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VW-Abgas-Skandal So haben VW-Manager ihren Betrug vertuscht

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Die Lage wird bedrohlicher

EPA und CARB schienen diese Erklärungen aber nicht plausibel genug. Die eigenen Messungen wurden immer genauer, die VW-Aussagen immer weniger glaubhaft. Deshalb drohten dem Konzern im Juli 2015 erste ernsthafte Konsequenzen – die US-Behörden wollten die VW-Fahrzeuge des Modelljahres 2016 nicht zertifizieren. Damit hätten die Autos in den USA nicht verkauft werden dürfen.

Am 27. Juli 2015, was ein zentraler Tag in der Aufarbeitung der Affäre werden könnte, soll es zu einem wichtigen Treffen in Wolfsburg gekommen sein. Laut der Anklageschrift soll an diesem Tag der festgenommene Oliver Schmidt das Thema dem „VW AG executive management“ präsentiert haben. Neußer war laut den US-Unterlagen anwesend, „among others“. Das ist die Aussage der Strafanzeige – anderen Berichten zufolge waren auch Konzernchef Martin Winterkorn und der neue VW-Markenchef Herbert Diess (Winterkorn hatte seine Doppelfunktion aufgegeben) anwesend. Damit wären zwei Vorstandsmitglieder Wochen vor der offiziellen Darstellung (dem 18. September 2015) über die Software und deren Auswirkungen informiert gewesen.

Aus diesem Grund kommt jenem Treffen eine besondere Rolle zu. Doch wer wirklich teilgenommen hat, ist noch nicht geklärt. In Bezug auf Schadenersatzklagen von Aktionären am Landgericht Braunschweig hatte VW vor bereits knapp einem Jahr mitgeteilt, dass der „konkrete Inhalt dieser informellen Besprechung“ am 27. Juli sich nicht im Detail rekonstruieren lasse – das gelte auch für die Frage, welcher Vorstand teilgenommen habe.

Eines ist nach diesem Treffen klar: Die Software wird weiter verschwiegen. Anfang August, also nur wenige Tage später, soll Schmidt bei einem Meeting mit CARB-Verantwortlichen in Michigan „Unregelmäßigkeiten“ und „Abnormalitäten“ als technische Ausreden für die Emissionsüberschreitungen angegeben haben.

In Vorbereitung für ein erneutes Treffen mit CARB-Vertretern soll Schmidt in einer Mail geschrieben haben, dass ein Manager ihm gegenüber telefonisch erklärt habe, „warum ein anderer Angestellter nicht mehr an künftigen CARB-Treffen teilnehmen soll – damit er nicht mehr andauernd lügen muss“. Für dasselbe Treffen soll Neußer am 18. August 2015 noch ein Schriftstück abgesegnet haben, das das Defeat Device weiter verschweigen sollte, um doch noch die Zulassung für den Modelljahrgang 2016 zu erhalten.

Doch das Treffen selbst – Neußer war nicht anwesend – lief wohl nicht nach Plan. Ein nicht näher genannter Mitarbeiter soll zum ersten Mal zugegeben haben, dass auf Anweisung aus dem Vorstand einige der betroffenen 2,0-Liter-Fahrzeuge mit unterschiedlicher Abgas-Nachbearbeitung betrieben werden.

Erst zwei Wochen später, am 3. September, gab ein „VW executive“ die Existenz des Defeat Device formal zu. Dabei soll er aber „den falschen Eindruck erweckt haben, dass er zuvor vor dem Defeat Device nicht wusste“, so die Ermittler.

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