noch nicht weit genug – nicht nur bei Tesla. „Je individueller und komplexer das Produkt, desto komplexer sind die Montagefolgen“, sagte Michael Schenk, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF Magdeburg. „Eine hochflexible, automatisierte Fabrik zu bauen und zu steuern ist, wie schon beschrieben, äußerst schwierig. Ich bin fest davon überzeugt, dass das noch etwas dauern wird.“

Zu den Produktionsproblemen kommen noch mehrere Unfälle mit Tesla-Autos, die unter Anlegern und Analysten Zweifel an der Sicherheit des eingebauten Autopiloten aufkommen ließen. Die aktuellen Vorfälle gehen mit zwei weiteren Personalien einher: Andrew Schwall, der unter anderem für die Sicherheit der Tesla-Wagen zuständig war, verlässt Tesla und wird künftig für die Google-Tochter Waymo, die selbstfahrende Autos entwickelt, arbeiten. Zudem bekommt die „Autopilot“-Sparte mit Andrej Kartpathy schon wieder einen neuen Chef – den dritten in 18 Monaten.

Bei Anlegern konnte Tesla mit den Umbau-Plänen nicht Punkten. Die Nachricht kam an der Börse nicht gut an: Die Tesla-Aktie ging mit einem Minus von mehr als drei Prozent aus dem US-Börsenhandel. In den vergangenen Tagen war bereits bekanntgeworden, dass Teslas Produktionschef Doug Fields eine Auszeit nimmt und mit Matthew Schwall ein weiterer Manager zu der zum Google-Mutterkonzern Alphabet gehörenden Roboterautofirma Waymo gewechselt ist.

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