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Volkswagen Jahreszahlen Freud' und Leid des Martin Winterkorn

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„Der Laden läuft verdammt gut“

Für den Konzern ist das Sparprogramm und vor allem der Ton, den Winterkorn angeschlagen hat, eine der wichtigsten Errungenschaften des Jahres 2014. Defizite und Versäumnisse werden klar angesprochen, bestehende Standards hinterfragt, Untätigkeit nicht mehr geduldet. Das bekam unter anderem Produktionsvorstand Michael Macht zu spüren, der den Konzern Mitte des Jahres verlassen musste. Macht war in die Kritik geraten, weil etwa die Einführung des modularen Baukastensystems nicht reibungslos gelaufen ist.

Was VW 2014 in den USA verkauft hat

Von dem Baukastensystem erhoffen sich die Wolfsburger hohe Einsparungen in Entwicklung und Produktion. Die modulare Technik, durch die verschiedene Fahrzeugtypen mit gleicher Architektur auf einem Band gleichzeitig und somit günstiger produziert werden können, soll den Schub für weiteres Wachstum geben. Die neue Vielfalt hat aber Tücken: Besonders deutlich wurde das derzeit in der Golf-Produktion im Stammwerk Wolfsburg, wo VW die Bänder wegen technischer Probleme immer wieder anhalten musste – ein Versagen, das intern offenbar Macht angelastet wurde.

Inzwischen sind einige der Probleme rund um das Baukastensystem aussortiert und der Konzern profitiert. „Der Laden läuft verdammt gut“, sagte Frank Schwope von der NordLB. Die Hauptmarke VW Pkw sei in der Lage, die Rendite sukzessive zu steigern, „auch wenn ich nicht daran glaube, dass sechs Prozent erreichbar sind“, schränkte der Autoanalyst ein.

Bei einer anderen großen Herausforderung für die Zukunft, der Vernetzung, ist VW gut aufgestellt. Zahlreiche Assistenzsysteme haben es inzwischen von den Oberklasse-Modellen von Audi in die Volumenmodelle wie Golf & Co geschafft. Beim autonomen Fahren ist Audi mit seinen selbstfahrenden Prototypen vorne mit dabei. Auch die möglicherweise aufkeimende Konkurrenz von Apple und Google lässt Winterkorn kalt. „Ich begrüße ausdrücklich das Engagement von Apple, Google und Co. beim Thema Automobil“, sagte der Vorstandschef am Vorabend des Genfer Autosalons. Das Engagement der US-Technologie-Giganten werde dazu beitragen, dass das Auto wieder stärker von jungen Menschen akzeptiert werde. VW gibt mehr als 11 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus und beschäftigt in diesen Abteilungen mehr als 46.000 Angestellte.

Während es in weiten Teilen des Konzerns gut läuft, muss die Hauptmarke Volkswagen in einigen Punkten auf die Sprünge gebracht werden, um nicht nur beim Absatz, sondern auch bei der Rendite die hoch gesteckten Ziele zu erfüllen. Winterkorn, der seit 2007 neben dem Konzern auch die Marke VW leitet, gibt zumindest diesen Posten bald ab. Künftiger Markenchef wird Herbert Diess, der Anfang Juli von BMW nach Wolfsburg wechselt.

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Zuletzt wurde bei VW vor allem die mangelnde Produkt- und Vertriebsplanung kritisiert. So hat sich Volkswagen zum Beispiel in den USA zu lange auf dem Erfolg des Passats ausgeruht und sei weder auf die gestiegene Qualität der US-Autobauer noch auf die Konter der Japaner vorbereitet gewesen, räumte Winterkorn kürzlich in einem Interview ein. Mit neuen SUVs speziell für Amerika fangen die Wolfsburger nun an, gegenzusteuern. Eine Baustelle, an der Diess noch einige Zeit zu arbeiten haben wird.

Winterkorn selbst dürfte auch ohne die VW-Markenleitung kaum langweilig werden. Sein Reich hat gemessen am Umsatz inzwischen die Wirtschaftsleistung Finnlands erreicht. Nicht nur deshalb dürfte Winterkorn wie so mancher Staatschef auf die Krisenherde der Welt schauen – der Absatzeinbruch in Russland lässt grüßen. Sein Finanzchef Hans Dieter Pötsch äußerte sich für 2015 schon zurückhaltend: „Angesichts gedämpfter Wachstumsaussichten in Regionen außerhalb Chinas wird 2015 sicher kein Selbstläufer.“

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