Volvo und Daimler Gemeinsamer Investor, unterschiedliche Strategien

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Volvo geht den elektrischen Weg

Ohne Kooperationen läuft im Auto-Geschäft wenig – enge Partnerschaften mit Zulieferern sind Standard, in den Zukunftsfeldern arbeiten die Autobauer auch schon mit eben jenen viel zitierten „neuen Spielern“ aus dem Silicon Valley zusammen. Volvo mit Uber, BMW mit Intel, Fiat-Chrysler mit Google/Waymo. Genau in diesen Bereichen kann sich Samuelsson auch weitere Kooperationen vorstellen – oder bei Batteriezellen und -systemen oder Elektroantrieben. Bei den Verbrennern habe man in den vergangenen Jahren eine Motorenplattform für Drei- und Vierzylinder mit Geely, Lynk&Co und Polestar entwickelt. „Ich sehe da keinen Bedarf für eine Zusammenarbeit im konventionellen Fahrzeugbau“, sagt Samuelsson den Gerüchten ab.

Während Volvo mit der kleineren Zielgruppe und dem Image, sichere und nachhaltige Autos zu bauen, schnell auf mehr Elektromobilität drängen kann, sind bei Daimler im Volumengeschäft andere Maßnahmen gefragt. Mit über zwei Millionen verkauften Fahrzeugen können die Stuttgarter etwa den Diesel nicht so schnell aussortieren, auch mögliche Zukunftsfelder wie die Brennstoffzelle dürfen nicht der Konkurrenz überlassen werden.

Die Volvo-Zentrale in Göteborg verfügt aber nicht über die Budgets, auf allen Hochzeiten zu tanzen. „Als eine kleinere Firma müssen wir den Mut haben zu priorisieren“, sagt Samuelsson. „Wir können nicht alles machen, moderne Dieselmotoren, batterieelektrische Autos und parallel noch mehrere Millionen Euro in die Brennstoffzelle investieren.“ In seiner Logik steht die Volvo-Strategie auf drei Säulen:

  • Mild-Hybride: Ab 2019 wird jeder Volvo mit einem 48-Volt-Hybridsystem ausgerüstet. Damit sollen auch Benziner auf das CO2-Niveau eines Diesels kommen.
  • Plug-in-Hybride: Mit dem T8 TwinEngine hat Volvo bereits einen Plug-in-Hybrid im Programm, allerdings als teures Top-Modell mit über 400 PS. Im V60 wird bald der schwächere T6 TwinEngine debütieren, der die Plug-in-Absätze ankurbeln soll.
  • Elektroautos: Reine Elektroautos sollen 2025 etwa die Hälfte der Volvo-Verkäufe ausmachen, die andere Hälfte entfällt auf Mild- und Plug-in-Hybride.

Solche Lösungen wird auch Daimler im Programm haben (und hat sie schon teilweise), doch die Stuttgarter werden sich nicht auf diese drei Ansätze beschränken. Die Rolle der Brennstoffzelle wird stark vom Ausbau eines Netzes von Wasserstofftankstellen abhängen. Und an den High-Performance-Fahrzeugen (über 30 Mercedes-Modelle haben inzwischen über 400 PS) werden Dieter Zetsche und später sein Nachfolger alleine schon aus Renditegründen so lange wie möglich festhalten.

Dass ein Mercedes bald auf Volvo-Technik zurückgreift oder umgekehrt, ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Zumindest im Autobereich. Seit Volvo Cars 1999 an Ford ging, teilen sich die Schweden mit dem gleichnamigen Lkw- und Bus-Hersteller nur den Markennamen. Li ist allerdings auch dort größter Einzelaktionär – und könnte mit den Nutzfahrzeug-Sparten des Daimler-Konzerns zusammenarbeiten.

Das Investment von Li bei Volvo Trucks und Daimler hat für Samuelsson allerdings eine handfeste Folge: Seinen Posten im Aufsichtsrat von Volvo Trucks musste er abgeben. Daimler ist einer der größten Konkurrenten von Volvo Trucks. Mehr Freizeit hat der Schwede deshalb aber nicht. „Ich bin schon jetzt bei 120 Prozent Auslastung, da kann ich auf den Aufsichtsratsposten verzichten.“

Der Wandel bei Volvo Cars wird weiter seine ganze Aufmerksamkeit fordern – mit oder ohne Kooperation mit Daimler.

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