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US-Umweltbehörde EPA sieht bei VW weiter „große Compliance-Defizite“

Exklusiv
VW-Logo und US-Flagge Quelle: dpa

Die US-Umweltbehörde EPA, die den Diesel-Abgasskandal ins Rollen brachte, verschärft die Abgaskontrollen. Ermittler Grundler stellt nur BMW einen Persilschein aus – bei anderen deutschen Autobauern ist er skeptisch.

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Christopher Grundler, Direktor der Abteilung Transport und Emissionen bei der obersten amerikanischen Umweltbehörde EPA, kann auch unter der Trump-Administration die weltweite Autoindustrie ohne Einschränkungen kontrollieren. Das sagte er im Interview mit dem Handelsblatt und der WirtschaftsWoche. Es war sein erstes Interview seit US-Präsident Donald Trump im Amt ist. „Die Mission der EPA hat sich nicht geändert“, so Grundler: „Der Administrator (EPA-Chef Scott Pruitt) steht 110 Prozent hinter uns. Wir können unsere Arbeit ohne Angst, ohne falsche Rücksichtnahmen und ohne Einmischung der Politik“ machen.“

Die EPA und die kalifornische Umweltbehörde CARB haben 2015 den Abgasskandal bei Volkswagen aufgedeckt. Trump ernannte 2017 den langjährigen EPA-Kritiker Scott Pruitt zum Chef der EPA. Pruitt hat angekündigt, Umweltvorschriften unter anderem auch im Bereich der Autoindustrie zu lockern.

Grundler hat seine Kontrollen zuletzt sogar ausgeweitet: „In den zurückliegenden 18 Monaten haben wir Mitarbeiter nach Schweden, Deutschland, Italien, Japan und Korea zu Überprüfungen von Autoherstellern entsandt. Wir gingen in die Fabriken um Motoren und Fahrzeuge zu testen. Wir haben überprüft, ob die Neuwagen, die in die USA exportiert werden, die dort gültigen Vorschriften einhalten.“ Grundler hat für mehrere Millionen Dollar neue Messtechnik für das Testlabor der EPA angeschafft und neue Messmethoden entwickelt, die er vor den Autoherstellern geheim hält. So will er verhindern, dass sie, wie im Fall VW, Methoden entwickeln, um die Tester zu betrügen: „Unsere Antwort auf den VW-Fall ist es, unberechenbar zu sein.“

Um die Schlagkraft der weltweiten Aufsichtsbehörden zu erhöhen, treibt Grundler die Vernetzung der Behörden voran: Er habe „strategische Partnerschaften“ mit Behörden in Kalifornien und Kanada vereinbart. Zudem organisierte er seit 2016 vier Treffen von Vertretern europäischer, asiatischer und amerikanischer Aufsichtsbehörden, bei denen sich die Aufseher über Fahrzeuge, Testmethoden und Manipulationsversuche der Hersteller austauschten: „Die Treffen waren sehr produktiv“, sagt Grundler. „Wir werden ein fünftes Treffen in Großbritannien haben.“

Grundler will die Autohersteller grundsätzlich zu mehr Gesetzestreue erziehen: „Ich möchte eine Kampagne für eine bessere Unternehmenskultur“, sagt Grundler. Wir von der EPA besuchen jeden Hersteller im Durchschnitt alle zwei Jahre für mehrere Tage, um mehr über ihre Pläne im Bereich der technischen Entwicklung zu erfahren. Ich möchte bei diesen Besuchen künftig auf über Compliance reden: Was sind Eure Werte? Was Eure Kontrollen? Erfüllt Ihr gerade so das Gesetz oder macht Ihr die Autos so sauber wie möglich? Ich will, dass die Firmen darüber nachdenken.“

Grundler bestätigte im Interview Ermittlungen seiner Behörden gegen Daimler: „Wir sind in andauernden Gesprächen mit Mercedes.“ Mehr könne er im Hinblick auf das laufende Verfahren nicht sagen. BMW dagegen stellte Grundler für die in USA verkauften Modelle einen Persilschein aus: „Wir haben alle Produkte sehr gründlich untersucht und keine illegale Technik gefunden.“ Grundler betonte aber, dass er sich grundsätzlich auf US-Modelle beziehe: „In Europa ist die Lage sehr unterschiedlich.“

Volkswagen bescheinigte Grundler unverändert große Defizite in der Firmenkultur. Der von den US-Behörden nach Wolfsburg entsandte Aufseher Larry Thompson, mit dem er sich regelmäßig austausche, sei „überhaupt nicht zufrieden“ mit Volkswagen. „Die VW-Geschichte ist nicht vorbei – nicht für VW und nicht für die EPA“, so Grundler. „Für die EPA zählt Compliance, bei der der Geist von Gesetzen respektiert wird und es nicht nur um die Buchstaben des Gesetzes geht. Ich will unbedingt von VW hören, was ihre Anstrengungen diesbezüglich sind und wie sie sicherstellen, dass so etwas (wie er Diesel-Skandal) nie wieder passiert.“

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