WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Von Nullen und Einsen

Schneller zum Wunschauto

Monate vergehen bis der Neuwagen kommt. Dabei könnte eigentlich das Internet helfen und Nachfrageschübe kanalisieren. Doch die großen Hersteller setzen nach wie vor auf Low-Tech.

Dem deutschen Automarkt geht es trotz Finanzkrise gut - Wovon die Kundschaft eher nicht profitiert. Quelle: dpa

Der deutschen Automobilindustrie geht es gut - ja fast zu gut: Konzerne wie Volkswagen oder BMW fahren satte Gewinne ein, die Nachfrage ist trotz Finanzkrise scheinbar nicht zu bremsen. Was in Wolfsburg oder München für Jubel und Spitzenboni sorgt, ist für die Kundschaft praktisch gesehen weniger nett: Sie müssen bei nachgefragten Modellen viele Wochen, wenn nicht gar lange Monate warten, bis ihr Wunschfahrzeug verfügbar ist. In einer Welt, in der Kunden auf sofortige Produktverfügbarkeit und 24-Stunden-Lieferung gepolt sind, wirkt das seltsam anachronistisch.

Natürlich kauft man nicht alle paar Wochen ein Auto und ein Pkw ist bei den meisten Menschen nicht wie das Smartphone eines Mobilgeräte-Enthusiasten, das mindestens einmal im Jahr durch ein neues Modell ersetzt werden muss. Trotzdem sollten sich die Autohersteller einmal Gedanken machen, ob sie sich nicht eine Scheibe von der Elektronikbranche abschneiden wollen, die enorm schnell auf neue Entwicklungen reagiert.

Liegt es vielleicht an den Wahlmöglichkeiten? Henry Ford verkaufte dereinst deshalb so schnell so große Stückzahlen von seinem legendären T-Modell, weil es eben nur in Standardkonfigurationen verfügbar war. "Ich kann jede Farbe liefern, so lange sie schwarz ist", soll er einmal gesagt haben.

BMW fährt Audi beim Image in die Parade
Über 116.000 Leser der Zeitschrift „Auto, Motor und Sport“ haben in zehn Kategorien die ihrer Meinung nach besten Autos des Jahres gekürt. Zur Wahl standen mehr als 300 Fahrzeuge. Mit acht Erstplatzierungen war der Volkswagen-Konzern das erfolgreichste Unternehmen. Gefragt wurde aber auch nach den Autos mit dem besten Markenimage, und da gab es nach sieben Jahren einen Führungswechsel ... Quelle: PR
„Die besten Autos 2012“ sind im A-Segment der Volkswagen Up als Gesamtsieger und der Mini, der die Importeurswertung gewann. Der Brite aus dem BMW-Konzern mit der Kult-Historie hatte jahrelang die Kategorie der "Mini Cars" dominiert, jetzt entthronte der Neuling aus Wolfsburg mit einem Anteil von 35,1 Prozent der Stimmen den Mini. Ganz überraschend ist das aber nicht: Als es 2001 noch den Up-Vorgaänger Lupo gab, hatte auch dieser den Mini in der Gesamtwertung der AMS-Leserwahl klar geschlagen ... Quelle: PR
Hinter dem VW Up mit 35,1 Prozent aller Stimmen und dem Mini mit 25,1 Prozent erreicht der Fiat 500 mit 13 Prozent Rang drei in der Kleinstwagen-Kategorie. Quelle: dapd
Audi A1 und Alfa Romeo Mito (Importwertung) sind die Sieger in der Kleinwagen-Kategorie. Hinter dem Audi A1, der damit seinen Sieg aus 2011 verteidigen kann, erreicht der VW Polo Platz zwei. Quelle: PR
BMW 1er und Alfa Romeo Giulietta (Importwertung) lauten die Favoriten der AMS-Leser in der Kompaktklasse. Der neue 1er verdrängt den Vorjahressieger VW Golf VI, der offenbar allmählich in die Jahre kommt. Der Wolfsburger Dauerbrenner erreicht nun (gemeinsam mit Golf Plus und Jetta) Platz zwei, vor dem Audi A3. Ein erstes Fazit lautet: Die jahrelange Dominanz von Audi bei der Leserwahl bröckelt etwas ab, BMW und Porsche holen weiter auf. Mercedes und VW halten ihre ohnehin guten Positionen ... Quelle: PR
Bei den ausländischen Kompaktwagen hat Alfa Romeo mit der schönen Giulietta die Nase vorn. Der Nachfolger des Alfa 147 verteidigt damit bei der AMS-Wahl seine Platzierung von 2011, und wie im Vorjahr hat der Skoda Octavia auf Rang 2 damit das Nachsehen. Citroen belegt mit C4 / DS5 Platz 3 und liegt damit vor dem Seat Leon. Quelle: PR
Gewonnen haben außerdem der Audi A4 (und seine Brüder A4 Allroad sowie A5) und der Skoda Superb (Importwertung) in der Mittelklasse. Das jüngste Facelift bringt der Mercedes C-Klasse Platz 2 ein, sie liegt nur 0,3 Prozentpunkte hinter den Ingolstädtern. Ebenfalls knapp hinter Platz 2 liegt in der wichtigen Mittelklasse der mittlerweile betagte BMW 3er, dessen neueste Überarbeitung erst bei der nächsten Wahl eine Rolle spielen wird. Man darf auf die kommenden Ergebnisse also gespannt sein ... Quelle: PR

Die Qual der Wahl

Wer den Konfigurator einer beliebigen Fahrzeugmarke im Internet anklickt, wird feststellen, dass es Millionen Kombinationsmöglichkeiten gibt, vom Motor über die Ausstattungslinie bis hin zu Miniaturdetails wie der Scheibenwischerheizung. Wer die Zeit dafür hat, kann Wochen mit einem solchen Konfigurator verbringen, um ja nichts zu vergessen - doch das Fahrzeug schneller zur Auslieferung bringt das natürlich nicht. Warum nicht eine sinnvolle Vorauswahl treffen, weil man weiß, dass heutzutage jeder Mensch beispielsweise eine iPod-Schnittstelle und die wichtigsten Sicherheitsfeatures will?

Und dann gibt es das Problem mit der Lieferbarkeit einzelner Bauteile. Da in den meisten Fabriken bis auf Standardmodelle fast nichts mehr gebaut wird, solange keine Bestellung vorliegt, können schon kleine Verzögerungen bei Zulieferern den ganzen Plan durcheinander bringen. Bei einer norddeutschen Marke mit zwei Buchstaben hakt es derzeit beispielsweise beim Nachschub eines populären Automatikgetriebes. Hat man die Technik gewählt, verschiebt sich die Bauzeit des Fahrzeugs genauso automatisch nach hinten, wie es später einmal schalten soll. Aber würde man die Technik deshalb abwählen? Natürlich nicht, schließlich gibt man nur alle paar Jahre ein paar Zehnttausend Euro für ein Fahrzeug aus und will dann schon das haben, was man bestellt hat. Vielleicht sollte der Hersteller dann einfach automatisch Rabatt auf solche Modelle geben, die weniger populär sind? Das würde helfen, Lieferverzögerungen aufzulösen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%