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Volkwagen-Chef Herbert Diess Letzte Chance für den Bad Cop

VW-Chef Herbert Diess: Letzte Chance für den Bad Cop Quelle: dpa

Es mehren sich die Anzeichen, dass Herbert Diess seinen Job als Volkswagen-Chef behält. Gut so, denn alles andere wäre fatal.

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Ex-Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg erzählte mir kürzlich, was ihm der Vorstandschef eines renommierten deutschen Autoherstellers 2019 versichert habe: Elon Musk werde mit seinem Autobauer Tesla bald pleitegehen. Mit dieser Meinung war der Manager damals nicht allein. Der deutschen Autoindustrie, so lautete die Devise, macht niemand so schnell was vor.

Nur zwei Jahre später ist klar: Tesla ist nicht nur bei Auto, Batterie, Software und Cloud führend, sondern wohl bald auch bei der Autoproduktion. Tesla schreibt schöne Gewinne und ist 15 Mal so viel wert wie BMW. Und das ist nur der Anfang. In China und USA laufen sich längst die nächsten Teslas warm. Können die deutschen Hersteller auf Dauer mithalten? Unklar.

Einer der wenigen Automanager, der diese Entwicklung richtig vorhersagte, der die Schwächen der hiesigen Branche offen ansprach, der früh und kräftig umsteuerte, ist VW-Chef Herbert Diess. Doch statt ihn auf Händen zu tragen, wollen ihn Betriebsrat und VW-Großaktionär Niedersachsen womöglich loswerden – als ginge mit dem Überbringer der schlechten Nachricht das Problem weg. Klar, Diess ist unbequem, undiplomatisch, manchmal respektlos. Aber VW braucht keinen netten Mediator, sondern einen lästigen Musk.

Was nicht heißt, dass ich den Frust beim Betriebsrat nicht verstehen könnte. Diess stößt die Betriebsräte immer wieder vor den Kopf und scheint dabei zu vergessen, dass das angesichts der Machtverhältnisse bei VW nicht ungestraft bleibt. Von einem klugen und weitsichtigen Manager wie Diess darf man erwarten, dass er versteht, was angesichts real existierender Machtverhältnisse bei VW möglich ist und was nicht. 

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    Befänden wir uns irgendwann zwischen 1960 und 2010, würde ich sagen: Diess hat Wolfsburg nicht verstanden – der nächste bitte! Aber angesichts der Transformation der Autobranche, die alles auf den Kopf stellt und die jeden etablierten Autobauer und viele Zulieferer in latente Lebensgefahr bringt, sollten andere Maßstäbe an ihn angelegt werden. Diess hat die Herausforderung früh verstanden, hat sie angenommen und er liefert. Er redet Klartext, fordert viel, aber das Richtige. Er ist der personifizierte Ruck, der durch VW gehen muss – wie durch jeden anderen etablierten Autokonzern. 



    Es heißt, Ralf Brandstätter, Chef der Marke VW, könnte nach dem Machtkampf noch mehr Einfluss im Konzern bekommen. Das ist als Angebot an den Betriebsrat zu verstehen, der mit Brandstätter viel besser kann als mit Diess. Und es klingt nach einem vernünftigen Kompromiss: Ein Dämpfer für Diess und eine bleibende Erinnerung daran, wo er da arbeitet einerseits;  ein Bekenntnis zu Diess‘ Unternehmerqualitäten andererseits. Die Rollenverteilung wäre klar: Brandstätter wäre künftig für Betriebsrat und Belegschaft der Good Cop, Diess der Bad Cop. So konfliktfreudig wie Diess ist, kann er mit der Rolle bestimmt gut leben. Hauptsache, die Fälle werden gelöst.

    Mehr zum Thema: Im Streit um Sparmaßnahmen bei Volkswagen werfen sich Konzernchef Herbert Diess und Betriebsratschefin Daniela Cavallo gegenseitig vor, nicht die Wahrheit zu sagen. Ein Faktencheck. VW-Chef versus Betriebsratschefin: Wer liegt richtig?

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