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Volkswagen VW-Spitzelaffäre: Ermittlungen zu Brandstiftung eingestellt

Exklusiv
Das private Haus des mutmaßlichen VW-Spitzels brannte, es war Brandstiftung – so viel steht fest. Doch die Täter konnten nicht ermittelt werden. Quelle: dpa

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat nach Informationen der WirtschaftsWoche ein Verfahren rund um die Brandstiftung des privaten Hauses eines mutmaßlichen Spitzels aus dem Volkswagen-Konzern eingestellt.

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Als die Feuerwehr am 26. Mai 2020 gegen halb fünf Uhr morgens an dem Fachwerkhaus im niedersächsischen Grasleben eintrifft, steht es bereits lichterloh in Flammen. Allen sei schnell klar gewesen, „dass es sich um einen langen Einsatz handeln wird, starker Feuerschein und eine große Rauchsäule waren deutlich sichtbar“, heißt es später im Einsatzbericht. Zum Löschen brauchen die rund 100 Einsatzkräfte so viel Wasser, dass sie es teilweise aus dem Freizeitbad Grasleben holen. Erst gegen 18.30 Uhr ist der Einsatz beendet.

Wie sich später herausstellt, war es Brandstiftung. Und die Übeltäter hatten ganze Arbeit geleistet. Sie stellten eine Propangasflasche neben die Gasleitung des Hauses. Dann verschütteten sie Benzin. Das Haus, berichtet ein Bewohner später einem Bekannten, sei regelrecht „in die Luft geflogen“. Aber das Eigenheim wurde nicht nur angezündet: Die Einbrecher durchsuchten das Gebäude auch, öffneten Schubladen, warfen Dinge umher, entwendeten offenbar Schmuck.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelte. Bis vor Kurzem. Doch jetzt stellte sie ihre Bemühungen nach Informationen der WirtschaftsWoche mangels eines ermittelbaren Täters ein. Auf Anfrage teilte die Behörde mit, dass sie sich dazu derzeit noch nicht äußern könne.

50 Stunden vertraulicher VW-Sitzungen heimlich mitgeschnitten 

Der Fall hatte vor einigen Monaten hohe Wellen geschlagen: Zu den Bewohnern des Hauses zählte auch Christoph Schneider (Name geändert) – ein Mann, den der VW-Konzern wenige Wochen nach dem Brand des Privathauses intern als mutmaßlichen Spitzel enttarnte.

Was war passiert? In den Jahren 2017 und 2018 waren fast 50 Stunden vertraulicher Strategiesitzungen bei VW heimlich aufgezeichnet worden. Die Aufnahmen „geben einen exklusiven Einblick, wie hochrangige Manager einen Zulieferer ausgeschaltet haben“, so das Onlinemagazin „Business Insider“. Volkswagen sah sich stets als „Opfer einer illegalen Abhör-Attacke. Entscheidend sei nicht, was in den Besprechungen „angedacht wurde, sondern welche Maßnahmen konkret umgesetzt wurden“, betonte der Autobauer damals.



Dabei sind die Mitschnitte für Volkswagen mitunter heikel. Denn sie rücken das Gebaren der VW-Einkaufsabteilung in ein zumindest fragwürdiges Licht. So soll aus ihnen hervorgehen, dass VW sich zum Umgang mit Prevent mit anderen Autobauern abgesprochen haben könnte. Prevent war beim wichtigen VW-Zulieferer Grammer eingestiegen und nutzte das, um Druck auf den Konzern auszuüben. Angeblich gab es Überlegungen, dass sich die Autobauer gemeinsam bei Grammer einkaufen, um Prevent abzuwehren. Später stieg schließlich ein chinesisches Unternehmen dort ein, der angeblich mit VW zusammenhing. VW betonte immer es habe „keine abgestimmten Handlungen mit anderen“ gegeben. Doch sollten sich die Autobauer tatsächlich abgesprochen haben, so könnte dies das Kartellamt interessieren.

Ermittlungen zu seinem Tod laufen noch

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In den Wochen nach dem Hausbrand spitzte sich der Fall zu: Heute ist Schneider tot. Am 10. August 2020 gegen 19.30 Uhr gab es einen weiteren Notruf. Für die Freiwillige Feuerwehr Grasleben war es der Einsatz 205/2020. Sie wurde an diesem Tag in Rottorf am Klei, rund sechs Kilometer von der Ruine des verbrannten Hauses entfernt, zu einem brennenden Auto gerufen. „Als die ersten Kräfte eintrafen, stand ein Pkw in Vollbrand, und einige Bäume und die Böschung brannten“, steht im Einsatzbericht. Tanklöschfahrzeuge transportierten das Wasser zur Einsatzstelle. „Leider konnten wir eine Person, die sich im Fahrzeug befand, nicht mehr retten“, berichteten die Einsatzkräfte. Die Staatsanwaltschaft geht von Selbstmord aus. Offenbar gibt es mindestens einen Abschiedsbrief. Doch die Ermittlungen zu dem Tod, sie laufen noch.

Mehr zum Thema: Die Beschattungsaffäre um Volkswagen und den Zulieferer Prevent zeigt nur die Spitze des Eisbergs. Deutsche Unternehmen spähen regelmäßig heimische Konkurrenten aus – nicht immer mit legalen Mitteln.

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