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Volkswagen Die unselige Allianz von Politik und VW

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Eine Geschichte voller Skandale

Der skandalträchtige VW-Konzern lieferte dem Land schon etliche Chancen, sich als Aufräumer und Aufklärer zu beweisen. Genutzt hat das Land keine dieser Chancen. 1996 etwa soll der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder auf Kosten von VW den Opernball in Wien besucht haben. Die von Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch gemietete Loge soll 12.000 Euro gekostet haben. Es steht bis heute der Verdacht im Raum, dass Schröder als Mitglied des VW-Aufsichtsrates Vorteile von Vorstandschef Piëch angenommen hat, obwohl er diesen eigentlich kontrollieren sollte.

Wenig Besseres kam 2004 ans Licht: die Gehaltsaffäre. Sechs SPD-Politiker standen auf der Gehaltsliste von VW, was öffentlich für Empörung sorgte und das Unternehmen veranlasste, seine Richtlinien zum Umgang mit politischen Mandatsträgern zu ändern. Kurz darauf der sogenannte Lustreisenskandal: Betriebsräte von VW ließen sich von der Personalabteilung bestechen, was dem damaligen VW-Betriebsratschef Klaus Volkert eine Haftstrafe und dem Personalvorstand Peter Hartz eine Bewährungsstrafe einbrachte.

Corporate-Governance-Katastrophe VW

Die jahrelangen Negativschlagzeilen des Lustreisenskandals, gepaart mit mäßiger Performance des Konzerns, schickten die VW-Aktie auf Tiefststände. Das war für die Eigentümer des Sportwagenbauers Porsche – die Familien Porsche und Piëch – der Startschuss zu einem Angriff, der dem Land einen neuen Interessenkonflikt bescheren sollte: Porsche sollte bei dem niedrigen Kurs bei VW einsteigen und dann mit Wetten auf einen stetigen Kursanstieg der VW-Aktie so viel Geld verdienen, dass die Familien Zug um Zug die Mehrheit an VW erworben hätten.

Bei dem riskanten Unterfangen half eine höchst fragwürdige Konstellation, die gut passte zur Corporate-Governance-Katastrophe VW: Der führende Angreifer aus Stuttgart war Ferdinand Piëch, dessen oberste Pflicht als VW-Aufsichtsratschef zugleich darin bestand, den Angriff des eigenen Unternehmens Porsche abzuwehren. Alles getreu dem Motto: Wer Angriff und Verteidigung kontrolliert, kann nur gewinnen. Obwohl die Finanzkrise den Plan durchkreuzte und den Porsche-Chef Wendelin Wiedeking den Job kostete, war der Clan am Ende der Gewinner: Er hält seither 52 Prozent an VW.

Christian Wulff (CDU), niedersächsischer Ministerpräsident zur Zeit der Übernahmeschlacht, wehrte den Angriff zwar nach Kräften ab. Er konnte so verhindern, dass VW zu einer Porsche-Tochter degradiert wurde – doch um einen hohen Preis: Er paktierte dabei mit Piëch. Wulff, der sich zunächst über kriminelle Umtriebe der Porsche-Seite während des Übernahmeversuchs beschwerte, wollte später, als die Staatsanwaltschaft die Vorgänge untersuchte, davon nichts mehr wissen. Dabei hätte das Land nach Recherchen der WirtschaftsWoche den Fahndern die entscheidenden Belege liefern können.

So aber wurde auch der spätere Bundespräsident Wulff Teil des Wolfsburger Filzes, obwohl gerade er mit dem hehren Anspruch angetreten war, diesen zu bekämpfen. „Herkules hat den Stall des Augias ausgemistet, indem er einen Fluss durchgeleitet hat“, hatte Wulff nach Bekanntwerden des Lustreisenskandals noch gewettert. „Vielleicht sollte man in Wolfsburg den Mittellandkanal von oben in das VW-Verwaltungsgebäude einleiten.“ Doch Wulff ließ das System intakt.

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