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Volkswagen Die unselige Allianz von Politik und VW

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Welchen Einfluss hat die Politik?

Der Dieselskandal ausgeufert, die Strafen und Schadensersatzzahlungen horrend, Management und Aktionäre in Aufruhr und die große Frage, wie ein Unternehmen in dieser finanziellen Verfassung die größte technische Revolution in der Geschichte des Automobils bewerkstelligen will – es wäre ein guter Zeitpunkt für die Politik, das System VW zu hinterfragen. Doch bisher ist der Wille dazu bei keiner der handelnden Parteien zu spüren.

Dennoch könnte sich die Wolfsburger Trutzburg auflösen, allerdings dann nicht mehr durch die Politik bestimmt. Mithilfe der Krise könnte der Porsche-Piëch-Clan zu Ende bringen, was ihm 2009 nicht gelang: das Land weitgehend zu entmachten. Der Schlüssel dazu: Je schlechter die Verfassung von VW ist, desto eher kann die Familie mit ihrer einfachen Mehrheit auf einer Hauptversammlung einen Dividendenverzicht beschließen. Auch ein Grund für einen vollständigen Dividendenverzicht sind hohe Investitionen, wie sie etwa beim Bau der plötzlich angedachten Batteriefabriken anfallen. Wird zwei Mal in Folge keine Dividende gezahlt, würden automatisch alle Vorzugsaktionäre stimmberechtigt und der Anteil des Landes verwässert. Die Sonderrechte entfielen.

Heftig sollen Familienvertreter und Vertreter Niedersachsens in den vergangenen Sitzungen des Aufsichtsrates gestritten haben, etwa bei der Frage, ob VW-Manager für 2015 Boni erhalten sollten. Sollte sich das Land Sparmaßnahmen verweigern, die die Familien für nötig erachten, wäre der nächste große Krach programmiert und die Option, das Land zu entmachten, wohl auf der Tagesordnung des Clans. Insider aus dem VW-Aufsichtsrat gehen davon aus, dass die Familie das Ziel der Alleinherrschaft weiter verfolgt. Sie schiele auch auf weitere Aktienzukäufe, etwa wenn Katar eine Anteile verkaufen würde.

Transformation zu einem relativ normalen Unternehmen

Auch eine Zusage der Familie, die Sonderrechte Niedersachsens zu respektieren, scheint das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht. Die Familien hatten das Versprechen 2009 abgegeben. „Garantieren kann die Familie den Einfluss Niedersachsens nicht, das ist aktienrechtlich nicht möglich“, sagt ein Mitarbeiter der Landesregierung, der damals an den Verhandlungen beteiligt war. Das sei, sagte er, „aus heutiger Sicht eine bittere Erkenntnis“. So könnte am Ende ordinäres deutsches Aktienrecht der unseligen Allianz ein Ende setzen und Deutschlands größten Konzern in ein relativ normales Unternehmen verwandeln. Die Politik könnte dann nur noch zuschauen.

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