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Uwe Hück Der streitlustige Betriebsrats-Boss

Porsche: Betriebsratschef Uwe Hück verlässt den Konzern Quelle: dpa

Als Lackierer hatte Uwe Hück bei Porsche begonnen. Zuletzt saß er dank des Betriebsratsmandats im Aufsichtsrat der Porsche AG. Der langjährige Betriebsratschef gilt als streitlustig und als bei der Belegschaft beliebt.

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Eigentlich wollte Uwe Hück nur zwei Jahre bei Porsche bleiben, sagt er. Dann sei ihm ein Vorgesetzter quer gekommen - „Und ich hab gesagt, das geht gar nicht!“, erinnert sich der scheidende Porsche-Gesamtbetriebsratschef am Montag. „Und damals haben alle gesagt, Du musst Betriebsrat werden.“ Also hängte er seine Profikarriere als Thai-Boxer an den Nagel und blieb 35 Jahre.

Seine Schlagkraft hat der 56-Jährige allerdings nicht eingebüßt. Das dürfte jedem klar sein, der ihn als Einpeitscher bei IG-Metall-Kundgebungen erlebt hat. „Ich reg mich auf“ murmelte er 2016 vor den Werkstoren gebetsmühlenartig ins Megafon, wie um sich vor einem Boxkampf aufzuputschen, bevor er die Bühne erklomm. Hück ist für seine flammenden Reden berühmt-berüchtigt. „Ich verwende eine Sprache, die das Volk versteht“, sagte er selbst einmal über sich.

Damit will er nun in Pforzheim mit einer eigenen Liste bei der Kommunalwahl antreten. Hück lebt nach eigenen Worten erst seit Anfang Januar in Pforzheim, hat dort aber schon 2013 seine „Lernstiftung“ ins Leben gerufen, die benachteiligten Jugendlichen helfen soll. Der 56-Jährige ist selbst als Waisenkind in Heimen aufgewachsen. Für sein soziales Engagement erhielt er 2017 das Bundesverdienstkreuz.

Hück ist SPD-Mitglied, auch wenn er in den vergangenen Jahren mit seiner Partei immer härter ins Gericht ging. 2008 hatte SPD-Chef Kurt Beck ihn noch in sein Team für den Bundestagswahlkampf geholt.

So lautstark er auftrat als Arbeitnehmer-Sprachrohr, war er doch selten ernsthaft über Kreuz mit dem Management. Zum langjährigen Firmenchef Wendelin Wiedeking führte er zum Beispiel ein enges Verhältnis.

Begonnen hat Hück als Lackierer bei Porsche, zuletzt saß er dank seines Betriebsratsmandats im Aufsichtsrat der Porsche AG und bei Volkswagen. Zu seinen Verdiensten gehört unter anderem, dass er die Eigenständigkeit von Porsche nach der VW-Übernahme erhalten konnte, und auch der Ausbau der Produktion am Standort in Stuttgart-Zuffenhausen, wo künftig das neue E-Modell gefertigt werden soll. Kritiker werfen ihm wegen seiner markigen Sätze Populismus vor. Bei der Belegschaft war Hück als Betriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratschef durchaus beliebt. Ihnen versprach er, in den nächsten Tagen noch eine Abschiedsrunde zu geben.

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