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Volkswagen Winterkorns realer Verdienst

VW-Vorstand Martin Winterkorn erhielt 2011 ein Jahresgehalt, das viele Dax-Vorstände und Banker arm aussehen lässt. Er betont, es handle sich um "reale" Gewinne.

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Das sind die Topverdiener unter den Dax-Vorständen
Platz 15 - Georg Pachta-Reyhofen (MAN)Der Vorstandsvorsitzende des Lastwagenbauers MAN verdiente im vergangenen Jahr 2,626 Millionen Euro. Das waren rund 26 Prozent weniger als 2010. Die Lösung des Dauerstreits um den Essener Industriedienstleister Ferrostaal verhagelte MAN die Bilanz. Der Konzern verdiente angesichts der Kosten für den Deal deutlich weniger Geld als 2010. Am Ende blieb der VW-Tochter unter dem Strich ein Gewinn von 247 Millionen Euro. Quelle: dpa
Platz 15 - Heinrich Hiesinger (Thyssen-Krupp)Der Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp AG kommt auf ein Jahreseinkommen von 3,52 Millionen Euro. Hiesinger ist seit Januar 2011 Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns. Daher gibt es keine Vergleichszahlen. Hiesinger baut Thyssen-Krupp derzeit um, vor allem die Stahlwerke in Übersee erweisen sich aber als Bremsklotz. Quelle für alle Angaben: Berechnungen Evers-Vergütungsberatung nach bisher veröffentlichten Vergütungsberichten, Nachrichtenagenturen Quelle: dapd
Platz 14 - Peter Bauer (Infineon)Die Infineon Technologies AG überweist ihrem Vorstandssprecher für das abgelaufene Geschäftsjahr 3,721 Millionen Euro. Das ist ein sattes Plus von 67 Prozent. Damit ist Peter Bauer einer der Gewinner in den Top 15 der Dax-Vorstände. 2010 hatte der Chef des Halbleiterkonzerns lediglich 2,227 Millionen Euro verdient. Quelle: dpa
Platz 13 - Ben Lipps (Fresenius Medical Care)Der US-Amerikaner in Diensten von Fresenius Medical Care kann beim Verdienst leicht zulegen. Mit 3,81 Millionen Euro erhält Lipps rund fünf Prozent mehr als im vorangegangenen Geschäftsjahr. Der Dialysespezialist FMC enttäuschte mit seinem Ausblick auf das laufende Jahr zuletzt so manchen Analysten. Für Lipps ist 2012 das letzte Jahr an der Spitze der Fresenius-Tochter. Der 71-Jährige hört im kommenden Jahr als Vorstandsvorsitzender auf. Quelle: dpa
Platz 12 - Karl-Ludwig Kley (Merck)Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Merck KGaA konnte für das vergangene Jahr ein dickes Plus verbuchen. Karl-Ludwig Kley erhält 4,228 Millionen Euro und damit rund 31 Prozent mehr als 2010. Und das, obwohl hohe Abschreibungen nach einer Übernahme und teure Medikamenten-Fehlschläge den Gewinn des Pharma- und Spezialchemiekonzerns unerwartet stark haben sinken lassen. Quelle: dpa
Platz 11 - René Obermann (Deutsche Telekom)Der Telekom-Chef landet auf Platz 11 der besten Dax-Verdiener. Für das vergangene Geschäftsjahr erhält René Obermann 4,354 Millionen Euro. Das sind sieben Prozent mehr als 2010. Der neueste Hoffnungsträger des Telekommunikationsunternehmens ist die „Cloud“ - von Obermann hier vorgestellt auf der Cebit in Hannover. Quelle: dapd
Platz 10 - Marijn Dekkers (Bayer)Der niederländische Chef des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer erhält für seine Arbeit im Jahr 2011 4,487 Millionen Euro. Marijn Dekkers ist seit Oktober 2010 an der Bayer-Spitze und kann sich nicht nur über sein Gehalt freuen: Im vergangenen Jahr schnellte der Konzernüberschuss um fast 90 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro in die Höhe. Dabei profitierte der Konzern unter anderem von guten Geschäften in den Schwellenländern. Quelle: Reuters

"Herr Winterkorn", stichelte eine Journalistin auf der Bilanzpressekonferenz von Volkswagen, "sind Vorstände wie Sie die neuen Banker?" Der Geschäftsbericht für 2011, den VW gestern der Öffentlichkeit präsentierte, überraschte mit einer Zahl, über die in Zukunft wohl noch oft gesprochen wird – und die Winterkorn den Vergleich mit der wenig populären Berufsgruppe einbrachte: 17,4 Millionen Euro Jahresgehalt.

So viel wie kein anderer

Das Salär des 64-jährigen VW-Bosses erinnert in der Tat an Vergütungen bei Deutsche Bank & Co. Doch so viel wie Winterkorn verdient kein Dax-Vorstand - auch kein Banker. Die Höhe seines Rekordgehaltes kommentierte Winterkorn nicht. Auch ging er nicht auf die heimtückische Frage ein, was er mit dem vielen Geld denn so vor habe.

Die markigsten Sprüche der Firmenchefs
Martin Blessing Quelle: dpa
Martin Blessing Quelle: dpa
Martin Blessing Quelle: dpa
Hochtief - Manfred WennemerSo offene Worte hört man selten auf einer Hauptversammlung. Dem Aufsichtsratschef des Bauriesen Hochtief rutschte auf die Frage eines Aktionärs bezüglich der Entwicklung von Hochtief-Geschäft und mehrfachen Gewinnwarnungen folgendes heraus: „Dass wir alle frustriert sind, brauche ich Ihnen nicht zu erklären.“ Quelle: dpa
Deutsche Bahn - Rüdiger Grube"Ich muss nicht lernen, wie man Kaffee ausschenkt und Zeitungen verteilt. Wir zeigen mit dem Servicetag Interesse an der Arbeit unserer Mitarbeiter und Respekt und Wertschätzung für ihre Leistungen." Grube zum Einsatztag, den jeder Vorstand mindestens einmal pro Jahr im Tagesgeschäft in einem Bereich absolvieren muss. Quelle: Reuters
Lufthansa - Christoph FranzFür defizitäre Töchter gibt es keine Gnade. Franz droht, dass er seine Österreich-Tochter Austrian Airlines zusperrt, wenn sie nicht bald schwarze Zahlen schreibt. „Wir füttern auf Dauer niemanden durch.“ Aber auch im Mutterkonzern muss sich einiges tun, sagt der Lufthansa-Chef und verspricht radikale Veränderungen. Denn, kalauert Franz, „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Quelle: REUTERS
Volkswagen AG - Martin Winterkorn"Ich möchte dem Berufsstand der Banker ja nicht zu nahe treten", erklärte Winterkorn süffisant auf die Frage einer Journalistin, ob die Vorstände in Anbetracht ihrer üppigen Gehälter die neuen Banker seien, "ich möchte aber darauf hinweisen, dass es sich im Falle von VW um reale Gewinne handelt". Betonung auf real. Quelle: dpa

Aber den Banker-Vergleich, den wollte er nicht unkommentiert lassen. "Ich möchte dem Berufsstand der Banker ja nicht zu nahe treten", erklärte Winterkorn süffisant. "Ich möchte aber darauf hinweisen, dass es sich im Falle von VW um reale Gewinne handelt". Betonung auf real.

Starke Marken

Die wertvollsten deutschen Marken
Eine Mitarbeiterin zeigt im Produktionswerk der Beiersdorf AG in Hamburg eine Nivea-Dose. Quelle: dpa
Porsche Boxter S Quelle: REUTERS
Logo der Allianz-Versicherungen Quelle: dpa
Der Vorstandsvorsitzende der adidas AG, Herbert Hainer Quelle: dapd
Das Audi-Logo von einem Audi A8 Quelle: dpa
Ein Mitarbeiter der Volkswagen AG poliert im VW-Werk in Wolfsburg ein Logo am Kühlergrill Quelle: dpa
Der Schriftzug des Technologiekonzerns Siemens Quelle: dpa

Winterkorn hat Recht. Das VW-Geschäft ist kein wackeliges Finanz-Kartenhaus, das hohe Mieten abwirft, aber jederzeit zusammenbrechen kann. Die 8,36 Millionen Autos hat Volkswagen 2011 ganz real verkauft und es spricht nichts dafür, dass es in den kommenden Jahren weniger sein werden. Der Konzerngewinn ist ordentlich und müsste weiter steigen, sobald sich die neue, effiziente Baukasten-Bauweise voll in den Produktions- und Entwicklungskosten niederschlägt.

Die Marken des VW-Konzerns sind stark. Kunden in aller Welt sind bereit, für Fahrzeuge mit VW-, Audi-, Porsche- oder Scania-Emblem mehr zu bezahlen, als für vergleichbare Konkurrenzprodukte.

Zudem will der Konzern in den kommenden Jahren über 40 Milliarden Euro in die Ökologisierung des Geschäfts investieren, in sparsame, saubere Autos also und eine effiziente Produktion.

Damit kann VW auch auf lange Sicht erfolgreich im Rennen bleiben und den über 500.000 Mitarbeitern eine sichere berufliche Heimat bieten.

Angemessenes Gehalt

In Arbeit
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Ein windiger Banker ist Winterkorn also wahrlich nicht. VW ist heute Old Economy at its best, das Gegenteil von Mortgage Backed Securities und Dot-com Bubbles. Das ist auch der Verdienst des promovierten Metallwissenschaftlers und deshalb gebührt ihm ein angemessenes Gehalt.

Stellt sich bloß die Frage, was angemessen ist. Darüber könne man ja durchaus diskutieren, gab sich Volkswagen-Personalvorstand Horst Neumann auf der Pressekonferenz erstaunlich offen, aber bitte "im Gesamtkontext". Gerade jetzt, in einer Erfolgsphase, ein hohes Gehalt herauszupicken und damit eine Diskussion vom Zaun zu brechen, findet Neumann unfair.

Ungleiches Wachstum

Auf das Angebot mit der "Diskussion im Gesamtkontext" sollten Aktionäre, Mitarbeiter und Bürger zurückkommen. Ein paar Zahlen zum Gesamtkontext: Die Aktionäre kassieren 36 Prozent mehr Dividende als im letzten Jahr. Winterkorns Gehalt jedoch steigt um 87 Prozent. Die VW-Mitarbeiter bekommen einen Bonus von 7500 Euro, also einen Bruchteil ihres Jahresgehaltes.

Winterkorn bekommt einen Bonus von elf Millionen Euro, wodurch sich sein Gehalt mehr als verdoppelt. Und dem diskussionsfreudigen Bürger sei vorgerechnet: Die 200.000 Euro, die Bundespräsidenten-Pensionär Christian Wulff in einem Jahr bekommt, hat Winterkorn schon nach gut vier Tagen auf dem Konto.

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