Verband der Automobilindustrie Deutsche kaufen wieder mehr Autos

Immer mehr Bundesbürger haben Arbeit, Kredite sind billig. Einige kaufen deshalb ein neues Auto - aber längst nicht jeder. Für die deutschen Hersteller wird immer klarer: Wachsen müssen sie anderswo.

VW-Arbeiter an einer Montagelinie in Wolfsburg. Quelle: AP

Nach zwei Minus-Jahren haben die Deutschen 2014 wieder mehr neue Autos gekauft. 3,04 Millionen Pkw wurden neu zugelassen, wie der Verband der Automobilindustrie am Montag in Berlin nach vorläufigen Zahlen mitteilte. Der Zuwachs lag bei drei Prozent.

Verglichen mit früheren Jahren wurden den Autohäusern aber nicht gerade die Türen eingerannt: Seit der Wiedervereinigung kauften die Bundesbürger nur 2013 und 2010 weniger Neuwagen als im vergangenen Jahr.

„Das Ergebnis des Autojahres 2014 ist etwas besser als erwartet, aber ein Grund zum Jubeln ist es nicht“, sagte Branchenpräsident Matthias Wissmann. Angesichts der guten Wirtschaftslage hätte er sich mehr Nachfrage von Privatleuten erhofft. Wissmann verwies auf die „vergleichsweise ordentlichen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen“.

Diese Autos bieten die meiste Power fürs Geld
Platz 10: VW Tiguan 2.0 TSIViel Leistung unter der Haube gehört zum Pflichtprogramm für jeden sportlichen Fahrer. Das Neuwagenportal meinauto.de hat zusammengestellt, wie viel Euro pro PS Neuwagenkäufer zahlen müssen. Dazu haben die Experten segmentübergreifend beliebte Modelle ab 200 PS anhand ihrer Leistungsdaten und Preise verglichen. Offenbar unbeliebt ist der Chevrolet Camaro, der mit Preisen von weniger als 40.000 Euro und 438 PS Leistung weit vorne stehen müsste – er taucht aber weder in der Zulassungsstatistik noch in der meinauto.de-Liste auf. Zweifelsohne beliebt in Deutschland ist der VW Tiguan. Mit seinem 211 PS starken 2.0 TSI-Motor wird er vor allem durch den Rabatt im Internet interessant: Im Netz wird der Tiguan mit 26.089 Euro ganze 25 Prozent unter dem Listenpreis gehandelt. Damit kommt er auf 123,64 Euro pro PS – und nur dieser Wert zählt in diesem Ranking. Quelle: Volkswagen
Platz 9: Ford Mondeo 2.0 EcoBoost36.150 Euro verlangt Ford für seine Mittelklasse-Limousine Mondeo mit dem 239 PS starken Benzinmotor. Meinauto.de listet den Ford allerdings mit einem Internetpreis von nur 29.205 Euro. Dieser Preisnachlass von rund 7.000 Euro hilft natürlich auch dem hier bewerteten Preis pro PS auf die Sprünge. So kostet beim Mondeo jede Pferdestärke 122,20 Euro – das macht Rang neun. Quelle: Ford
Platz 8: Skoda Octavia RSLimousinen mit etwa 200 PS Leistung haben natürlich auch die deutschen Hersteller im Angebot. Doch BMW 328i, Mercedes C250 und Audi A4 2.0 TSI kosten im Listenpreis allesamt über 40.000 Euro – was natürlich den Preis pro PS verhagelt. Zumindest im Vergleich mit dem Skoda Octavia RS. Dieser wird bei einem Listenpreis von 30.130 Euro im Internet für 25.083 Euro gehandelt. Bei einer Leistung von 220 PS kommt die Sportlimousine aus Tschechien auf 114,01 Euro pro PS. Quelle: Skoda
Platz 7: Opel Astra OPCMit einem Internetpreis von 28.861 Euro (Listenpreis: 35.440 Euro) ist der Opel Astra OPC einige tausend Euro teurer als der Octavia RS. Da die Opel-Ingenieure allerdings 280 PS aus dem Turbomotor holen, macht der sportliche Rüsselsheimer den Preisnachteil mehr als wieder wett: Bei ihm kostet ein PS 103,07 Euro. Die 280 PS starke OPC-Variante ist beim Astra übrigens nur für den Dreitürer namens GTC erhältlich. Quelle: Opel
Platz 6: VW Golf GTINicht nur unter VW-Fans steht das Kürzel GTI für ein bezahlbares Auto für sportlich ambitionierte Fahrer. Der Listenpreis von 28.675 Euro lässt sich mit unzähligen Extras zwar auf über 40.000 Euro schrauben – wo man das mit dem bezahlbaren Auto wieder infrage stellen könnte –, doch darum geht es an dieser Stelle nicht. Mit einer Leistung von 220 PS und einem rabattierten Internetpreis von 22.005 Euro ist die Rechnung beim GTI aber denkbar einfach: Pro PS muss der Kunde hier 100,02 Euro zahlen. Quelle: Volkswagen
Platz 5: Renault Clio RSAb sofort kostet jedes PS weniger als 100 Euro. Den Anfang macht hier ein Kleinwagen. Richtig gelesen – selbst Kleinwagen spielen heute in der 200-PS-Liga mit. Der Renault Clio RS bringt es exakt auf diese 200 PS. Und da er im Internet nur 18.967 Euro kostet (Listenpreis: 22.990 Euro), kommt der kleine Franzose auf 94,83 Euro pro PS. Quelle: Renault
Platz 4: Nissan 370ZDer Nissan 370Z ist tatsächlich der einzige waschechte Sportwagen in den Top Ten. Alle anderen Modelle sind PS-starke Ableger von Klein- oder Kompaktwagen – im Falle des Tiguan ist sogar ein SUV dabei. Beim 370Z gibt es im Internet statt der sonst fast üblichen 20 nur 7 Prozent Nachlass, mit einem Listenpreis von 33.150 Euro gehört er aber auch so zu den günstigsten Sportwagen überhaupt. Nimmt man den Internetpreis von 30.581 Euro und die Leistung von 328 PS, kommt der Nissan auf 93,23 Euro pro PS. Der getunte 370Z Nismo bringt es zwar auf 344 PS, der happige Aufpreis treibt den Preis pro PS allerdings in die Höhe. Quelle: Nissan
Platz 3: Peugeot 208 GTiWie sein französischer Kleinwagen-Konkurrent Clio RS leistet der Peugeot 208 GTi exakt 200 PS. Beim Listenpreis von 23.300 Euro liegt der GTi zwar knapp über dem Clio, beim Internetpreis kann der Peugeot gegen den Peugeot punkten: Den GTi gibt es für 18.390 Euro, der RS kostet wie bereits erwähnt 18.967 Euro. Bei derselben Leistung kann sich dann der Peugeot durchsetzen, bei ihm kostet jede Pferdestärke 91,95 Euro. Quelle: Peugeot
Platz 2: Seat Leon Cupra 265Sucht man ein Auto mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, lohnt sich meist ein Blick zu den VW-Zweitmarken. So auch bei den sportlichen und leistungsstarken Kompaktwagen: Im Internet kostet der Seat Leon Cupra 265 mit – man ahnt es bei der Modellbezeichung – 265 PS 23.267 Euro . Das sind 7.763 Euro unter dem Listenpreis. Jedes PS kostet damit nur noch 87,42 Euro. Den Leon Cupra gibt es auch mit 280 PS, doch hier gilt dasselbe wie beim 370Z Nismo: Der Aufpreis frisst die minimale Mehrleistung wieder auf. Quelle: Seat
Platz 1: Kia pro_cee'd GTDie meiste Power fürs Geld bietet ein Kia. Dem pro_cee'd GT reichen gerade einmal 204 PS zum Sieg, sein großer Vorteil ist der Preis: Mit einem Listenpreis von 23.190 Euro liegt er auf dem Niveau der französischen Kleinwagen. Der Nachlass von 23,54 Prozent drückt den Internetpreis auf gerade einmal 17.731 Euro. Damit ist der Kia nicht nur der günstigste Wagen in den Top Ten, sondern auch der mit dem besten Preis-(Motor-)Leistungs-Verhältnis: Jedes PS kostet gerade einmal 86,91 Euro. Quelle: Kia

2014 hatten so viele Bundesbürger einen Arbeitsplatz wie nie zuvor, zudem waren die Zinsen historisch niedrig. Der Anteil der Privatkäufer auf dem deutschen Automarkt sank unterdessen von 37,9 Prozent im Vorjahr auf 36,3 Prozent.

Auch dem Gebrauchtwagenmarkt dürfte das günstige Umfeld voraussichtlich wenig genützt haben. Bis Ende November lag die Zahl der Besitzumschreibungen gut mit 6,5 Millionen knapp unter dem Vorjahreszeitraum. Das Kraftfahrtbundesamt will am Mittwoch die neuesten Zahlen vorlegen.

Die deutschen Autokonzerne wollen 2015 dennoch erstmals mehr als 15 Millionen Wagen bauen. Als Wachstumsmärkte haben sie aber längst Länder wie die USA und China identifiziert, wo der Autoabsatz bis November um vier beziehungsweise acht Prozent wuchs. 5,6 Millionen Autos haben die deutschen Konzerne 2014 in Deutschland zusammengebaut, drei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten hierzulande wuchs ebenfalls um drei Prozent auf 784.000.

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Wer im vergangenen Jahr ein neues Auto kaufte, hatte nach einer Studie in den meisten Fällen danach mehr PS unter der Haube als zuvor. Durchschnittlich fuhren neue Autos in Deutschland mit 140 PS Motorleistung und waren damit so stark wie nie, wie Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen errechnete. Zehn Jahre zuvor waren es demnach noch 121 PS.

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