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Vertraulicher Kripo-Bericht Wie Audi im Abgasskandal VW hinters Licht geführt haben soll

Dieselskandal: Audi soll VW die Schummelsoftware untergejubelt haben. Quelle: imago

Die von Audi und Bosch programmierte Betrugssoftware soll zunächst ohne Wissen von VW in dessen Fahrzeuge gelangt sein. Erst später habe ein VW-Entwickler die Software entdeckt, so ein Bericht der Kriminalpolizei.

Die Manipulationssoftware, die bei Volkswagen 2015 den Abgasskandal auslöste, soll zunächst ohne Wissen von Volkswagen in Fahrzeuge der Marke VW gelangt sein. Die Volkswagen-Tochter Audi lieferte ab 2005 Diesel-Technik an VW, soll dabei aber die von ihr und dem Autozulieferer Bosch programmierte Betrugssoftware in der Motorsteuerung verheimlicht haben.

Erst ein Jahr später habe ein VW-Entwickler die Software mit dem Tarnnamen „Akustikfunktion“ entdeckt und einen Bosch-Entwickler damit konfrontiert, so ein Bericht der Kriminalpolizei, den die WirtschaftsWoche einsehen konnte. „Sinngemäß“, so gab ein Zeuge bei der Kriminalpolizei zu Protokoll, habe der VW-Entwickler gefragt: „Was ist das eigentlich für ein Schweinkram hier.“

Dies geht aus dem Abschlussbericht des niedersächsischen Landeskriminalamtes zur Rolle von Bosch im Abgasskandal hervor. Der 54-seitige Bericht vom November 2017 schildert detailliert, wie die Betrugssoftware offenbar bereits im Jahr 1999 entwickelt, dann bei Audi-Modellen eingesetzt wurde und schließlich den Weg in VW-Modelle fand.

1999 sei die Verwendung der von Audi erfundenen „Akustikfunktion“ seitens Bosch „noch abgelehnt“ worden, berichtete ein Zeuge den Kriminalbeamten. Seit 2002 sei „die Software jedoch im Motorsteuergerät von Bosch enthalten gewesen“. Audi habe „großen Wert darauf gelegt“, so berichtete ein anderer Zeuge, „dass die Software, die an VW gehe, diese Funktion nicht sichtbar enthalte.“ Bosch habe deshalb in der Beschreibung der Software auf eine Erwähnung der Akustikfunktion verzichtet. Außerdem soll es die Anweisung bei Bosch gegeben haben, den Mail-Verteiler zu diesem Thema „klein zu halten“ und „keine weiteren Auskünfte an VW“ zu geben.

Doch diese Verschleierungstaktik funktionierte nur einige Monate. Zwei Entwickler bei Volkswagen entdeckten im Frühjahr 2006 offenbar getrennt voneinander das verbotene Programm, was zu der Frage nach dem „Schweinkram“ führte. Die Akustikfunktion, so berichtete ein VW-Manager später den Ermittlern, sei „sehr versteckt“ gewesen „in einer Ecke“ des komplexen Motorsteuerprogramms. Er habe mit VW-Kollegen darüber diskutiert, „um was für eine Funktion es sich überhaupt handle, die da von Audi gekommen war“, so zitiert ihn der Kripo-Bericht.

VW wusste den „Schweinkram“ dann aber offenbar zu schätzen. Bereits ab dem Jahr 2006, so erzählte ein Zeuge den Ermittlern, sei auch für VW die „Software mit dem Ziel entwickelt“ worden, „zu betrügen“ und „die Behörden zu täuschen“. Bosch, Volkswagen und Audi wollten sich mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht zu den Vorgängen äußern.

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