Volkswagen schwächelt weiter VW vertagt US-Wachstumsziele auf 2017

800.000 Autos sollen es in drei Jahren sein, heute ist es nicht einmal die Hälfte: Das US-Geschäft von VW schwächelt. Landeschef Horn hat die Hoffnungen auf ein schnelles Wachstum gedämpft - bis neue Modelle kommen.

VW-Boss Winterkorn vor einer SUV-Studie: Großes Wachstum in den USA erst mit neuen Modellen. Quelle: dpa

Entgegen der bisher verkündeten Zahlen erwartet Volkswagen offenbar bis 2017 kein großes Wachstum der Kernmarke in den USA. US-Chef Michael Horn sagte dem Fachmagazin "Automotive News", er erwarte in den kommenden zwei Jahren nur ein "begrenztes Wachstum". Der Fokus liege derzeit darauf, den Marktanteil zu verteidigen.

Vor nicht einmal einem Jahr verkündeten die Wolfsburger, im Jahr 2018 800.000 Autos in den USA verkaufen zu wollen. Ein Ziel, das US-Chef Horn nun kassiert hat – ohne die von VW-Boss Martin Winterkorn ausgerufene Zahl zu nennen. Im vergangenen Jahr konnte Horn 367.000 VWs absetzen, 2012 waren es noch 440.000 Autos. Alleine im Mai ging es nochmals um vier Prozent abwärts. Angesichts solcher Werte scheint Horn die Wolfsburger Zentrale darauf vorbereiten zu wollen, dass die 800.000 Fahrzeuge deutlich verfehlt werden.

Was VW 2014 in den USA verkauft hat

Hoffnung hat Horn erst ab 2017: Dann sollen neue SUV-Modelle auf den Markt kommen, die speziell auf die US-Kunden zugeschnitten sind. In dem Segment der sogenannten Midsize-SUV, die in den USA besonders beliebt sind, war VW bislang nicht gut aufgestellt. Die Wolfsburger haben dort bislang nur den Tiguan und Touareg im Angebot, die beide eher auf den europäischen Geschmack ausgerichtet sind. Auf der Automesse in Detroit zeigte VW die SUV-Studie CrossBlue, deren Serienversion ab 2017 die schwerwiegende Lücke in der Modellpalette schließen soll.

US-Geschäft entzürnte auch Piëch

Doch selbst mit den neuen Modellen dürfte Volkswagen die angepeilte Marke von 800.000 Fahrzeugen deutlich verfehlen. Das Analysehaus LMC Automotive rechnet laut der "Automotive News" mit gerade einmal 495.000 verkauften Volkswagen – neue SUV hin oder her.

Neben der niedrigen Umsatzrendite sollen das rückläufige US-Geschäft, die mangelhafte Modellplanung und die fehlende Strategie vor Ort auch Gründe gewesen sein, die Firmen-Patriarch Ferdinand Piëch im April zu seiner Attacke auf den Vorstandsvorsitzenden Winterkorn bewegt haben sollen. Mit seinem Zitat "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" hatte Piëch seine Unzufriedenheit öffentlich gemacht und damit einen Machtkampf bei Europas größtem Autobauer ausgelöst, an dessen Ende sein eigener Rückzug aus dem Konzern stand.

US-Absatz deutscher Hersteller 2000-2025

Über die genaue Motivation Piëchs wird seitdem gerätselt, der 78-Jährige hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und schweigt beharrlich. Doch die Familie scheint hinter ihm zu stehen: Dem "Handelsblatt" sagte Ferdinands älterer Bruder Ernst, er könne nicht die Form der Kritik nachvollziehen, wohl aber den Unmut über die Führung des Autokonzerns. "Bei VW herrscht Stillstand", sagte der 86-Jährige. VW konzentriere sich zu stark auf Stückzahlen und die Verfolgung Toyotas als sich auf Design und Technik zu konzentrieren.

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Winterkorns Reaktion auf den Machtkampf ist eine Neuausrichtung des Konzerns und der Führungsstruktur. Bis Herbst soll der Plan für die neue Konzernspitze abgesegnet werden. Dem Vernehmen nach sollen die zwölf Konzernmarken dabei in vier Holdings umgruppiert werden, die mit einzelnen Bereichsvorständen unabhängiger vom Wolfsburger Konzernvorstand agieren sollen – um Planungsrückstände wie etwa in den USA zu vermeiden. Für Ernst Piëch wird aber auch der bevorstehende Konzernumbau wenig ändern: "VW hinkt inzwischen fünf Jahre hinterher", so Piëch.

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