VW-Abgas-Affäre Volkswagen-Bank im Sog der Krise

Der Abgas-Skandal betrifft auch eine VW-Sparte, die auf den ersten Blick nichts mit den technischen Manipulationen zu tun hat: die Finanzsparte. Was Dieselgate für Volkswagen Financial Services bedeutet.

Wegen des Abgas-Skandals hat die VW-Finanztochter bis zum Jahresende einen Einstellungsstopp verhängt. Quelle: dpa

Die Aktie fällt, das Kundenvertrauen ist weg, das Image ist auf Talfahrt. Mit dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals, auch als Dieselgate bekannt, ist der VW-Konzern in eine "existenzbedrohende Krise" geraten, wie es der designierte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Wochenende formuliert hat. Die Aufklärung der Betrugs-Affäre – wer wann den Auftrag zum Einbau der Manipulationssoftware gegeben hatte – wird die Manager und Ingenieure der betroffenen Marken VW, Audi Seat und Skoda noch lange beschäftigen.

Doch auch ein Teil des Konzerns, der gar nichts mit den technischen Schummeleien zu tun hat, ist von dem Abgas-Skandal betroffen: die Banktochter Volkswagen Financial Services. Die wichtigsten Fragen rund um die VW-Bank:

Was hat eine Bank mit dem Abgas-Skandal zu schaffen?

Das liegt am Geschäftsmodell der Volkswagen Financial Services: Die Bank finanziert ein Großteil des Leasing-Geschäfts der Wolfsburger. "Die Bank ist stark abhängig vom Nettozinsertrag aus der Autofinanzierung", schreibt etwa die Rating-Agentur Moody's in einer aktuellen Studie. Soll heißen: Verkauft VW wegen des Vertrauensverlusts durch den Skandal weniger Autos, drückt das auch zwangsläufig die Gewinne der VW-Bank. Als "reine Vorsichtsmaßnahme" hat die Führungsebene der Bank bereits einen Einstellungsstopp verhängt.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Wie groß ist die Volkswagen Financial Services?

12.800 der weltweit rund 600.000 Angestellten des Konzerns arbeiten in der Finanzsparte. Der Anteil am Konzerngewinn ist aber deutlich höher, als es die verhältnismäßig geringe Mitarbeiterzahl vermuten lässt. Mit einem operativen Ergebnis von 1,7 Milliarden Euro steuerte die Financial Services mehr bei (etwa ein Siebtel) als etwa die Nutzfahrzeugsparte. Mit einer Bilanzsumme von 114 Milliarden Euro ist das Institut größer als mehrere Großsparkassen. Dazu kommt: Die Volkswagen Financial Services steht unter der Beobachtung der neuen europäischen Bankenaufsicht. Mehr Großbank geht kaum.

Wer sind die Kunden der VW-Bank?

Den Großteil der Kredite vergibt die Bank an Privatkunden, Geschäftskunden greifen oft auf andere Leasing-Anbieter zurück – etwa den Flottenmanager LeasePlan, an dem VW erst in diesem Sommer seinen Anteil für rund 3,7 Milliarden Euro verkauft hat. Der damalige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch erklärte den Verkauf wie folgt: "Mit dem Ausbau des eigenen Flottenmanagements bei Volkswagen Financial Services ist nach unserer Meinung jetzt der geeignete Zeitpunkt gekommen, Leaseplan in neue Hände zu geben." 16 Prozent der Kredite hat die Bank an Autohändler vergeben. Auch hier schlägt das Risiko einer Absatzkrise voll durch: Verkaufen die Händler weniger Autos, muss die Bank unter Umständen Kredite abschreiben oder zumindest die Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite aufstocken.

Wie viele der rund elf Millionen Autos mit der Schummel-Software werden über die Bank finanziert oder verleast?

Das ist noch unklar. Offen ist auch, was bei einem Wertverlust der verleasten Fahrzeuge wegen des Abgas-Skandals passiert. Diese Autos sind offiziell in Besitz des Instituts. Ein Wertverlust würde die Einnahmen beim Wiederverkauf drücken – und damit auch die Gewinnspanne der Bank. Ob es mittel- oder langfristig überhaupt zu einer nennenswerten Wertminderung kommt, ist jedoch offen.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Können Kunden von Darlehens- oder Leasingverträgen zurücktreten?

Das ist ebenfalls noch unklar.

Wer leitet die Volkswagen Financial Services?

Aktuell ist der Posten vakant, denn der bisherige Chef Frank Witter wurde als Nachfolger von Hans Dieter Pötsch als neuer Finanzvorstand des Konzerns bestellt. Witter ist seit 1992 im Konzern und leitete unter anderem das Amerika-Geschäft. Seit 2008 war er an der Spitze der Finanzsparte, die unter ihm mehrere Rekordergebnisse erzielte. Ein Nachfolger Witters wurde noch nicht benannt.

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