Umweltorganisation Transport & Environment Manipulationsverdacht bei anderen Herstellern erhärtet sich

Neue Zahlen der Brüsseler Umweltschutzorganisation Transport & Environment (T&E) deuten darauf hin, dass nicht nur Volkswagen zu unerlaubten Mitteln gegriffen hat, um Emissionen zu senken. Vor allem Modelle von Mercedes und BMW stehen in der Kritik.

"Das ist besser für VW"
Martin Winterkorn Quelle: AP
Wolfgang Porsche, Berthold Huber, Stephan Weil Quelle: dpa
Der Konzern stellte darüber hinaus Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Damit will der Konzern das durch die Abgasmanipulationen verlorene Vertrauen zurückgewinnen. Wörtlich heißt es in einer Erklärung des Gremiums: „Es steht nach Ansicht des Präsidiums fest, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist, die auch strafrechtlich relevant sein können.“ Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft würden vom Konzern in aller Form unterstützt. Quelle: REUTERS
Stephan Weil (SPD), Niedersachsens Ministerpräsident und Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen Quelle: dpa
Anton Hofreiter (Die Grünen) Quelle: REUTERS
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Quelle: dpa
Oliver Krischer Quelle: dpa

Seit Jahren berechnet die Brüsseler Nicht-Regierungsorganisation (NGO) Transport & Environment (T&E) den Abstand zwischen realen Emissionen und jenen, die Autos im Labortest erreichen. Aktuelles Fazit von T&E: Der Abstand sei so stark gestiegen, dass er sich bei manchen Modellen mit den bisher tolerierten Tricksereien der Hersteller nicht mehr tolerieren ließe.

Die Umweltorganisation fordert in einem am Montag veröffentlichen Bericht, Mercedes-Modelle der A-, C- und E-Klasse, der Fünfer-Serie von BMW sowie dem Peugeot 308 auf Software wie sie VW eingesetzt hat, zu untersuchen. „Martin Winterkorn wird nicht der einzige Chef eines Automobilherstellers sein, der sich für Software entschuldigen muss“, kündigt T&E-Experte Greg Archer an. „In den kommenden Monaten werden weitere Hersteller enthüllt, die solche Methoden angewandt haben, um Labortests auszutricksen.“

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Die bisherigen Tests von T&E deuten darauf hin, dass die bisher üblichen legalen Tricksereien einen Abstand von 30 Prozent zwischen realen und offiziellen Emissionen erklären können. Bei Mercedes Modelle der A-, C- und E-Klasse lag nach den T&E-Berechnungen der Abstand 2014 aber bei über 50 Prozent. Bei der 5er BMWs und dem Peugeot 308 nähert sich der Abstand 50 Prozent an. „Ein solch großer Abstand kann nicht durch die bekannte Manipulation der Testergebnisse erklärt werden und deutet auf eine andere Ursache, etwa eine Technologie, die künstlich Testergebnisse senkt“, heißt es in dem Bericht.

Der Rückblich der von der EU-Kommission finanziell unterstützten Umweltorganisation ist beeindruckend. 2001 klafften die Emissionstests und der Ausstoß unter realen Bedinungen nur geringfügig auseinander. Damals betrug der Abstand acht Prozent. Bis 2012 stieg die Lücke auf 31 Prozent. Bis 2014 verzeichneten die Experten von T&E einen sprunghaften Anstieg um neun Prozentpunkte auf 40 Prozent Differenz. Vor allem das rapide Plus in den vergangenen beiden Jahren schätzen die T&E-Experten als verdächtig ein.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Die Umweltorganisation T&E weist darauf hin, dass die fragwürdigen Methoden der Automobilhersteller nicht nur der Umwelt schaden. Im Durchschnitt gibt ein Autofahrer im Jahr 450 Euro mehr für Benzin aus, als der Hersteller ihm durch die angegebenen Verbrauchswerte suggeriert.

T&E weist darauf hin, dass in den USA Automobile sehr viel strenger getestet werden als in Europa. Die US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA) testet 15-20 Prozent der Modelle in ihren eigenen Laboren und konzentriert sich dabei auf die Modelle, für die sie besonders viele Beschwerden von Autofahrern bekommen hat. In Europa wird bei der Typen-Zulassung getestet und auf eine weitere Überprüfung von Autos verzichtet, wenn die erst einmal in Benutzung sind.

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T&E schlägt nun vor, dass in Europa die Überwachung so ausgeweitet werden sollte, dass Pkw-Modelle die angegebenen Grenzwerte tatsächlich über mindestens 100.000 Kilometer einhalten.

Besonderen Wert legen die Experten von T& E allerdings auf die Tatsache, dass Test künftig von einer unabhängigen Behörde ausgeführt werden sollten. Bisher bezahlen Hersteller Prüforganisationen, damit sie die Tests ausführen. Die Prüfer seien nicht unabhängig, moniert T&E. „Der Job des Ingenieurs, der für den Test verantwortlich ist, hängt vom nächsten Auftrag des Herstellers ab“, kritisiert T&E-Experte Archer. T&E plädiert für eine eigene europäische Behörde, die künftig die Tests abnimmt. Dann wäre die unheilsame Verbindung zwischen Prüforganisation und Hersteller gebrochen. Mit einer Gebühr von 20 Euro pro Neuwagen, so T&E, könnte sich das neue Überwachungssystem finanzieren lassen. „Hersteller sollte es nicht erlaubt sein, ihre Prüfer selbst auszusuchen“, fordert T&E.

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