Volkswagen-Abgasaffäre "Manipulieren und Volkswagen, das darf nie wieder vorkommen"

VW-Chef Martin Winterkorn hat sich in einem Video-Statement für die Abgas-Manipulationen in den USA entschuldigt und um Zeit zur Aufklärung der Affäre gebeten. Wie ein Markenexperte den Auftritt bewertet.

So klingt Winterkorns Bitte um Entschuldigung

"Manipulieren und Volkswagen, das darf nie wieder vorkommen", sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn in einem Video-Statement, das auf der Webseite des Konzerns veröffentlicht wurde. "Es tut mir unendlich leid, das wir dieses Vertrauen enttäuscht haben", sagt Winterkorn. "Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, den Behörden und der Öffentlichkeit für unser Fehlverhalten."

Er kündigte umfassende Aufklärung an und bat um Vertrauen. "Ich gebe Ihnen mein Wort, bei all dem werden wir mit der nötigen Transparenz und Offenheit vorgehen." Eine solche Manipulation dürfe es nie wieder geben. "Wir sind dabei die Hintergründe schonungslos aufzuklären", so Winterkorn, "dazu kommt in diesen Stunden alles auf den Tisch". Dazu werde der Konzern weiterhin eng mit den Behörden zusammenarbeiten. "Eine schnelle und umfassende Aufklärung" habe höchste Priorität, sagte der VW-Chef im Video. Volkswagen wolle alles tun, um das Vertrauen der Kunden Schritt für Schritt zurückzugewinnen.

Stimmen zum Abgas-Skandal bei VW

An einen Rücktritt wegen der Vorwürfe um Abgas-Manipulationen in den USA scheint Winterkorn aber vorerst nicht zu denken. Es wäre falsch, wenn wegen der schlimmen Fehler einiger weniger, die ehrliche Arbeit von 600.000 Menschen unter Generalverdacht gerät, sagte Winterkorn "Deshalb bitte ich um ihr Vertrauen auf unserem weiteren Weg."

Wie viel wie schnell dabei ans Licht kommen wird, ist laut dem Markenexperten Jürgen Gietl von der Managementberatung Brand Trust für die Marke Volkswagen entscheidend. "Die große Frage wird der Leistungsbeweis sein", sagt Gietl.

Das Video selbst sei profesionell gemacht, aber am Ende wirke das Ganze sehr gewollt und Martin Winterkorns Auftritt doch zu blass, schätzt der Markenexperte, um der Marke damit zu helfen: "Was alle erwarten, ist ein persönliches Verantwortungsbewusstsein. Seine Kernbotschaft ist, 'Wir klären das auf', aber es ist noch zu wenig. Verantwortung heißt nämlich auch, sich persönlich mitverantwortlich fühlen."

Eine Chance, damit die Marke Volkswagen aber zu stärken, bestehe trotzdem - dann, wenn der Autobauer in den nächsten Tagen beweist, dass die "schonungslose Auflärung" nicht nur eine leere Worthülse, sondern ein festes Vorhaben ist.

Wenn man zu seinen Schwächen stehe und kommuniziere, dass es auch einem persönlich nahe geht, dann könne eine Marke trotz Skandal punkten, erklärt Technologiemarken-Experte Gietl. "Diese Menschlichtkeit fehlt bei Winterkorns Statement ein wenig.

Infolge der Manipulationen war der Druck auf Winterkorn zuletzt stark gestiegen. Sein Vertrag sollte formal an diesem Freitag vorzeitig bis Ende 2018 verlängert werden. Die Wolfsburger hatten zuvor zugegeben, dass es weltweit Unregelmäßigkeiten bei rund elf Millionen Fahrzeugen gibt.

Wegen des Skandals muss Volkswagen Milliarden zurücklegen. Auch den für 2015 angepeilten Gewinn dürften die Wolfsburger nicht halten können. Bereits im dritten Quartal würden etwa 6,5 Milliarden Euro zurückgestellt, hieß es. An der Frankfurter Börse rutschte die Aktie daraufhin erneut ab - nach Milliardenverlusten schon am Montag.

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