VW-Abgas-Skandal Die fünf Baustellen des Volkswagen-Konzerns

Am Mittwoch trifft sich erneut der Aufsichtsrat von Volkswagen. Neben der Aufklärung des Abgasskandals müssen die Kontrolleure die Weichen für die Zeit nach Dieselgate stellen. Ein Überblick der Baustellen in Wolfsburg.

Nach VW-Skandal: Automobilkonzern im Umbau. Quelle: dpa Picture-Alliance

Dabei fing 2015 für Matthias Müller doch so gut an. Für das Vorjahr konnte der Porsche-Chef Absatzrekorde verbuchen. Nicht nur das neue SUV Macan verkaufte sich blendend. Statt sich aktiv an den Machtkämpfen zwischen Martin Winterkorn und Ferdinand Piëch in Wolfsburg zu beteiligen, fuhr Müller in Zuffenhausen Milliardengewinne ein.

Doch von den Zeiten, als der 62-Jährige mit Porsche von Erfolg zu Erfolg eilte, ist wenig geblieben. Müller ist seit dem 23. September Chef in Wolfsburg – und verantwortlich für die Aufräumarbeiten nach dem Abgas-Skandal. In den vergangenen zweieinhalb Monaten musste er häufiger um Entschuldigung bitten, beschwichtigen, Vertrauen aufbauen und nicht zuletzt aufklären als in seiner gesamten Laufbahn zuvor.

Auch in den kommenden Tagen muss Müller gleich zwei Mal für die Konzernverfehlungen der Vergangenheit Rede und Antwort stehen. Nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch wird er am Donnerstag zusammen mit Chefkontrolleur Hans Dieter Pötsch die Weltöffentlichkeit über den aktuellen Stand der Aufklärung der „Diesel-Thematik“ und die Neuausrichtung des Konzerns informieren. Eigentlich war die Restrukturierung bereits im September vollzogen, doch jetzt ist sie wieder auf der Agenda.

Die Diesel-Probleme lasten nicht nur weiter schwer auf Deutschlands größtem Autobauer, es kommen auch neue Unwägbarkeiten hinzu. Eine Übersicht.

Der Rückruf

Im Januar soll der Rückruf der in Deutschland betroffenen 2.460.876 Autos beginnen. Die Details für die Umrüstung der 482.000 Autos in den USA, die den Skandal einst ausgelöst haben, werden dem Vernehmen nach gerade noch mit den US-Behörden abgestimmt.

Während bei den hierzulande betroffenen Fahrzeugen mit 1,2- und 2,0-Liter-Motor nach VW-Angaben ein Softwareupdate ausreicht, muss bei den 1,6-Liter-Varianten des EA189 auch ein zusätzliches Teil eingebaut werden. Während anfangs über neue Injektoren oder tiefgreifendere Änderungen am Motor selbst spekuliert wurde, soll es jetzt ein sogenanntes Luftgleitgitter richten.

Was bei der Rückruf-Aktion auf VW-Besitzer zukommen könnte

Dieses Teil wird in der Ansauganlage eingebaut und soll dort den Luftstrom beruhigen, damit der Motor die Luftmenge genauer messen und so die perfekte Menge Kraftstoff einspritzen kann. Dass ein Milliarden teurer Skandal mit ein paar Zeilen Programmcode und einem Zehn-Euro-Bauteil behoben werden kann, mag skeptisch stimmen – zumal diese Lösung innerhalb von zwei Monaten in wirren Zeiten erarbeitet wurde.

Doch selbst wenn es stimmt und Volkswagen vor zehn Jahren noch nicht diese Erkenntnisse und Simulationsmöglichkeiten vorlagen, ist offenbar noch fraglich, ob der Rückruf wirklich im Januar starten kann. Die „Maßnahme“ an den 1,6-Liter-Motoren hat Müller ohnehin erst für den Herbst 2016 angekündigt, aber auch bei den anderen Modellen läuft offenbar nicht alles rund.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

Wie WirtschaftsWoche Online aus Händler-Kreisen erfuhr, liegen den Betrieben, die den Rückruf durchführen sollen, immer noch nicht alle Informationen zu dem Rückruf vor. Nicht nur technische Details, sondern auch organisatorische – zum Beispiel ob die Kosten für einen Mietwagen übernommen werden oder nicht.

Offiziell wollen sich der Händlerverband und einige große Volkswagen-Händler auf Anfrage jedoch nicht äußern. Gegenüber der „Oberbergischen Zeitung“ bestätigte jedoch ein kleinerer VW-Händler, wegen der fehlenden Informationen könne der Rückruf wohl erst im März beginnen.

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