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Vom Vorzeigekonzern zum Problemfall Harley-Davidson stoppt US-Produktion wegen Coronavirus-Krise

Der Chef der kriselnden US-Motorrad-Ikone Harley-Davidson, Matt Levatich, nahm Anfang März seinen Hut. Quelle: imago images

Harley-Davidson setzt vorübergehend seine Produktion in den USA aus. Die Coronavirus-Krise kommt zur Unzeit: Jüngst warf Chef Matt Levatich das Handtuch. Die einstige Motorrad-Ikone hat sich zum Problemfall entwickelt.

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Bei der Motorradbauer-Legende Harley-Davidson kriselt es. Nicht erst seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Doch die zwingt den US-Konzern nun zu einem schweren Schritt: Die US-Produktion wird vorübergehend ausgesetzt. Diese Entscheidung erfolge, um die Beschäftigten unterstützen und die Vorgaben der Gesundheitsbehörden am besten befolgen zu können, erklärte Harley-Davidsons Vorstandschef Jochen Zeitz am Mittwochabend (Ortszeit).

In einem US-Werk von Harley-Davidson sei ein Mitarbeiter positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden, die Fabrik werde nun gründlich gereinigt und desinfiziert. Die meisten Büroangestellten seien bereits am Montag bis mindestens zum Monatsende in Heimarbeit geschickt worden. Die Produktionspause soll zunächst bis zum 29. März andauern.

Der Motorradbauer Harley-Davidson befindet sich schon länger in schwierigem Fahrwasser. Erst vor Kurzem hatte der Chef der kriselnden US-Ikone, Matt Levatich, seinen Hut genommen. Als Nachfolger ernannte das Unternehmen zunächst den früheren Chef des deutschen Sportartikelherstellers Puma, Jochen Zeitz. Zeitz sitzt schon seit 2007 im Aufsichtsrat von Harley-Davidson. Er soll den Spitzenjob aber nur vorübergehend übernehmen, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist.

„Der Verwaltungsrat und das Führungsteam von Harley-Davidson werden bei der Suche nach einem neuen Vorstandschef eng zusammenarbeiten“, kündigte Zeitz an. Der 56-jährige deutsche Top-Manager hatte 1993 im Alter von nur 30 Jahren als damals jüngster Vorstandsvorsitzender einer deutschen Aktiengesellschaft den Chefposten bei Puma übernommen und den Adidas-Rivalen in seiner 18-jährigen Amtszeit von einem maroden Unternehmen zu einem Konzern mit Milliardenumsatz aufgebaut.

Levatich war 1994 zu Harley-Davidson gekommen und im Mai 2015 zum Vorstandschef befördert worden. Seine Amtszeit war von einer tiefen Krise geprägt, die Verkäufe auf dem US-Heimatmarkt sanken 2019 das fünfte Jahr in Folge. Auch international laufen die Geschäfte schon länger nicht mehr rund. Harley-Davidson ächzt unter dem von der US-Regierung angezettelten Handelsstreit mit China und der EU, der zu hohen Einfuhrzöllen auf die Produkte des Herstellers geführt hat.


In Deutschland hat Harley-Davidson einen schweren Stand vor allem gegenüber dem Platzhirschen BMW, der in den vergangenen Jahren besonders bei richtig schweren Motorrädern mächtig Gas gegeben hat und bei den Verkaufszahlen allen anderen davon gefahren ist.

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