Valeo-Chef Aschenbroich "Mit Übernahmen zerstört sich ein Unternehmen selbst"

Der französische Autozulieferer Valeo hat ambitionierte Pläne: Jedes Jahr will er um acht Prozent wachsen. Im Interview erklärt Valeo-Chef Jacques Aschenbroich, wie der Angriff auf Bosch und Continental gelingen soll.

Valeo-Chef Aschenbroich:

Monsieur Aschenbroich, wie viel Aufträge schnappen Sie ihren deutschen Konkurrenten Bosch oder Continental jedes Jahr weg?
Wir sind gegenüber den deutschen Konkurrenten sehr gut aufgestellt, ja sogar, wenn man so will, ein großes deutsches Unternehmen. 30 Prozent unserer Aufträge kommen von deutschen Kunden. In der Vergangenheit konnten wir unseren Konkurrenten in Europa nur marginal Marktanteile abnehmen. Das hat sich geändert. Was uns hat wachsen lassen, waren die neuen Produkte rund um das autonome Fahren und die Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Wo sind Sie den Deutschen voraus?
Die deutschen Wettbewerber sind technologisch wirklich stark, aber in vielen Bereichen, wie zum Beispiel der Fahrassistenz, sind wir weltweit die Nummer eins. Da fahren uns die deutschen Wettbewerber hinterher.

Zur Person

Sie wollen den Umsatz von zuletzt knapp 13 Milliarden Euro bis 2020 auf 20 Milliarden steigern, glauben aber nicht, dass Sie dadurch den Anteil des Geschäfts mit deutschen Autoherstellern steigern können. Gibt es in Deutschland für Valeo nicht mehr zu holen?
Wir wollen jedes Jahr acht Prozent wachsen, das scheint mir sehr realistisch. 2014 lag unser Auftragseingang bei 17,5 Milliarden Euro. Das ist doppelt so viel wie vor der Finanzkrise. Die deutsche Kundschaft wird nach unserer Planung 2020 noch immer ein Drittel des Geschäfts ausmachen. Wir gehen also auch hier von einem jährlich Wachstum von acht Prozent aus.

Wollen Sie dazu andere Zulieferer, etwa in Deutschland, übernehmen?
Wir wollen hauptsächlich organisch wachsen. Ein Unternehmen, das nicht aus sich selbst heraus wächst, zerstört sich selbst. Wenn wir durch Übernahmen wachsen, dann über unsere Ziele hinaus. Wir sind zwar grundsätzlich bereit für Akquisitionen, aber sie müssen wirtschaftlich sinnvoll sein und uns eine Führungsposition verschaffen sowie rentabel sein. Nötig haben wir sie aktuell nicht. Wenn sich die Gelegenheit bietet, könnten wir ein fünftes Geschäftsfeld dazukaufen.

Die größten deutschen Autozulieferer

Könnten Sie sich umgekehrt vorstellen, dass jemand ein Interesse daran haben könnte, Valeo zu kaufen?
Das fragen Sie mich? Nun ja. Ich denke wir haben Investoren, die den ganzen Weg mit uns gehen wollen. In den vergangenen Jahren haben wir uns beeindruckend entwickelt. Seit 2007 haben wir den Firmenwert auf aktuell 11,24 Milliarden Euro verfünffacht. Jedes Jahr haben wir uns an der Börse besser entwickelt als alle anderen Unternehmen im französischen Aktienindex CAC 40. Und wir sind schneller gewachsen als die europäische oder amerikanische Autoindustrie. Ich glaube, unsere Investoren haben Vertrauen in uns.

Wäre Valeo zu teuer für einen neuen Eigentümer?
Valeo kann sich an der Börse noch sehr viel weiter entwickeln, wenn neue Investoren deshalb in Valeo investieren wollen, sind sie willkommen.

Mit dem hessischen Spezialisten Peiker für Kommunikationssysteme, dem Fahrassistenz-Experten Mobileye aus Israel und dem französischen Rüstungsunternehmen Safran haben Sie wichtige Partner gefunden, um neue Technologien für das Auto der Zukunft zu entwickeln. Suchen Sie weitere?
Für mich sind zwei Dinge entscheidend: Innovation und Entwicklungsgeschwindigkeit. Für Innovationen braucht man die notwendigen Technologien. Die kann man selbst entwickeln. Partner können helfen, die Geschwindigkeit zu erhöhen. Gibt es Gelegenheit, solche Partner zu finden, die uns dabei helfen? Vielleicht. Die wichtigsten Technologiefelder deckt Valeo bereits ab.

Können Sie sich vorstellen, mit dem amerikanischen Smartphone-Hersteller Apple zu kooperieren, wenn dieser nach dem iPhone nun vielleicht ein iCar entwickelt?
Ich habe wirklich keine Ahnung, was Apple plant. Ich kann nur sagen, wenn ein neuer Spieler auftaucht wie der amerikanische Elektroautohersteller Tesla, dann arbeiten wir auch mit diesem zusammen.

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