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Volkswagen-Hauptversammlung Die sieben Fragen nach dem Piëch-Abgang

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Wer auf Piëch folgen könnte

4. "Wer wird Nachfolger von Ferdinand Piëch als Chef des VW-Aufsichtsrats?"

Berthold Huber, der frühere Chef der IG Metall, ist als stellvertretender Aufsichtsratschef nur ein Notkandidat an der Spitze des Gremiums. Als potenzielle Nachfolger gelten der 71-jährige Wolfgang Porsche, Piëchs Cousin. Infrage kommen auch Piëchs jüngerer Bruder der 73-jährige Wiener Rechtsanwalt Hans Michel Piëch sowie der 54-jährige Ferdinand Oliver Porsche, Sohn des Porsche-Konstrukteurs Ferdinand Alexander Porsche.

Ein externer Kandidat, der besser geeignet wäre, die angespannte Lage zwischen den Familien zu beruhigen, wäre der ehemalige BMW- und Ford-Manager und spätere Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Der 66-Jährige stand 1992 kurz vor einem Wechsel zu Porsche. Reitzle käme nun aber in Konflikt mit seinem Posten als Aufsichtsratschef beim Autozulieferer Continental.

Die Baustellen des VW-Konzerns
VW in den USA Quelle: dpa
Winterkorn mit dem Chinesischen Vize-Premier Ma Kai Quelle: obs
VW Quelle: dpa
MAN Quelle: dapd
Hauptwerk in Wolfsburg Quelle: dpa

5. "Welche Macht haben künftig die Gewerkschaften?"

Aktuell stellen die Arbeitnehmer im Kontrollgremium die Hälfte der 20 Mitglieder und mit Huber den Interimsvorsitzenden. In der Vergangenheit zeigte sich auch das Land Niedersachsen, das mit seinen 20 Prozent an VW strategische Entscheidungen blockieren kann, sehr gewerkschaftsnah. Das Land will möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland schaffen und erhalten. Gegen die Stimmen von Gewerkschaft und Land lassen sich in dem 600.000-Mitarbeiter-Konzern harte Einschnitte schon jetzt nicht durchsetzen. Sollten Piëch und Katar Holding ihre VW-Anteile verkaufen, würden die Arbeitnehmer weiter an Stärke gewinnen.

6. "Kommt bei Volkswagen jetzt die große Sanierung?"

Die Kernmarke VW leidet unter einer niedrigen operativen Umsatzrendite von 2,5 Prozent. Das soll der ehemalige BMW-Manager Herbert Diess, 56, als künftiger Chef der Marke VW vom 1. Juli an ändern. Diess ist ein ausgewiesener Effizienzexperte, er revolutionierte bei BMW den Einkauf. Dabei wandelte er auf den Spuren des legendären Zulieferer-Schrecks José Ignacio López, der in den Neunzigerjahren VW-Lieferanten auspresste.

Diess dürfte die Fertigungstiefe bei der Kernmarke VW weiter reduzieren, also weniger Teile selbst bauen. Er wird auch Personal abbauen müssen. Winterkorn hatte im Juli 2014 bereits gesagt, dass VW sich von Teilen der Komponentenfertigung verabschieden müsse, wenn Lieferanten preisgünstiger seien. So könnte Diess das konzerneigene Getriebewerk in Kassel infrage stellen. Nach einer Besichtigungstour soll er sich entsetzt über die vielen teuren High-Tech-Maschinen und den hohen Personaleinsatz geäußert haben.

Spannend könnte es werden, wenn Betriebsratschef Bernd Osterloh Nachfolger von Personalvorstand Horst Neumann würde. Sein Vorvorgänger Peter Hartz, wie Osterloh IG-Metall-Mitglied, hatte einst die Vier-Tage-Woche bei VW durchgesetzt. Irgendetwas, um Jobs zu halten und trotzdem Kosten zu senken, müsste sich auch Osterloh einfallen lassen.

Drei Pick-ups an der Spitze
Das meistverkaufte Auto in den USA war 2014 erneut der Pick-up der Ford F-Serie. Trotz des bevorstehenden Modellwechsels entschieden sich 753.851 Kunden für den bulligen Allrader, wie aus einer Erhebung der Webseite „Good Car Bad Car“ hervorgeht. Im Vorjahr waren es noch 763.402 Neuzulassungen. Quelle: Presse
Rang zwei geht an das Konkurrenzmodell Chevrolet Silverado mit 529.755 Neuzulassungen. 2013 waren es noch 480.414, damit verkürzt Chevy den Abstand zu Ford. Quelle: Presse
Wie sich die Bilder gleichen: Die Chrysler-Tochter Ram (vormals Dodge) landet - natürlich - mit einem Pick-up auf Rang drei. 439.789 Modelle der Baureihe wurden 2014 in den USA verkauft. Quelle: Presse
Der bestverkaufte klassische Pkw in den USA war 2014 Toyotas Mittelklassemodell Camry; 428.606 Neuzulassungen reichten für Gesamtrang vier. Damit macht ein PKW 2014 Platz für ein Pick-up, denn im Vorjahr war der Camry noch mit 408.484 Neuzulassungen auf dem dritten Rang gelandet. Quelle: Presse
Generell sind die Asiaten stark: Mit dem Honda Accord, dem Toyota Corolla (hier im Bild) , dem Nissan Altima sowie den Honda-Modellen CR-V und Civic gehen auch die Plätze fünf bis neun an Importeure aus Fernost. Quelle: Presse
Generell sind die Asiaten stark: Mit dem Honda Accord, dem Toyota Corolla, dem Nissan Altima (hier im Bild) sowie den Honda-Modellen CR-V und Civic gehen auch die Plätze fünf bis neun an Importeure aus Fernost. Quelle: Presse
Auf Rang zehn findet sich der Ford Fusion, die US-Version des Ford Mondeo. Quelle: Presse

7. "Wird VW jemals Erfolg in den USA haben?"

Für Winterkorn ist es ein Prestigeprojekt. Volle 23 Jahre nach der Kapitulation vor General Motors und Ford eröffnete VW 2011 wieder ein Werk in den USA. Doch der zweite Anlauf floppt bis heute. Im März sackten die Verkaufszahlen erneut um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab. Mit sieben Modellen, vom Golf bis zum Touareg, ist das Angebot von VW zu klein, insbesondere um japanischen Herstellern in den USA Marktanteile abzujagen.

Winterkorn will jetzt mit sportlichen Geländewagen punkten. Der neue Cross Blue, der größer als der Touareg, aber nicht teurer als der Tiguan sein soll, rollt von 2016 an im Werk Chattanooga/Tennessee vom Band. 643 Millionen Euro investieren die Wolfsburger in die Fertigung des Siebensitzers und in ein neues Entwicklungszentrum, in dem 200 Ingenieure arbeiten.

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Michael Horn, Chef der Volkswagen Group of America, will die Modellzyklen verkürzen und die Autos stärker an die Bedürfnisse der Kunden in den USA anpassen. 100 neue Händler sollen zu den vorhandenen rund 650 in den USA dazukommen. Horn muss alle zwei Monate zum Rapport nach Wolfsburg.

Schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten. Es wird Jahre dauern, bis die Neuerungen greifen. Die künftigen sportlichen Geländewagen werden sich frühestens vom zweiten Quartal 2017 an in den Verkaufszahlen niederschlagen. Auch der neue Jetta und der Passat kommen erst im Lauf der Jahre 2017 und 2018 auf den Markt. Winterkorns Vorgaben wirken da wie Träume: Eine Million Autos soll der VW-Konzern 2018 in den USA absetzen. 2014 waren es gerade mal gut 400.000.

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