Volkswagen Herbert Diess tritt als VW-Chef ab

Volkswagen-Chef Herbert Diess muss den Chefposten räumen. Quelle: REUTERS

Schon länger hatte er in seiner Top-Position nicht nur Freunde. Besonders beim mächtigen Betriebsrat eckte Herbert Diess an. Nun gibt er den Chefposten an Porsche-Chef Oliver Blume ab. Diess bleibt als Berater bis 2025.

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Herbert Diess tritt als Vorstandschef des Volkswagen-Konzerns ab. Der 63-Jährige habe sich mit dem Aufsichtsrat darauf verständigt, zum 1. September auszuscheiden, teilte das Unternehmen am Freitagabend überraschend mit. Nachfolger soll Porsche-Chef Oliver Blume werden. Die Entscheidung sei „einvernehmlich“ gefallen, hieß es in Wolfsburg. Wie die Deutsche-Presse-Agentur aus Konzernkreisen erfuhr, soll Diess nach seinem Abtritt allerdings weiter für das Unternehmen tätig sein. Der 63-Jährige bleibe als Berater zunächst regulär bis zum Vertragsende im Herbst 2025 und werde weiterbezahlt.

Der Anstoß zum Wechsel an der Spitze von Volkswagen soll von den Eigentümerfamilien Porsche und Piëch gekommen sein, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters in Berufung auf Insider. Die Familienvertreter hätten die Notwendigkeit für einen Führungswechsel gesehen, sagten zwei mit den Beratungen im Aufsichtsrat vertraute Personen. Einen konkreten Anlass habe es nicht gegeben, die Probleme hätten sich aber aufgestaut. Die Entscheidung sei am Ende einmütig gefallen.

„Herr Dr. Oliver Blume wird den Vorstandsvorsitz übernehmen und daneben seine Funktion als Vorstandsvorsitzender der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG fortführen“, erklärte der Konzern in einer Information an die Finanzmärkte. Der designierte Volkswagen-Konzernchef hat die Rückendeckung der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. „Oliver Blume genießt seit vielen Jahren unser ausdrückliches Vertrauen“, erklärten die Familiensprecher Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch in einer Mitteilung der VW-Dachholding Porsche SE. „Wir sind überzeugt, dass er die erfolgreiche Entwicklung des Volkswagen-Konzerns fortsetzen und die dafür erforderlichen Maßnahmen kraftvoll umsetzen wird.“

Hören Sie hier den „Chefgespräch“-Podcast mit Porsche-Chef Oliver Blume: „In der Familie habe ich nicht so viel zu sagen“

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch dankte Diess. Dieser habe „sowohl in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen als auch des Konzerns die Transformation des Unternehmens maßgeblich vorangetrieben“. Diess schob den Umbau von VW in der E-Mobilität maßgeblich voran.

Allerdings gab es zuletzt auch etliche Probleme, vor allem bei der stockenden und sich nochmals verteuernden Entwicklung eigener Software- und IT-Systeme: Die VW-Software-Tochter Cariad, eine der großen Baustellen im Konzern, lieferte zuletzt nicht so ab wie geplant. Der Aufbau des neuen Software-Riesen dauert länger, die Strukturen sind ineffizient, die Programmierer leiden unter dem lähmenden Riesenkonzern. Das führte zu einem Aufstand der Konzernmarken Audi und Porsche, die für neue Modelle dringend die Zulieferungen der Cariad brauchen.

Dafür hatte Diess eine Lösungsstrategie zurechtgelegt, von der Beobachter damit gerechnet hatten, dass er den Aufsichtsrat jüngst zufriedenstellen und somit seine Position sichern konnte. Diess wollte mit mehr Geld, mehr Leuten und mehr Freiheiten für die Marken Audi und Porsche die Ziele doch noch mehr oder weniger rechtzeitig erreichen. Letztlich scheint dies nicht ausgereicht zu haben.

Diess' Vorstellung von Volkswagen als globalem Champion bei Auto-Software – eher eine Frage von Dekaden als von Jahren – wird nun womöglich Blume verwirklichen.



Porsche-Chef Blume hatte bereits länger als möglicher Nachfolger von Diess gegolten. Sein Name war hinter den Kulissen mehrmals gefallen, als sich ein Konflikt zwischen dem VW-Chef und dem mächtigen Betriebsrat um mögliche neue Sparprogramme im vergangenen Jahr hochschaukelte. Bereits davor hatte es heftige Meinungsverschiedenheiten mit Teilen des Aufsichtsrats über die weitere Strategie und über einen möglichen drastischen Arbeitsplatzabbau beim größten Autohersteller Europas gegeben.
Der überraschende Chefwechsel bei Volkswagen stieß am Freitagabend bei den Arbeitnehmervertretern des Autobauers auf Zustimmung. Volkswagen müsse neben seiner technologischen Favoritenrolle auch der sozialen Vorbildrolle gerecht werden, erklärte IG-Metall-Chef und Volkswagen-Aufsichtsratsvize Jörg Hofmann. „Die heute getroffenen Entscheidungen erlauben es, das Tempo hochzuhalten und den herausgearbeiteten Vorsprung zu nutzen.“

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