VW-Abgas-Skandal Bosch rückt ins Visier der US-Ermittler

Im Abgas-Skandal bei VW nehmen die US-Ermittler nun auch den Zulieferer Bosch ins Visier. Bislang gibt es keine Beweise für ein Fehlverhalten, doch soll geprüft werden, ob Bosch von den Schummeleien wusste.

Die lange Liste der Offenbarung
VW Passat US-Version, Modelljahrgang 2016 Quelle: PR
Betroffen: Seat Ibiza (falsche Werte bei CO2-Zertifizierung angegeben) Quelle: PR
Auch bei den Benzinern gibt es Probleme, und zwar mit dem CO2 Quelle: PR
Betroffen? Skoda-Modelle online prüfen. Quelle: PR
Skoda Yeti Quelle: PR
Weltweit sind bei Skoda rund 1,2 Millionen Fahrzeuge von der Abgas-Thematik betroffen. Quelle: PR
Skoda Octavia Quelle: PR
Audi A1 Quelle: PR
Definitiv betroffen: Mehr als eine halbe Million Audi-Modelle Quelle: PR
Definitiv betroffen: Audi A5 Quelle: PR
Definitiv betroffen: Audi A4 / A4 Avant Quelle: PR
Definitiv betroffen: Audi A3 Quelle: PR
Der Rückruf füllt für Vertragswerkstätten das Jahr 2016 komplett aus Quelle: PR
Definitiv betroffen: VW Tiguan mit EA189-Motor Quelle: PR
Betroffen sind VW-Modelle mit Euro-5-Dieselmotoren der Größe 2 Liter, 1,6 Liter und 1,2 Liter Hubraum Quelle: PR
Angeblich betroffen: Audi A7 quattro Quelle: PR
Betroffen: Audi A6 quattro Quelle: PR
Angeblich betroffen: Audi Q5 Quelle: PR
Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion Quelle: PR
Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6 Quelle: PR

Bosch ist womöglich ebenfalls von der Abgasaffäre bei Volkswagen betroffen: US-Ermittler haben den weltweit größten Zulieferer Insidern zufolge wegen möglicher Mitwisserschaft ins Visier genommen. Staatsanwälte im Justizministerium in Washington prüften, ob der Stuttgarter Konzern von den jahrelangen VW-Schummeleien gewusst habe oder daran beteiligt gewesen sei, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang. Zudem gebe es keine Anzeichen, dass die Behörden Beweise für ein Fehlverhalten von Bosch hätten.

Bosch, das US-Justizministerium und VW lehnten Stellungnahmen ab. VW hat zugegeben, in Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt zu haben, mit der Abgastests umgangen wurden, um eine Zulassung der Autos zu bekommen. Der Skandal hat den Wolfsburger Konzern in eine tiefe Krise gestürzt.

Von Bosch kommen wichtige Bauteile in dem Diesel-Motor, der in sechs betroffenen Volkswagen-Modellen und in einem betroffenen Audi-Modell genutzt wird. Bosch soll einem Medienbericht zufolge schon 2007 vor der gesetzeswidrigen Verwendung der Technik zur Abgasnachbehandlung gewarnt haben. Die von Bosch gelieferte Software sei nur für Testzwecke vorgesehen gewesen, nicht für den normalen Fahrbetrieb, hatte die "Bild am Sonntag" im September unter Berufung auf ein VW-internes Dokument geschrieben, auf das die interne Revision gestoßen sei. In einem Brief habe Bosch dem Konzern mitgeteilt, dass der geplante Einsatz illegal sei.

Rechtsexperten zufolge ist eine entscheidende Frage, ob der Zulieferer gewusst hat, dass seine Technologie für Manipulationen eingesetzt wird. "Wenn man weiß, dass ein Vergehen begangen wird, und man aktiv dazu beiträgt, dass es zu dem Vergehen kommt, sitzt man in der Patsche", erläuterte der auf Umweltrecht spezialisierte Anwalt Daniel Riesel von der Kanzlei Sive, Paget & Riesel.

Schaden für das US-Geschäft

Experten gehen davon aus, dass allein der Verdacht einer Beteiligung an den Abgas-Manipulationen Boschs Stellung in den USA beeinträchtigen könnte. "Das wird sicherlich die Beziehungen zu den US-Umweltbehörden belasten", sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Der Verdacht werde vermutlich auch auf Geschäftsfelder von Bosch jenseits der Automobilsparte ausstrahlen. Der Technologiekonzern aus der Nähe von Stuttgart macht etwa ein Fünftel seines Gesamtumsatzes von zuletzt knapp 50 Milliarden Euro in Amerika. Etwas größer ist der Anteil, den die Autosparte in den USA am weltweiten Umsatz der Kfz-Sparte hat.

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Volkswagen muss die von dem Abgasskandal betroffenen Diesel-Fahrzeuge in den USA womöglich teilweise zurückzukaufen. Die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb, Mary Nichols, sagte dem "Handelsblatt", es sei "ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss". Denn Erfahrungen mit anderen Herstellern hätten gezeigt, dass ein Nachrüsten der Fahrzeuge oft nicht so gut funktioniere wie geplant.

Der Autobauer muss der kalifornischen Behörde bis diesen Freitag einen Plan für technische Lösungen vorlegen, um den Abgasbetrug zu beenden. Nichols fordert ein Umweltkonzept, das die zusätzlichen Emissionen der Fahrzeuge ausgleicht. "Ganzseitige Anzeigen in der Zeitung zu schalten und den Kunden 1000 Dollar anzubieten, ist ja nett. Aber das ist noch nicht einmal ansatzweise genug, um das Ausmaß des Schadens zu thematisieren", sagte sie der Zeitung. In den USA bietet VW den von Manipulationen betroffenen Kunden als Zeichen der Wiedergutmachung Einkaufsgutscheine im Wert von je 1000 Dollar an.

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