Volkswagen Vierte Verhandlungsrunde im Streit um VW-Haustarif steht bevor

VW-Mitarbeiter gehen in das VW-Werk in Wolfsburg. Quelle: dpa

Noch immer ist keine Einigung in den Tarifgesprächen für 120.000 VW-Beschäftige abzusehen. Drohen neue Warnstreiks in den Werken - oder bewegt man sich im Streit um den Haustarif doch aufeinander zu? Am Dienstag wird weiter verhandelt.

Im Streit um den Haustarif bei Volkswagen gehen die Verhandlungen in die vierte Runde. Am Dienstag (16.00 Uhr) wird die Tarifrunde in Langenhagen bei Hannover fortgesetzt. Anfang Februar hatte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh die Arbeitgeberseite vor einer deutlichen Ausweitung der Warnstreiks gewarnt. „Zur Not werden wir den halben Konzern zum Stillstand bringen“, sagte er. IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Thorsten Gröger bezeichnete das VW-Angebot als „Mogelpackung“.

Das Angebot sei nicht einmal im Ansatz verhandelbar, sagte Osterloh. In einem Interview im Volkswagen-Intranet, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, erklärte Osterloh, die Beschäftigten wünschten sich mehr Selbstbestimmung: „Es geht beispielsweise um mehr Flexibilität, die den jeweiligen Lebensphasen gerecht wird.“ Das gehe aus einer Umfrage des Gesamtbetriebsrats hervor, an der sich allein in Deutschland mehr als 51.000 Mitarbeiter beteiligt hätten.

„Einen weiteren klaren Auftrag gibt es auch beim Wunsch nach tariflichen Wahlmöglichkeiten für mehr Entgelt oder mehr Freizeit“, sagte Osterloh. Personalvorstand Karlheinz Blessing sagte laut eines der dpa vorliegenden internen Interviews, die Vereinbarkeit von Karriere und Familie und die Gleichstellung der Geschlechter seien ihm „eine Herzensangelegenheit“. Man arbeite an Verbesserungen, die der heutigen Lebenswirklichkeit gerecht würden. „Ich hoffe, dass wir bei den Verhandlungen zu einer guten Einigung kommen“, sagte er.

Zuvor hatte Volkswagen ein verbessertes Angebot vorgelegt, das eine zweistufige Tariferhöhung um 3,5 Prozent ab Mai und 2 Prozent ab Mai 2019 bei einer Gesamtlaufzeit von 30 Monaten vorsieht - nach drei Nullmonaten. Der Verhandlungsführer und Personalchef der Marke VW, Martin Rosik, mahnte, Wettbewerbsfähigkeit und Kostendisziplin seien Voraussetzung für zukunftsfeste Jobs: „Wir haben der IG Metall erneut angeboten, gemeinsam und konstruktiv eine Lösung zu erarbeiten.“

Die Gewerkschaft hatte dagegen 6 Prozent mehr Geld gefordert, zudem eine Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung sowie eine Garantie für den Erhalt von Ausbildungsplätzen.

Der VW-Haustarif ist Deutschlands größter Firmentarif und lief Ende Januar aus. Er gilt in den sechs westdeutschen VW-Werken Emden, Hannover, Wolfsburg, Salzgitter, Braunschweig und Kassel sowie bei der Finanztochter aus Braunschweig.

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