WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Volkswagen in China Staatsfernsehen erhebt Vorwürfe wegen Öllecks

Erst fehlerhafte Getriebe, dann überhöhte Preise und unnötige Ersatzteile, jetzt Öllecks am Motor: Chinas Staatsfernsehen nimmt VW ins Visier. Einen Imageschaden in China können sich die Wolfsburger aber nicht erlauben.

Chinas Staatsfernsehen nimmt VW unter Beschuss Quelle: dpa

Mit wiederkehrender Regelmäßigkeit nimmt das chinesische Staatsfernsehen ausländische Firmen unter die Lupe – und erhebt dabei meist schwere Vorwürfe, ganz im Sinne der chinesischen Verbraucher. Volkswagen kam das bereits 2013 zu spüren, als ein Bericht des Senders China Central Television (CCTV) über defekte Getriebe bei VWs einen Rückruf auslöste.

Jetzt traf es Volkswagen gleich doppelt: In einer Sendung vom 15. März berichtete CCTV, dass bestimmte Autohändler zu hohe Preise verlangt hätten – und deutete an, dass es sich unter anderem um eine Reihe von VW-Niederlassungen gehandelt habe. Die Vorwürfte richteten sich auch gegen Mercedes-Benz und Nissan. Demnach sollen Händler der drei Unternehmen Kunden viele unnötige Reparaturen und Autoteile angedreht haben.

Diese Autos kaufen Chinesen am liebsten
Platz 10: VW PassatEin Passat „nur“ auf dem zehnten Platz in der Zulassungsstatistik – in Deutschland undenkbar. Dennoch kann sich der Erfolg der NMS-Version des Passats (New Midsize Sedan), die in den USA und China verkauft wird, sehen lassen: Im ersten Halbjahr kam der Passat in China auf  135.954 Neuzulassungen. Zum Vergleich: In Deutschland kam der Passat, trotz oder wegen des anstehenden Modellwechsels ,in der Statistik von Januar bis Juni hinter dem Golf auf den zweiten Platz – allerdings reichen dafür hierzulande gerade einmal 35.533 Neuzulassungen. Quelle: Presse
Platz 9: Great Wall Haval H6Great Wall Motors gehört zu den größten SUV-Herstellern Chinas. Sein Bestseller ist der Haval H6, teilweise auch Hover H6 genannt. Das Kompakt-SUV ist mit 4,64 Metern etwa so groß wie ein Audi Q5. Mit  143.119  Zulassungen ist der H6 das beliebteste SUV Chinas im ersten Halbjahr 2014. Quelle: Presse
Platz 8: Nissan SylphyAb jetzt folgen nur noch die in China gefragteste Karosserieform – viertürige Stufenheck-Limousinen in allen erdenklichen Größen. Den Anfang macht auf dem achten Rang der Nissan Sylphy, der als Kompakt-Limousine für chinesische Verhältnisse geradezu klein ist. Mit 4,61 Metern ist er in etwa so lang wie hierzulande ein Golf Kombi. Im ersten Halbjahr konnte Nissan 145.214 Sylphys verkaufen. Quelle: Presse
Platz 7: Buick Excelle XTIhnen kommt der Buick Excelle XT irgendwie bekannt vor? Kein Wunder, schließlich ist es ein Opel Astra. Lediglich die Logos außen und innen wurden getauscht, ebenso der verchromte Kühlergrill – Badge-Engineering vom Feinsten. Mit dieser wohl einfachsten Art der „Modellentwicklung“ bringt es die GM-Tochter immerhin auf 147.404 Neuzulassungen. Quelle: Presse
Platz 6: VW JettaJetzt wird es etwas kompliziert: 152.621 Neuzulassungen in China gab es für den VW Jetta. Unter diesem Namen wurde auch in Deutschland jahrelang die viertürige Limousine auf Basis des Golf verkauft. Auf den aktuellen Jetta trifft das nur noch in Teilen zu. Um den Ansprüchen der amerikanischen und chinesischen Kunden zu entsprechen, übernimmt der Jetta von der Plattform des Golf VI zwar zahlreiche Teile, ist aber deutlich länger. Der Jetta wird in China allerdings auch noch unter anderen Modellbezeichnungen verkauft. Quelle: Presse
Platz 5: VW SagitarEin Beispiel dafür ist der VW Sagitar. Er entspricht zwar technisch und weitestgehend auch optisch dem Schwestermodell Jetta, wird aber nicht von VW selbst, sondern von dem Joint Venture FAW-VW zusammen mit First Automotive Works - gebaut. Und dieses formell eigenständige Unternehmen nennt seinen Jetta eben anders. Am Verkaufserfolg ändert sich wenig, der Sagitar kam im ersten Halbjahr auf 155.393  Neuzulassungen. Quelle: Presse
Platz 4: VW SantanaDer seit 2013 gebaute Santana ist eine Eigenentwicklung von Shanghai Volkswagen, speziell für den chinesischen Markt. Damit ist der Santana eines der wenigen VW-Modelle in China, das nicht auf einem bestehenden Fahrzeug basiert. Mit einer Länge von 4,47 Metern gehört der Santana zu den kleineren Limousinen. Er brachte es im ersten Halbjahr auf 161.957  Neuzulassungen. Shanghai Volkswagen ist übrigens ein weiteres VW-Joint Venture aus der Shanghai Automotive Industry Corporation und eben Volkswagen. Quelle: Presse

Am Mittwoch legte CCTV nach: Der VW-Kundendienst sowie Händler hätten Beschwerden über Motorlecks ignoriert, aus denen Öl auslaufen könne. Händler hätten die Fahrzeugbesitzer aber mit dem Hinweis vertröstet, dies sei ein normales Phänomen. In dem Bericht wurden die Limousine Magotan und das SUV Tiguan genannt. Unabhängige Experten hätten vor Brandgefahren gewarnt.

VW ist von China abhängig

VW untersucht nach eigenen Angaben die Anschuldigungen. "Wir sind uns der Medienberichte über das Thema Motorenöl bewusst und wir entschuldigen uns aufrichtig für jede Unnannehmlichkeit bei unseren Kunden", sagte Volkswagen-Sprecherin Larissa Braun in einem E-Mail-Statement laut der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir nehmen derartige Berichte sehr ernst und haben bereits eine Untersuchung des Falles begonnen." Das Unternehmen werde so bald wie möglich weitere Informationen herausgeben.

China ist der größte Automarkt der Welt. Für Volkswagen hat er zudem eine besondere Bedeutung: Dank seiner Joint-Venture-Partner SAIC Motor und FAW Group erzielte VW dort 2014 den höchsten Absatz aller Autobauer. Fast jeder zweite Volkswagen wird inzwischen in China verkauft – nennenswerte Umsatzeinbußen kann sich die ohnehin margenschwache Kernmarke VW in China nicht erlauben.

Auch Land Rover wurde vorgeworfen, Qualitätsprobleme nicht ernst zu nehmen. Hier soll es Probleme beim Getriebe geben. Als Reaktion auf den Bericht rief der Autobauer über 36.000 SUVs des Modells Evoque zurück, um mit einem Software-Update die Probleme mit dem Getriebe zu lösen. Zudem erhöhte Land Rover die Garantie für die betroffenen Getriebe auf sieben Jahre oder 240.000 Kilometer. Die zurückgerufenen Fahrzeuge sind demnach Importwagen, die zwischen Januar und Dezember 2014 in China ausgeliefert wurden. Seit Oktober fertigt Land Rover Modelle wie den Evoque in einer Fabrik vor den Toren Shanghais.

Kritische Fernsehberichte in China können für ausländische Konzerne unangenehme Folgen bis hin zu Absatzeinbußen haben. CCTV hatte bereits Branchenriesen wie McDonald's, Apple und Starbucks ins Visier genommen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Dem VW-Partner First Automotive Works (FAW) droht noch weiteres Ungemach: Chinas oberste Anti-Korruptionsermittler haben den FAW-Vorsitzenden festgenommen. Xu Jianyi, als Chef eines Staatskonzerns auch Parteimitglied, stehe unter Verdacht "schwerwiegend gegen die Parteidisziplin und Gesetze" verstoßen zu haben.

Mit dieser Formulierung werden in der Regel Korruptionsvorwürfe umschrieben. Im Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen hatte es während der vergangenen Monate bereits Korruptionsermittlungen gegeben. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte eine landesweite Kampagne gegen Korruption angestoßen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%