Volkswagen Katar will Frau in VW-Aufsichtsrat entsenden

Das Emirat Katar wird wohl dafür sorgen, dass die seit Jahresbeginn geltende Frauenquote im Aufsichtsrat von VW erreicht wird. Erst damit wird die Wahl von Hans Dieter Pötsch als Aufsichtsratschef möglich.

Am 22. Juni kommen die Aktionäre von VW zur Hauptversammlung zusammen. Quelle: dpa

Wie erwartet will der Großaktionär Katar mit der Ingenieurin Hessa Al-Jaber erstmals eine Frau in den Aufsichtsrat von Volkswagen entsenden. Mit ihrer Wahl würden zusammen mit der Vorstandsvorsitzenden der schwedischen SEB AB, Annika Falkengren, und der Unternehmerin Louise Kiesling drei der zehn Anteilseigner-Sitze im 20-köpfigen Kontrollgremium von Frauen eingenommen, teilte Volkswagen am Mittwoch in Wolfsburg mit.

„Damit würde die seit Jahresbeginn in Deutschland geltende Frauenquote von 30 Prozent erfüllt werden“, hieß es weiter. Im Aufsichtsrat sitzt mit der Gewerkschaftlerin Babette Fröhlich derzeit noch eine weitere Frau auf der Seite der Arbeitnehmervertreter.

Al-Jaber soll den Vizevorsitzenden der Katar-Holding, Hussain Ali Al-Abdulla, ersetzen. Dieser sitzt seit dem Frühjahr 2010 in dem Gremium. Erst seit einem Jahr ist sein Kollege Akbar Al-Baker dabei. Katar hat zwei Sitze in dem insgesamt 20-köpfigen Aufsichtsrat von Europas größtem Autobauer.

Hessa al-Jaber soll in den VW-Aufsichtsrat einziehen. Quelle: dpa

Die Abstimmung über die personelle Neubesetzung im Aufsichtsrat soll am 22. Juni bei der Hauptversammlung von Volkswagen in Hannover erfolgen. Dann soll auch der bislang nur per Gericht bestellte Wechsel des ehemaligen VW-Finanzvorstandes Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat von den Aktionären bestätigt werden. Dafür war aber erst die Entscheidung Katars nötig – ohne die Entsendung von Hessa Al-Jaber hätte VW die Frauenquote nicht erreicht und somit Pötsch nicht wählen können.

Während die Aufarbeitung der Affäre weiter vorangeht, sieht der Konzern nach wie vor keine Anzeichen für eine mögliche Mitschuld auf Vorstandsebene. Bei der Hauptversammlung Ende Juni soll daher der komplette Vorstand für das Geschäftsjahr 2015 entlastet werden, wie Volkswagen am Mittwoch in Wolfsburg mitteilte. Aufsichtsrat und Vorstand betonten aber, dass der Vorschlag unter dem Vorbehalt stehe, dass die weiter laufende Untersuchung bis zum Aktionärstreffen am 22. Juni nichts Belastendes zutage fördere. Mögliche Schadenersatz-Ansprüche blieben erhalten.

„Grundlage dieser Empfehlung sind die derzeit vorliegenden Informationen aus der umfassenden, wenngleich noch nicht abgeschlossenen Untersuchung der US-amerikanischen Kanzlei Jones Day zur Diesel-Thematik“, hieß es in der Mitteilung. Der VW-Aufsichtsrat habe prüfen lassen, ob nach derzeitigem Kenntnisstand „eindeutige und schwerwiegende Pflichtverletzungen von aktuellen oder ehemaligen Vorstandsmitgliedern festzustellen sind“.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Der Mitteilung war eine Aufsichtsratssitzung vorausgegangen, bei der die Kontrolleure bis zum späten Dienstagabend „intensiv“ um eine Lösung gerungen hätten, hieß es aus ihrem Umfeld. An diesem Donnerstag erfolgt die Einladung für das Aktionärstreffen.

Auf der Tagesordnung für Hauptversammlungen steht stets der Punkt Entlastung. Im Diesel-Debakel hat er aber plötzlich große Brisanz.



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