Volkswagen Ducati-Kauf verschärft Streit mit Suzuki

Seitdem die Zweckehe von Volkswagen und Suzuki in die Brüche ging, kämpfen die Anwälte der Konzerne. Als neuer Besitzer von Ducati wird VW zur direkten Suzuki-Konkurrenz. Das freut die Japaner.

Osamu Suzuki und Martin Winterkorn Quelle: dapd

Als am Mittwochnachmittag vergangener Woche in Wolfsburg der Volkswagen-Aufsichtsrat den Kauf des Motorradherstellers Ducati abnickte, rieben sich gut 10 000 Kilometer weiter östlich, im japanischen Hamamatsu, Suzuki-Manager die Hände. Mit dem Erwerb der italienischen Edel-Marke habe VW-Chef Martin Winterkorn ein Eigentor geschossen, so wurde im Hauptquartier von Suzuki gemutmaßt. Der Kauf des Motorradherstellers mache den VW-Konzern zu einem Suzuki-Konkurrenten. Im erbitterten Rechtsstreit, den die beiden Unternehmen derzeit führen, spiele das Suzuki in die Hände.

Die Zweckehen der Autobauer
VW - Suzuki Quelle: dpa
Daimler + BAICVor einigen Jahren ist der Autobauer Daimler bei seinem chinesischen Partnerunternehmen BAIC eingestiegen. Die Zentralregierung hat den Kauf des Anteils von zwölf Prozent an BAIC genehmigt. Inzwischen bahnt sich ein gegenseitiges Engagement an: Offenbar will sich BAIC bis Ende des Jahres 2015 bei Daimler einkaufen. Der Chef des Daimler-Joint-Venture-Partners Beijing Automotive (BAIC) in Peking, Xu Heyi, sagte der Zeitung "Beijing Times", dass sein Konzern einer der größten Anteilseigner bei den Stuttgartern werden wolle. Beide Seiten steckten jetzt "in der Schlussphase der Verhandlungen", wie die Zeitung zitierte. Daimler begrüßte das Vorhaben: "Wir freuen uns grundsätzlich immer über langfristig orientierte Investoren", sagte ein Sprecher. Der größte Einzelaktionär bei den Stuttgartern ist Angaben auf der Website zufolge derzeit der kuwaitische Staatsfonds mit einem Anteil von 6,8 Prozent. Quelle: dpa
Daimler + Tesla Quelle: Screenshot
General Motors + BMWDie Bayern und der US-Konzern gehen wieder getrennte Wege. Zumindest beim Thema Brennstoffzelle. Die Unternehmen wollten in der technischen Entwicklung von Elektroautos zusammenarbeiten. BMW sollte von GM Brennstoffzellen-Technologie erhalten und sich im Gegenzug an den Forschungskosten beteiligen. Der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer (Foto) setzte große Hoffnungen in die Partnerschaft. Sogar die Lieferung von Teilen war im Gespräch. Doch die Liaison kam nicht zustande. Stattdessen setzen die Bayern jetzt auf eine tiefergehende Kooperation mit ihrem japanischen Partner... Quelle: dpa
Toyota + BMWDie Bayern wollen mit den Japanern bis 2018 einen Sportwagen bauen. „Wir haben uns jetzt auf eine gemeinsame Architektur verständigt“, sagte der damalige BMW-Entwicklungsvorstand Herbert Diess, der inzwischen VW-Markenchef ist. „Wichtig ist, dass das zwei unterschiedliche Fahrzeuge sein werden, die authentisch für die jeweilige Marke stehen.“ Im Dezember 2011 hatten die Bayern und die Japaner ihre Zusammenarbeit besiegelt. BMW erhält japanische Batterietechnik, dafür bekommt Toyota seit 2014 Dieselmotoren aus München. Die gemeinsame Entwicklung neuer Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos war bereits Bestandteil der Vereinbarung. Laut der japanischen Zeitung „Nikkei“ plant Toyota außerdem die Lieferung von Hybrid-Technologie an BMW. Der gemeinsam entwickelte Sportwagen gilt als Test im Bereich Produktentwicklung, bevor die Kooperation enger wird. Ein weiteres Gerücht, das immer wieder durch die Branche wabert: BMW erhält von Toyota die Brennstoffzellen-Technologie des Mirai, um seine Elektro-Familie auszubauen. Klar ist aber noch nichts. Quelle: dpa
BMW + PSA Peugeot CitroenÜber Jahre unterhielt BMW mit dem französischen Autokonzern PSA eine Motorenkooperation. Der eine hatte eine besondere Expertise bei kleinen Benzinern, der andere bei kleinen Dieselmotoren. Beides ergänzte sich, so dass auf BMW-Seite PSA-Motoren im Mini eingebaut wurden. Doch inzwischen ist diese Zweckehe ohne böse Worte beendet: Die inzwischen dritte Generation des Mini teilt sich die Technik mit dem BMW 1er – und damit auch die von den Münchnern neu entwickelten Drei- und Vierzylindermotoren. Soll heißen: PSA ist raus. Da die Verträge aber ohnehin auslaufen, wurde die Ehe ohne Krach geschieden. Quelle: obs
BMW und Brilliance Quelle: dpa/dpaweb

Im Januar 2010 hatten Winterkorn und Suzuki-Chef Osamu Suzuki eine Kooperation zum Austausch von Technologie vereinbart. Suzuki habe den Partner Volkswagen ausgesucht, weil es wenig Überschneidungen mit VW gegeben habe, heißt es in informierten Kreisen. So habe VW nicht die günstigen Kleinwagen, die Suzuki baut, und verkaufe – anders als Suzuki – keine Motorräder. Ende 2011 scheiterte das Kooperationsvorhaben jedoch und Suzuki forderte die knapp 20 Prozent die VW im Rahmen der Zusammenarbeit an Suzuki erworben hatte, zurück. Doch die Wolfsburger weigerten sich und die Sache landete vor dem Schiedsgerichtshof der Internationalen Handelskammer (ICC) in London.

Schweigepflicht auf beiden Seiten

Über das Gerichtsverfahren ist wenig bekannt, denn für beide Seiten besteht Schweigepflicht. Insider berichten jedoch, dass die Japaner offenbar vor Gericht vorbringen möchten, dass der VW-Konzern die Kooperationsvereinbarung verletzte, weil er sich als direkter Suzuki-Konkurrent in Stellung bringe. „VW will inzwischen seinen neuen Kleinwagen Up! als Billigauto in Schwellenländern anbieten“, sagt ein Insider. „Das ist genau das, was VW ursprünglich auf der Basis von günstigen Suzuki-Kleinwagen plante“. Noch deutlicher falle der „Frontalangriff“ beim Motorrad aus: „Durch den Kauf von Ducati sind VW und Suzuki direkte Konkurrenten. Das Gericht wird nun leicht erkennen können, welcher Seite nichts an der Kooperation liegt.“ Der einzige Schluss können sein, dass VW auch seine Suzuki-Anteile wieder zurückgeben müsse.

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In VW-Kreisen hält man die Argumentation für schwach, da Suzuki und Ducati im Motorradmarkt andere Segmente abdeckten und keine direkten Konkurrenten seien. Sollte das Londoner Schiedsgericht jedoch der Suzuki-Argumentation folgen, bleiben VW wenig Möglichkeiten. „Das Urteil ist für die Parteien bindend, eine Berufung ist nicht zulässig“, sagt Rechtsanwalt Heiko Haller von der Frankfurter Kanzlei Baker & McKenzie. „Die Parteien können ein solches Urteil nur in Ausnahmefällen mit Erfolg anfechten.“ Ein Urteil erwarten Insider nicht vor Mitte 2013.

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