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US-Batteriehersteller Ist die Pleite von A123 Systems der Anfang vom Ende der E-Mobilität?

Der US-Batteriehersteller A123 ist pleite und damit einer der großen Anbieter auf dem zukunftsträchtigen Markt der Stromspeicher für Elektroautos. Skeptiker der Elektromobilität sehen darin den Anfang vom Ende der gesamten Elektromobilität. Aber diese Einschätzung geht an der Realität vorbei.

Die beliebtesten E-Autos der Welt
FankreichFrankreichs Autobauer setzen voll auf Elektromobilität. Doch das E-Auto, das sich in der Grande Nation am besten verkauft, ist kein Renault, kein Peugeot und kein Citroen. Platz 1 geht an das Modell Bluecar des französischen Mischkonzerns Bolloré. Es wurde im ersten Quartal über 700 Mal abgesetzt. Insgesamt wurden schon über 1800 Bluecars in Frankreich zugelassen – die meisten jedoch nicht durch Privatkunden, sondern den Pariser Car-Sharing-Anbieter Autolib. Französische Privatkunden können das Bluecar ab Juni für 330 Euro pro Monat leasen – bei Fahrtkosten von 1,50 Euro pro 100 Kilometer kein schlechter Deal. Quelle: dapd
In Japan führt ein alter Bekannter das E-Auto-Ranking an: Der Nissan Leaf. Unter den Elektro-Großserienfahrzeugen der ersten Stunde gehört es zu den besten und erfolgreichsten. 2011 wurden wegen des Erdbebens in Japan nur 20.000 Stück gebaut, in diesem Jahr strebt Nissan 40.000 an. Im Heimatmarkt wurden im ersten Quartal knapp 2800 Leaf abgesetzt. Quelle: dapd
USAIn Frankreich ist ein französisches Modell top, in Japan ein japanisches – und in USA ein amerikanisches. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Industriepolitik. Die Länder fördern den Verkauf heimischer E-Autos mit Kaufprämien von einigen tausend Euro. So landet in den USA der Chevrolet Volt ganz oben auf dem Treppchen mit über 3700 neu zugelassenen Fahrzeugen im ersten Quartal. Weltweit wurde das E-Auto, das auch über einen benzinbetriebenen Zusatzmotor verfügt, schon 23.000 Mal verkauft. In Deutschland ist das fast baugleiche Auto auch als Opel Ampera zu haben. Quelle: dapd
China hat große Pläne mit dem Elektroantrieb. Weil der Rückstand gegenüber den großen Autonationen bei herkömmlichen Antrieben nicht aufzuholen ist, will China mit E-Autos angreifen. Doch das in der DDR erfundene Manöver „Überholen ohne Einzuholen“ (Walter Ulbricht) gestaltet sich schwieriger als gedacht. Technische Probleme werfen die chinesischen Autobauer immer wieder zurück, was sich auch an den Zulassungszahlen ablesen lässt. Im ersten Quartal war das Modell A-Class von Jianghuai Automobile Co (JAC) das meistverkaufte E-Auto – mit ganzen 213 Fahrzeugen. Quelle: AP
DeutschlandDie deutschen Kunden gehen das Thema E-Auto pragmatisch an. Platz 1 im ersten Quartal geht an den elektrischen Renault Kangoo. Für Gewerbe, die für einen begrenzten Radius einen Transporter brauchen und unter hohen Benzin-Rechnungen leiden, ist die E-Version des Kangoo eine echte Alternative. Bei 20.000 Euro Kaufpreis zuzüglich einer monatlichen Batteriemiete von 72 Euro (zzgl. MwSt) kann sich das Fahrzeug durchaus rechnen. Das dachten sich wohl auch die 280 Käufer, die im ersten Quartal zugriffen. Den eher klassischen Autokäufer darf man dagegen hinter dem zweitplatzierten Modell vermuten,… Quelle: REUTERS
…dem Opel Ampera. Der technische Zwillingsbruder des Chevrolet Volt wurde im ersten Quartal 250 Mal abgesetzt. Das ist nur gut ein Prozent der weltweit verkauften Volts und Amperas. Am Produkt selbst kann das geringe Interesse in Deutschland nicht liegen, denn der Ampera ist ein Auto, das die meisten Alltagsstrecken (bis 80 Kilometer) elektrisch und kostengünstig schafft, dank des zusätzlichen Benzinmotors aber auch alle Vorzüge eines herkömmlichen Autos der Golf-Klasse hat. Was die Kunden abschreckt, ist wohl eher der Anschaffungspreis (43.000 Euro) und die Frage, wie viel so ein Auto nach ein paar Jahren noch Wert ist. Quelle: dpa
Mit mageren 110 Autos liegt der Renault Fluence auf Platz 3 hierzulande. Auch hier muss man sich die Kunden als preisbewusste Pragmatiker vorstellen, denn der Fluence hat Passat-Größe und kostet dennoch nur 26.000 Euro plus 82 Euro monatliche Batteriemiete. Noch günstiger und mit frischer Cabrio-Brise kann man in einem anderen elektrischen Gefährt reisen,… Quelle: Presse

Eine kleine Sensation war die Meldung schon: Der US-Batteriehersteller A 123 ist pleite. Seit 2009 hat der Pionier für Stromspeicher für Elektroautos fast 860 Millionen Dollar Miese angehäuft, zuletzt fehlte das Geld, um die fälligen Zinsen für Anleihen zu zahlen. A 123 ist nicht irgendwer: Das Unternehmen aus Massachusetts beliefert General Motors und die Automanufaktur Fisker Automotive, die in kleiner Stückzahl und für großes Geld Luxuskarossen mit E-Antrieb baut.
A 123 gehört außerdem zu den Batterielieferanten, auf die Experten bisher besonders große Hoffnungen gesetzt hatten: Das Unternehmen zählt neben AESC, LG Chem, Panasonic Sanyo und GS Yuasa zur Gruppe jener fünf Herstellern weltweit, die das Beratungsunternehmen Roland Berger in seiner gerade aktualisierten Batteriemarktstudie künftig ganz von sieht. Berger schätzt, dass A123 im Jahr 2015 rund 11 Prozent aller weltweit eingebauten Elektroauto-Batterien liefern wird.

Mein Auto heißt Miev
Nissan Leaf Quelle: Pressebild
Peugeot iOn Quelle: REUTERS
Chevrolet Volt Quelle: REUTERS
 BMW i3 Quelle: dpa
Opel Ampera Quelle: dpa
 e-Wolf Delta-1 Quelle: Pressebild
Audi e-tron Quelle: AP

Was die Optimisten in Sachen E-Mobilität erschreckt und deren Skeptiker bestätigt: A 123 ist nicht der erste Problemfall im weltweiten Batteriemarkt. Erst vor wenigen Monaten hatten Bosch und Samsung das Ende ihres vor ziemlich genau zwei Jahren gestarteten Joint Ventures SB LiMotive verkündet. Und weil der Verkauf von Elektroautos weder in den USA noch in Europa annähernd die eigentlich angestrebten Zahlen erreicht, stimmen einige nun schon den endgültigen Abgesang auf die mit Strom getriebenen Autos an.
Wohl etwas vorschnell. Denn die Pleite von A 123 ist nicht die Folge einer Strukturkrise der Elektroautobranche insgesamt – zumindest nicht nur. Die Pleite ist wohl eher hausgemacht: Ausgerechnet der prestigeträchtige Fisker-Auftrag dürfte mit ein Grund für die finanzielle Schieflage sein: Wegen der Lieferung fehlerhafter Batterien an Fisker musste A 123 im März eine teure Austauschaktion starten, das brachte dem Hersteller allein im ersten Halbjahr 2012 rund 200 Millionen Dollar Miese.

Die Autobauer mit den innovativsten Antriebstechnologien
A Lexus hybrid engine Quelle: dpa
A model's leg hangs out of a Fiat Oubo at the Paris Motor Show Quelle: dpa
People visit the Renault showcase on media day at the Paris Mondial de l'Automobile Quelle: REUTERS
Minister for Industrial Recovery Arnaud Montebourg (C) and Chief Executive of French carmaker PSA Peugeot Citroen Philippe Varin (R), visit "La Francaise de Mecanique" Quelle: REUTERS
A worker cleans a Toyota Yaris car at the Wuhan Motor Show, Hubei province, Quelle: REUTERS
A Hyundai logo is seen on a Hyundai BlueOn electric car Quelle: REUTERS
The 2012 Ford Escape Quelle: dapd

Hinzu kommt: Dass Anbieter ausscheiden, ist im globalen Wettbewerb nicht ungewöhnlich. Erst recht in Branchen, die technologisches Neuland bestreiten, denn der Forschungs- und Entwicklungsaufwand ist riesig und muss auf Jahre vorfinanziert werden, bevor erste Gewinne fließen. Die schon erwähnte Roland-Berger-Studie schätzt, dass das weltweite Marktvolumen für Lithium-Ionen-Akkus für Personenwagen von heute 1,5 Milliarden bis zum Jahr 2015 auf rund 9 Milliarden Dollar wächst. Berger geht aber auch davon aus, dass auf Anbieterseite eine Konsolidierung bevorsteht.
Genau das dürfte nun auch mit A 123 passieren, denn der Hersteller verschwindet nicht vom Markt. Übernommen wird das Unternehmen vermutlich vom US-Autozulieferer Johnson Controls, falls die sich das noch anders überlegen, könnte aber auch die chinesische Wanxiang Gruppe noch zum Zuge kommen. Interesse ist vorhanden: Erst im August hatten die Chinesen angekündigt, 450 Millionen Dollar in A 123 zu investieren. Dass der Markt für Elektroautos ein Zukunftsmarkt bleibt, auch wenn die Entwicklung im Moment etwas stoppt, ist unter den großen Herstellern und Zulieferern sowieso nicht strittig. Gerade erst der deutsche Zulieferer Continental ein Joint Venture mit dem koreanischen Zelllieferanten SKI gestartet.
Fazit: Ein Grund zum Abgesang auf die Elektromobilität ist die A 123-Pleite nicht. Eher ein ganz normaler Vorgang.

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