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Unbeliebte US-Aufpasser Die heikle Mission des Larry Thompson bei VW

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„Es wird gemacht, was der Monitor sagt“

Bei der Commerzbank war ein Verstoß gegen Iransanktionen Auslöser für den Einsatz des Monitors. Das Institut hatte unter anderem mit einer staatlichen Reederei Geschäfte gemacht, die nach US-Erkenntnissen Massenvernichtungswaffen verschiffte. US-Bankenregulierer Benjamin Lawsky brummte der Bank im Rahmen eines Vergleichs 2015 deshalb 1,45 Milliarden Dollar Strafe auf und installierte zudem einen externen Ordnungshüter. Seit März 2016 soll der Berater von Alix Partners nun ein System aufbauen, das Verstößen auch nach US-Maßstäben ausreichend vorbeugt und ihre Aufdeckung unterstützt.

Der Druck, den der Alix-Mann ausübt, sei extrem, berichten Banker. Im Oktober legte der Kontrolleur einen ersten Bericht vor, anschließend musste die Bank binnen eines Monats sagen, wie sie die geforderten Maßnahmen umzusetzen gedenkt. „Was bleibt uns übrig? Entweder es wird gemacht, was der Monitor fordert, oder es drohen neue Probleme mit der US-Justiz“, so ein Banker.

Die Gewinner und Verlierer am deutschen Automarkt
Verlierer: VolkswagenDer Marktführer zeigt auf seinem Heimatmarkt ungewohnte Schwächen. In den ersten drei Monaten sank der VW-Absatz in Deutschland um 4,3 Prozent – und das in einem wachsenden Markt. Mit 18,4 Prozent oder rund verkauften 155.000 Fahrzeugen beherrschen die Wolfsburger weiter den Markt, büßen aber Anteile ein. Quelle: dpa
Verlierer: AudiAuch die Premiummarke aus dem VW-Konzern hat ein Problem. In den ersten drei Monaten hat sie weniger Fahrzeuge verkauft als Konkurrent Mercedes. Insgesamt wuchs der Absatz um 0,3 Prozent auf rund 75.000 Fahrzeuge und damit deutlich schwächer als der Markt. Hat weiter schwelende Dieselskandal das Vertrauen der Deutschen erschüttert? Quelle: AP
Verlierer: SmartDie Neuauflage des kleinen Stadtflitzers ist noch gar nicht so alt. Doch das Kaufinteresse der Deutschen hat schon spürbar nachgelassen. Nicht nur das Auto, auch der Absatz ist mittlerweile mickrig. Im ersten Quartal sank der er um 1,9 Prozent auf rund 7.800 Fahrzeuge. Quelle: dpa-tmn
Verlierer: HondaDie Japaner waren in Deutschland schon immer etwas schwächer als in anderen Weltregionen. Doch das erste Halbjahr war eines zum Vergessen. Um satte 25 Prozent schmierte der Honda-Absatz ab. In den ersten drei Monaten verkauften die Japaner damit rund 6.400 Fahrzeuge, was einem Marktanteil von 0,8 Prozent entspricht. Quelle: REUTERS
Verlierer: NissanWeil Bestseller vor einer Neuauflage stehen, ist den Japanern ihr Wachstum in den ersten drei Monaten abhandengekommen. Zwar legte der Absatz immer noch um 2,1 Prozent auf 19.800 Fahrzeuge zu. Doch damit ist Nissan deutlich schlechter als der Markt und verliert Antiele. Quelle: dpa
Gewinner: MercedesDer Stern glänzt wieder – auch in Deutschland. Mit rund 77.300 verkauften Fahrzeugen sind die Schwaben nicht nur der führende Premiumhersteller im Heimatmarkt, sondern konnten den Absatz um 9,2 Prozent steigern. Das reicht, um an Audi vorbeizuziehen. Quelle: dpa
Gewinner: Renault/DaciaDas französisch-rumänische Duo legt im Volumenmarkt Tempo vor. Renault verbucht ein Plus von 28,8 Prozent auf fast 32.000 verkaufte Fahrzeuge. Dacia legt um 35,2 Prozent auf rund 14.000 Fahrzeuge zu. Gemeinsam ziehen die beiden damit sogar wieder an VW-Tochter Skoda vorbei und sind damit der größte Importeur in Deutschland. Quelle: AP

Wie die aussehen können, zeigt sich beim Mannheimer Industriedienstleister Bilfinger. Schon auf der Hauptversammlung 2016 musste der damalige Finanzchef Axel Salzmann einräumen, dass „wir 2015 zur Kenntnis nehmen mussten, dass dem US-Ministerium unsere bisherigen Bemühungen nicht ausreichen“. In der Folge verlängerte das US-Justizministerium die Mission des Schweizer Rechtsanwalts Marc Livschitz um mindestens zwei Jahre bis Ende 2018.

So lange muss der Konzern mit Livschitz’ Einmischungen rechnen. Die sind durchaus gravierend. Als Bilfinger etwa zum Jahreswechsel mit dem Öl- und Gasunternehmen Petroleum Development Oman (PDO) über einen 200-Millionen-Euro-Auftrag verhandelte, tauchte Livschitz plötzlich vor Ort auf. Zwei Wochen nahm er mit seinem Team die lokale Bilfinger-Tochter Tebodin Oman unter die Lupe und befragte deren Manager.

100 Millionen für Informationstechnik

Das Nachsitzen hat auch finanzielle Folgen. Statt der bisher geplanten 50 Millionen Euro muss Bilfinger bis 2019 nun beinahe 100 Millionen Euro in die Generalüberholung des internen Überwachungssystems investieren. Insider berichten, dass Monitore für sich und ihre bisweilen 50-köpfigen Teams locker zweistellige Millionenbeträge im Jahr kassieren. Winfried Huck, Professor für internationales Wirtschaftsrecht an der Brunswick European Law School, kritisiert deshalb, dass die Unterwerfung der Unternehmen unter das US-Recht „zulasten der Aktionäre geht“.

Doch sie scheint alternativlos. Entsprechend hoch ist die Nervosität auch bei VW, in der Zentrale in Wolfsburg und an den Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm. Der Konzern bereitet sich darauf vor, es dem Mann aus Amerika möglichst recht zu machen. VW hat mehrere Dutzend Mitarbeiter als ständige Ansprechpartner bestimmt und sich Gedanken dazu gemacht, welche Werksausweise die Thompson-Leute bekommen. VW hat auch geprüft, ob in Wolfsburg amerikanische Tastaturen ohne Umlaute vorhanden sind. Die Belegschaft solle Thompson mit „offenen Armen“ empfangen, rät Betriebsratschef Osterloh. Im Intranet erklärt VW die Arbeit des Monitors.

Der 71-jährige Thompson ist ein äußerst erfahrener Ermittler, er war schon bei der Pleite des Energiekonzerns Enron, der Lewinsky-Affäre von Bill Clinton und beim Skandal um die Fifa aktiv. Unter George W. Bush war er Generalstaatsanwalt. Wo er in Wolfsburg Quartier bezieht, ist noch offen. Vermutlich werde er im fünfgeschossigen Bürohaus BT10 einziehen, heißt es in Wolfsburg, in dem das Topmanagement des Konzerns seinen Sitz hat. Möglicherweise werde er aber auch das frisch sanierte Volkswagen-Hochhaus vorziehen, das das Management der Marke VW beherbergt. Das wird sich Thompson ebenso intensiv vorknöpfen wie das Audi-Management in Ingolstadt.

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